Stretchfolie

Stretchfolie
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

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Stretchfolie ist eine hochelastische Kunststofffolie, mit der Waren auf einer Palette oder anderen Ladeeinheit spiralförmig umwickelt und dadurch zu einer transportstabilen Einheit fixiert werden. Der übergeordnete Materialbegriff lautet Dehnfolie; in der Logistikpraxis hat sich für die palettenbezogene Anwendung „Stretchfolie“ durchgesetzt, daneben ist „Wickelfolie“ gebräuchlich. Dieser Beitrag ist der Leitartikel eines Themenclusters: Materialaufbau, Herstellungsverfahren und die Wahl zwischen Hand- und Maschinenfolie stehen hier im Vordergrund. Foliendicken und Vordehnungsmechanik im Detail behandelt der Beitrag zur Dehnfolie, die automatisierte Wickeltechnik der Beitrag zum Wickelstretch, und die Einordnung neben Umreifung, Kleben und Schrumpfen der Beitrag zur Palettensicherung.

Was ist Stretchfolie? Material und Wirkprinzip

Stretchfolie besteht nahezu ausschließlich aus LLDPE (linear low-density polyethylene, lineares Polyethylen niedriger Dichte) mit einer Dichte von 0,916 bis 0,940 g/cm³. Die weitgehend linearen Molekülketten mit nur kurzen Seitenverzweigungen können beim Dehnen aneinander vorbeigleiten, statt sich zu verhaken – das ergibt gegenüber dem stärker verzweigten Standard-LDPE eine höhere Zugfestigkeit und Durchstoßfestigkeit und erlaubt dünnere, dennoch reißfeste Folien. Wird die Folie gedehnt und um die Ladung gewickelt, wollen die gestreckten Molekülketten in ihren Ausgangszustand zurück; diese Rückstellkraft hält die Ladung zusammen, ganz ohne Wärmezufuhr oder Klebstoff. Ein während der Extrusion eingebrachter Klebrigmacher sorgt zusätzlich für den charakteristischen Selbstklebeeffekt (Cling), mit dem die Folie an sich selbst haftet.

Herstellung: Cast- und Blasfolien-Verfahren

Stretchfolie wird in zwei unterschiedlichen Extrusionsverfahren hergestellt, die sich in Werkzeug, Kühlung und Materialeigenschaften unterscheiden. Beim Cast-Verfahren (Gießfolie) presst eine Breitschlitzdüse das aufgeschmolzene Granulat auf eine wassergekühlte Walze, wo es schlagartig erstarrt; das Ergebnis ist eine monoaxial ausgezogene Folie mit hoher Transparenz und hoher Laufgeschwindigkeit in der Produktion. Beim Blasfolien-Verfahren presst eine Ringdüse das Material zu einem Folienschlauch, der als Blase von innen und außen mit Luft gekühlt wird; die dabei entstehende biaxiale Dehnung ergibt eine höhere Durchstoßfestigkeit, allerdings bei geringerer Maschinenlaufleistung. In der Praxis dominiert das Cast-Verfahren: Laut Branchenangaben werden rund 80 Prozent aller Stretchfolien im Gießverfahren hergestellt.

Stretchfolie herstellen: Cast- vs. Blasfolien-VerfahrenStretchfolie herstellenCast- vs. Blasfolien-VerfahrenCast-Verfahren (Gießfolie)ExtruderFlachdüseKühlwalzeBranchenangabe: rund 80 % MarktanteilHohe Laufgeschwindigkeit, klare FolieBlasfolien-VerfahrenExtruderRingdüseLuftkühlungBeidseitige Kühlung durch LuftHöhere Durchstoßfestigkeit, langsamer
Merkmal Cast-Verfahren Blasfolien-Verfahren
Düse Breitschlitzdüse Ringdüse
Kühlung Wassergekühlte Walze, einseitig Luft, von innen und außen
Dehnungsrichtung Monoaxial Biaxial
Stärke Transparenz, hohe Laufgeschwindigkeit Höhere Durchstoßfestigkeit
Marktanteil Rund 80 % (Branchenangabe) Rund 20 %

Handstretchfolie und Maschinenstretchfolie im Vergleich

Für die Anwendung stehen zwei grundsätzliche Systeme zur Wahl: das manuelle Umwickeln mit einem Handabroller und das maschinelle Wickeln mit einer Stretchwickelmaschine. Beide nutzen dieselbe Foliengrundlage, unterscheiden sich aber deutlich in Foliendicke, erreichbarer Dehnung und Wirtschaftlichkeit.

