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Eine Faltschachtel ist eine einteilige Verpackung aus Karton, die flach und platzsparend angeliefert und erst unmittelbar vor der Befüllung vom Verwender aufgerichtet wird. Sie besteht aus Vollpappe – im Unterschied zur Wellpappe ein massiver, nicht gewellter Kartonwerkstoff – und wird vor allem als Verkaufsverpackung für Konsumgüter eingesetzt, etwa in der Kosmetik-, Lebensmittel- und Pharmabranche. Wie stabil, wie schnell montierbar und wie hochwertig eine Faltschachtel ausfällt, hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: der gewählten Kartonsorte und der Bodenkonstruktion.
Faltschachtelkarton: Kartonsorten und Grammatur
Als Teil der Papierverpackungen bestehen Faltschachteln aus sogenanntem Faltschachtelkarton, einem mehrlagigen Vollpappe-Werkstoff. Die gebräuchlichsten Sorten unterscheiden sich in Rohstoffbasis und Oberfläche: Chromosulfatkarton (GZ) besteht durchgehend aus gebleichtem Zellstoff und ist beidseitig weiß, Chromokarton (GC) ist mehrlagig mit einem Frischfaseranteil aufgebaut und in den Varianten GC1 (weiße Rückseite) und GC2 (cremefarbene Rückseite) erhältlich, und Chromoduplexkarton (GD) enthält einen hohen Altpapieranteil und hat eine weiß gestrichene Vorder- bei grauer Rückseite.
| Kartonsorte | Rohstoffbasis | Optik | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| GZ – Chromosulfatkarton | Durchgehend gebleichter Zellstoff (Frischfaser) | Beidseitig weiß, glatt | Hochwertige Verpackungen, Broschüren, Grußkarten |
| GC1/GC2 – Chromokarton | Mehrlagig, mit Frischfaseranteil | GC1 weiße Rückseite, GC2 cremefarbene Rückseite | Standard-Faltschachteln, Kosmetik- und Konsumgüterverpackung |
| GD – Chromoduplexkarton | Hoher Altpapieranteil (Sekundärfaser) | Weiß gestrichene Vorderseite, graue Rückseite | Blister-Einleger, Displays, Sekundärverpackung |
Die Grammatur des Faltschachtelkartons richtet sich nach dem Füllgewicht: Leichte Faltschachteln, etwa für pharmazeutische Produkte, liegen meist bei rund 250 bis 300 Gramm pro Quadratmeter, Standard-Faltschachteln bei rund 250 bis 450 Gramm pro Quadratmeter, und schwere Sekundärverpackungen im Lebensmittelbereich bei rund 350 bis 450 Gramm pro Quadratmeter.
Bodenkonstruktionen der Faltschachtel
Faltschachteln unterscheiden sich vor allem in der Konstruktion ihres Bodens. Drei Bauarten haben sich am Markt durchgesetzt:
Neben diesen drei Bodenkonstruktionen wird am Markt häufig auch die Stülpdeckelschachtel als Faltschachtel bezeichnet. Fachlich korrekt ist das nur eingeschränkt: Anders als die einteilige, flach angelieferte Faltschachtel besteht die Stülpdeckelschachtel aus zwei separaten Teilen – Ober- und Unterteil –, die ineinandergestülpt werden, und zählt damit zu den starren Kartonagen. Für die Materialauswahl ist die Unterscheidung relevant: Starre Schachteln wirken stabiler und hochwertiger, müssen aber vormontiert und damit deutlich raumgreifender transportiert und gelagert werden als flach anlieferbare Faltschachteln.
Herstellung: vom Druckbogen zur Faltschachtel
Die Fertigung beginnt mit dem Bedrucken des Kartonbogens, meist im Offsetdruck. Anschließend durchläuft der Bogen eine Stanzmaschine, die mit einem eigens für den jeweiligen Zuschnitt gefertigten Stanzwerkzeug arbeitet: Sie schneidet die Kontur der Schachtel aus, rillt die späteren Faltlinien und schlitzt Lasche und Verschluss vor. Ein Druckbogen enthält dabei in der Regel mehrere gleiche Zuschnitte gleichzeitig – die sogenannten Nutzen –, um den Materialeinsatz zu optimieren. Nach dem Stanzen wird der Verschnitt (Stanzabfall) automatisch ausgebrochen; bei Automatikboden-Konstruktionen werden die Bodenlaschen bereits während der Produktion verklebt. Die fertige, flach liegende Faltschachtel wird gebündelt ausgeliefert und erst beim Verwender aufgerichtet und befüllt.
Klassifizierungssysteme: ECMA-Code und FEFCO-Code
Für die Kommunikation zwischen Design, Druckerei und Kartonhersteller haben sich zwei unterschiedliche Codesysteme etabliert, die in der Praxis häufig verwechselt werden. Der ECMA-Code der European Carton Makers Association (ECMA, gegründet 1960, Sitz Den Haag) ist ein seit 1967 gepflegter Katalog standardisierter Zuschnitte ausschließlich für Faltschachteln aus Vollpappe/Karton. Er ordnet Bauformen in mehrere Hauptgruppen: Gruppe A umfasst rechteckige Faltschachteln mit Längsnahtklebung, Gruppe B rechteckige Faltschachteln ohne Längsnahtklebung, die Gruppen C und D nicht rechteckige Formen mit beziehungsweise ohne Längsnahtklebung, Gruppe E Faltschachteln mit Produktintegration und Gruppe F sonstige Bauformen; Gruppe X fasst Verschlüsse und Hilfsvorrichtungen zusammen, die sich mit allen Gruppen kombinieren lassen. Der ECMA gehören rund 500 Kartonhersteller aus nahezu allen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums an, was rund 70 Prozent des europäischen Marktvolumens entspricht.
