Tamper-Evident-Verpackung

Tamper-Evident-Verpackung
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Eine Tamper-Evident-Verpackung zeigt zuverlässig an, ob sie nach dem Verschließen bereits einmal geöffnet wurde. Der deutsche Rechtsbegriff dafür lautet Vorrichtung gegen Manipulation, umgangssprachlich hat sich Originalitätsverschluss durchgesetzt. Das Prinzip ist immer gleich: Beim ersten Öffnen verändert sich ein Bauteil der Verpackung irreversibel – eine Lasche reißt, ein Klebstoff hinterlässt ein Muster, eine Folie löst sich nicht rückstandsfrei ab. Diese Veränderung lässt sich weder rückgängig machen noch unbemerkt kaschieren.

Besonders verbindlich ist die Anforderung im Pharmabereich: Für verschreibungspflichtige Arzneimittel schreibt die EU seit 2019 einen Originalitätsverschluss vor. Außerhalb der Pharmaindustrie setzen Hersteller Tamper-Evident-Lösungen freiwillig ein, etwa bei Lebensmitteln, Kosmetik und hochwertigen Konsumgütern, um Manipulation zu erschweren und Verbrauchervertrauen zu sichern.

Funktionsprinzip der Tamper-Evident-Verpackung

Ein Originalitätsverschluss verhindert eine Manipulation nicht physisch – er macht sie sichtbar. Das unterscheidet ihn von einer kindergesicherten Verschlusskappe, die eine andere Schutzfunktion erfüllt und in eigenen Normen geregelt ist. Tamper-Evident-Merkmale beruhen stattdessen auf einer definierten Materialveränderung: Klebeverbindungen reißen entlang einer Sollbruchstelle, Beschichtungen lösen sich sichtbar ab, oder ein Siegel trennt sich nur zusammen mit einem Teil des Packmittels. Wer die Verpackung erneut verschließt, kann die ursprüngliche Unversehrtheit nicht wiederherstellen – genau das macht den Verschluss zum Nachweis.

In der Praxis wird zwischen zwei verwandten, aber nicht identischen Zielen unterschieden: dem reinen Erstöffnungsnachweis (die Verpackung zeigt an, dass sie geöffnet wurde) und dem weitergehenden Manipulationsschutz (zusätzliche Barrieren erschweren das Öffnen selbst). Ein Originalitätsverschluss im engeren Sinn erfüllt in erster Linie die Nachweisfunktion; er macht keine Aussage darüber, wie leicht oder schwer sich die Verpackung öffnen lässt.

Arten von Originalitätsverschlüssen

Die europäische Norm zur Prüfung von Manipulationsschutz an Arzneimittelverpackungen unterscheidet insgesamt zehn Verpackungsvarianten, von der Faltschachtel mit Klebelasche bis zu BFS-Behältern (Blow-Fill-Seal). Die folgende Auswahl zeigt die in der Praxis gängigsten Prinzipien:

Verschlussart Funktionsprinzip Typischer Einsatz
Faltschachtel mit Klebelasche Lasche wird werkseitig fest mit dem Kartonkorpus verklebt; Aufreißen bei der Erstöffnung ist sichtbar Sekundärverpackung für Arzneimittel, Kosmetik
Siegeletikett mit VOID-Effekt Spezialklebstoff hinterlässt beim Ablöseversuch den Schriftzug „VOID“ oder ein Punktmuster auf dem Untergrund Flaschen, Tuben, Faltschachteln, Blister-Umverpackungen
Schrumpfband / Banderole Folienmanschette um Verschluss oder Flaschenhals reißt beim ersten Öffnen an einer definierten Perforation auf Getränkeflaschen, Lebensmittelgläser
Induktionssiegel Aluminium-Foliendichtung im Kappeninneren wird per elektromagnetischer Induktion auf den Flaschenhals geschweißt und lässt sich nicht rückstandsfrei lösen Kunststoff- und Glasflaschen mit Schraubverschluss
Blister-Sichtverpackung Tiefgezogene Folie ist fest mit dem Kartonrücken verbunden; Herauslösen zerstört die Verpackungseinheit Tabletten, Kapseln, kleinteilige Konsumgüter
Originalitätsverschluss-Arten im ÜberblickOriginalitätsverschluss im ÜberblickVier gängige technische Prinzipien1 · Faltschachtel mit KlebelascheLasche fest mit dem Karton verklebt;Aufreißspuren zeigen die Erstöffnung.2 · Siegeletikett / VOID-EffektSpezialkleber hinterlässt beim Ablösenden Schriftzug „VOID“ oder ein Muster.3 · Schrumpfband / BanderoleFolienbanderole um Verschluss oder Hals;reißt beim ersten Öffnen sichtbar auf.4 · InduktionssiegelFolie wird per Induktion auf den Halsgeschweißt, ohne Bruch nicht zu öffnen.

Banderolen und Schrumpfmanschetten bestehen meist aus dünner, schrumpffähiger PP-Folie (Polypropylen), während Blister-Sichtverpackungen je nach Anforderung aus PVC, PET oder Polystyrol tiefgezogen werden. Bei Kunststoffflaschen, deren Rohlinge im Streckblasverfahren aus Preforms hergestellt werden, kommen für den Erstöffnungsschutz meist Banderolen oder Induktionssiegel zum Einsatz.