Der FEFCO-ESBO-Code deckt dagegen in erster Linie Wellpappen-Verpackungen ab: FEFCO steht für die Fédération Européenne des Fabricants de Carton Ondulé, den europäischen Wellpappenverband, ESBO für die European Solid Board Organization, durch deren Anschluss der Code um Vollpappe-Transportverpackungen erweitert wurde. Er vergibt vierstellige Nummern, deren erste beide Ziffern die Grundform bestimmen – etwa FEFCO 0201 für den gängigsten Standard-Versandkarton aus Wellpappe mit durchgehenden Boden- und Deckellaschen. Kurz gefasst: FEFCO ordnet vor allem Wellpappen-Transportverpackungen, ECMA ausschließlich Faltschachteln aus Karton – beide Systeme werden in der Praxis häufig fälschlich synonym verwendet.
Einsatzgebiete in Industrie und Handel
Faltschachteln dienen in erster Linie als Verkaufsverpackung: als Geschenk- und Produktverpackung im Einzelhandel, als Sekundärverpackung für kleinteilige Konsumgüter sowie als bedruckbare Markenverpackung am Point of Sale. Von den größeren, meist aus Wellpappe gefertigten Faltkartons für Transport und Versand unterscheiden sie sich durch das leichtere, glattere Kartonmaterial und die auf Warenpräsentation statt auf Stapel- und Transportlast ausgelegte Konstruktion.
Nachhaltigkeit, Recycling und Verpackungsgesetz
Faltschachtelkarton besteht aus Zellstoff- oder Altpapierfasern und lässt sich nach Gebrauch über die Altpapiersammlung entsorgen, sofern er nicht mit Kunststoff- oder Metallelementen kombiniert ist, die zuvor getrennt werden müssen. Wer Faltschachteln als befüllte Verkaufsverpackung erstmals gewerblich in Verkehr bringt, muss sich vor dem Inverkehrbringen bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister registrieren (Paragraf 9 Verpackungsgesetz) und die Verpackung bei einem dualen System lizenzieren (Paragraf 7 Verpackungsgesetz); die Einzelheiten der Verpackungsgesetze und ihrer Nachweispflichten sind je nach Vertriebsweg unterschiedlich ausgestaltet.

Bezugsquellen
Faltschachteln und passenden Faltschachtelkarton führen mehrere spezialisierte Anbieter im deutschsprachigen Raum. Natürlich Verpacken und Karton.eu bieten Faltschachteln in unterschiedlichen Größen und Ausführungen für den gewerblichen Bedarf an, Onlinepack ergänzt das Sortiment um einen Konfigurator für individuell zugeschnittene Faltschachteln sowie um Bedruckung ab kleinen Stückzahlen.
Häufig gestellte Fragen
Wofür werden Faltschachteln typischerweise eingesetzt?
Faltschachteln werden vor allem als Verkaufsverpackung für Konsumgüter eingesetzt: als Geschenk- und Produktverpackung im Einzelhandel, als Sekundärverpackung für kleinteilige Waren sowie als bedruckte Markenverpackung am Point of Sale, etwa in der Kosmetik-, Lebensmittel- und Pharmabranche.
Aus welchen Materialien bestehen Faltschachteln?
Faltschachteln bestehen aus Faltschachtelkarton, einem mehrlagigen Vollpappe-Werkstoff. Gängige Sorten sind Chromosulfatkarton (GZ) aus durchgehend gebleichtem Zellstoff, Chromokarton (GC1/GC2) mit Frischfaseranteil sowie Chromoduplexkarton (GD) mit hohem Altpapieranteil; die Grammatur liegt je nach Einsatz meist zwischen 250 und 450 Gramm pro Quadratmeter.
Was unterscheidet die Faltschachtel von der Stülpdeckelschachtel und vom Faltkarton aus Wellpappe?
Die Faltschachtel ist einteilig, wird flach angeliefert und vom Verwender selbst aufgerichtet. Die Stülpdeckelschachtel besteht dagegen aus zwei separaten, ineinandergestülpten Teilen und zählt zu den starren Kartonagen. Der Faltkarton aus Wellpappe ist durch seine gewellte Mittellage stabiler und wird vor allem für Transport und Versand statt für die Warenpräsentation eingesetzt.
Können Faltschachteln individuell bedruckt werden?
Ja. Der Kartonbogen wird vor dem Stanzen bedruckt, meist im Offsetdruck; dadurch lassen sich Marke, Produktinformationen und Gestaltung flächendeckend auf der Faltschachtel umsetzen. Viele Hersteller bieten Bedruckung bereits ab kleinen Stückzahlen an.
Was regelt der ECMA-Code, und wie unterscheidet er sich vom FEFCO-Code?
Der ECMA-Code ordnet ausschließlich Faltschachteln aus Vollpappe/Karton nach Bauform in Gruppen (A bis F) und Verschlussarten (Gruppe X). Der FEFCO-ESBO-Code deckt dagegen vor allem Transportverpackungen aus Wellpappe ab. Beide Systeme werden in der Praxis häufig verwechselt, betreffen aber unterschiedliche Materialien und Verpackungszwecke.