Gesetzliche Vorgaben in der EU für Arzneimittelverpackungen

Die Fälschungsschutzrichtlinie 2011/62/EU vom 8. Juni 2011 ergänzte die Richtlinie 2001/83/EG um Artikel 54a und verpflichtet Hersteller verschreibungspflichtiger Arzneimittel zu zwei Sicherheitsmerkmalen auf der Verpackung: einem individuellen Erkennungsmerkmal (Produktcodierung aus Produktcode, Seriennummer, Chargenbezeichnung und Verfalldatum) sowie einer Vorrichtung gegen Manipulation. Die Delegierte Verordnung (EU) 2016/161 vom 2. Oktober 2015 konkretisiert diese Anforderung: Nach Artikel 3 Absatz 2 Buchstabe b ist die Vorrichtung gegen Manipulation das Sicherheitsmerkmal, mit dem sich überprüfen lässt, ob die Verpackung manipuliert wurde. Nach Artikel 50 Absatz 2 gelten beide Sicherheitsmerkmale seit dem 9. Februar 2019 verbindlich. Belgien, Griechenland und Italien erhielten wegen bereits bestehender nationaler Systeme eine Übergangsfrist bis spätestens 9. Februar 2025.

Tamper-Evident-Verpackung in der Pharmaindustrie: Faltschachtel mit Originalitätsverschluss
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securPharm: Prüfung in der deutschen Apotheke

In Deutschland läuft die Kontrolle über das System securPharm. Seit dem 9. Februar 2019 dürfen Hersteller nur noch verschreibungspflichtige Arzneimittel in Verkehr bringen, deren Packung eindeutig identifizierbar und erkennbar unversehrt ist. Beim Abgeben scannt das Apothekenpersonal den Data-Matrix-Code der Packung; die Verifikation gegen die Herstellerdatenbank läuft in Millisekunden. Zusätzlich wird die Vorrichtung gegen Manipulation optisch geprüft – eine aufgerissene Lasche, ein fehlendes VOID-Muster oder ein beschädigtes Siegel führt dazu, dass die Packung nicht abgegeben werden darf.

Normen zur Prüfung: DIN EN 16679 und ISO 21976

Für die praktische Umsetzung existiert ein eigenes Normenwerk, das Anbringung, Verwendung und Prüfung von Originalitätsverschlüssen an Arzneimittelverpackungen beschreibt:

Norm Status Bemerkung
DIN EN 16679:2015-03 (dt. Fassung EN 16679:2014) zurückgezogen Beschrieb zehn Verpackungsvarianten für Originalitätsverschlüsse und stützte die Umsetzung von Art. 54a RL 2001/83/EG i. d. F. 2011/62/EU
DIN EN ISO 21976:2020-12 aktuell Internationales Äquivalent zu EN 16679:2014, hat die europäische Norm abgelöst

Einsatz außerhalb der Pharmaindustrie

Auch ohne gesetzliche Pflicht setzen Hersteller in der Lebensmittelbranche, der Kosmetik und im Konsumgüterbereich Originalitätsverschlüsse ein – als sichtbares Qualitäts- und Vertrauenssignal für Kundinnen und Kunden sowie zum Marken- und Produktschutz. Bei Schraubgläsern für Lebensmittel übernimmt oft ein kleiner Sicherheitsknopf im Deckel dieselbe Funktion wie ein Siegeletikett: Er springt beim ersten Öffnen durch den Druckausgleich hörbar heraus und bleibt danach dauerhaft sichtbar eingedrückt oder herausgesprungen. Bei Kosmetikflaschen und hochwertigen Spirituosen erfüllen Schrumpfbanderolen und Siegeletiketten dieselbe Funktion wie im Pharmabereich, ohne dass eine bestimmte Bauart vorgeschrieben wäre.

Ein Nebeneffekt ist recyclingrelevant: Banderolen, Etiketten und Foliensiegel bestehen häufig aus einem anderen Kunststoff als der Hauptbehälter und müssen beim Recycling sortenrein getrennt werden, damit hochwertiges Rezyklat entsteht. Wer schon bei der Materialauswahl auf sortenreine oder gut trennbare Kombinationen achtet, erleichtert diesen Schritt.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter einer Tamper-Evident-Verpackung?

Eine Verpackung, die eine Erstöffnung durch eine irreversible Materialveränderung – etwa eine aufgerissene Lasche oder ein VOID-Muster – sichtbar und nicht rückgängig macht. Der deutsche Rechtsbegriff lautet Vorrichtung gegen Manipulation, gebräuchlich ist auch Originalitätsverschluss.

Welche gesetzlichen Vorgaben gelten in der EU für Arzneimittelverpackungen?

Die Richtlinie 2011/62/EU und die Delegierte Verordnung (EU) 2016/161 schreiben für verschreibungspflichtige Arzneimittel seit dem 9. Februar 2019 ein individuelles Erkennungsmerkmal und eine Vorrichtung gegen Manipulation vor. Belgien, Griechenland und Italien hatten eine Übergangsfrist bis 9. Februar 2025.

Welche Arten von Originalitätsverschlüssen gibt es?

Die Norm DIN EN 16679 unterschied zehn Verpackungsvarianten. Praktisch am gebräuchlichsten sind Faltschachteln mit Klebelasche, Siegeletiketten mit VOID-Effekt, Schrumpfbanderolen, Induktionssiegel und verklebte Blister-Sichtverpackungen.

Wie erkennt man eine manipulierte Medikamentenverpackung?

An sichtbaren Schäden des Originalitätsverschlusses: einer aufgerissenen oder losen Lasche, einem fehlenden oder unvollständigen VOID-Muster, einem beschädigten Siegel oder einem Induktionssiegel, das sich bereits gelöst hat. In der Apotheke wird zusätzlich das individuelle Erkennungsmerkmal über den Data-Matrix-Code gegen die Herstellerdatenbank geprüft.

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