Merkmal Handstretchfolie Maschinenstretchfolie
Gängige Foliendicke 17, 20 oder 23 µm 15, 17, 20 oder 23 µm (23 µm Standard)
Aufbringen Handabroller oder von Hand Wickelmaschine mit Vordehnwerk
Dehnung Bis 250 % (Power) bzw. 300 % (Superpower) Materialdehnung 150–300 % kontrollierte Vordehnung beim Wickeln
Typischer Einsatz Einzelpaletten, geringes Volumen Hohes Palettenaufkommen, Lager/Versandzentrum

Bei Handstretchfolie bestimmt allein die Zugkraft der Bedienperson die Dehnung; sie bleibt unregelmäßig und im Alltag meist deutlich unter dem technisch möglichen Wert. Wickelmaschinen mit Vordehnwerk – zwei unterschiedlich schnell laufende Walzenpaare – dehnen die Folie dagegen kontrolliert und reproduzierbar vor: Übliche Vordehnungsgrade liegen bei 150 bis 300 Prozent, moderne Maschinenfolien lassen sich komfortabel bis 300 Prozent vordehnen. Wie sich diese Vordehnung konkret auf den Materialverbrauch auswirkt und welche Wickelanlagen dafür infrage kommen, ordnet der Beitrag zum Wickelstretch ein.

Einsatzbereiche: Palettensicherung, Versand und E-Commerce

Der mit Abstand größte Einsatzbereich von Stretchfolie ist die Sicherung von Ladeeinheiten auf Paletten in Lager und Logistik: Die Folie schützt vor Staub und Feuchtigkeit, hält Kartons oder Gebinde zusammen und lässt die Ware dabei sichtbar. Daneben wird Stretchfolie zum Bündeln kleinerer Gegenstände, im Versandhandel für unregelmäßig geformte Sendungen und – in schmaleren Ausführungen – für Rohre, Profile oder Kabeltrommeln eingesetzt. Stretchfolie ist dabei nur eine von mehreren Methoden, eine Ladung zu sichern: Umreifungsband, Klebeband und Schrumpffolie sind Alternativen mit jeweils eigenen Stärken und Grenzen, die im Detail verglichen werden.

Recycling und rechtliche Einordnung

Sortenreine PE-Stretchfolie trägt den Recyclingcode 04 (PE-LD) und lässt sich mechanisch recyceln; im Gewerbeabfall wird sie bereits heute vielfach sortenrein gesammelt und der Extrusion zu Rezyklat zugeführt. Für landwirtschaftliche Silo- und Stretchfolien organisiert die Initiative ERDE (Erntekunststoffe Recycling Deutschland) eine gesonderte Rücknahme über feste und mobile Sammelstellen; 2022 wurden auf diesem Weg rund 68,7 Prozent der in Deutschland in Verkehr gebrachten Silo- und Stretchfolien gesammelt und werkstofflich recycelt. Für die im Lager- und Versandalltag verwendete Ladeeinheiten-Stretchfolie gilt dieser Sammelweg nicht unmittelbar; sie fällt stattdessen unter die allgemeine Gewerbeabfall-Sortierung.

Rechtlich zählt Stretchfolie zur Ladungssicherung meist als Transportverpackung nach § 3 Abs. 1 Nr. 3 VerpackG: Sie erleichtert Handhabung und Transport, vermeidet Transportschäden und ist typischerweise nicht zur Weitergabe an den Endverbraucher bestimmt. Für Transportverpackungen besteht keine Pflicht zur Systembeteiligung bei einem dualen System, wohl aber eine unentgeltliche Rücknahmepflicht nach § 15 VerpackG: Hersteller und Vertreiber müssen gebrauchte, restentleerte Verpackungen gleicher Art, Form und Größe am Ort der Übergabe oder in dessen unmittelbarer Nähe zurücknehmen. Einen Überblick über weitere Pflichten liefert der Beitrag zu den Verpackungsgesetzen.

Wo Stretchfolie beziehen

Stretchfolie in unterschiedlichen Stärken und Formaten führen sowohl allgemeine Marktplätze als auch spezialisierte Verpackungshändler im Sortiment, etwa das breite Stretchfolien-Angebot bei Amazon, das Fachsortiment von Onlinepack oder das Sortiment der Europack24 GmbH. Welche Stärke und welches Herstellungsverfahren sich eignen, richtet sich vor allem nach Ladungsgewicht, Kantenschärfe und Transportweg.

Stretchfolienrollen in unterschiedlichen Stärken für Hand- und Maschinenanwendung
Illustration: mit KI erstellt

Häufig gestellte Fragen

Welche Stärken und Formate gibt es bei Stretchfolie?

Handstretchfolie ist gängig in 17, 20 und 23 µm bei meist 500 mm Rollenbreite, Maschinenstretchfolie in 15, 17, 20 und 23 µm, wobei sich 23 µm als robuste Standardstärke etabliert hat. Manche Anbieter führen Sortimente von 8 bis 23 µm für unterschiedliche Einsatzzwecke.

Wie unterscheidet sich Handstretchfolie von Maschinenstretchfolie?

Handstretchfolie wird mit einem Handabroller oder frei von Hand um die Ladung gewickelt, wobei die Dehnung von der Zugkraft der Bedienperson abhängt. Maschinenstretchfolie durchläuft vor dem Wickeln ein Vordehnwerk, das die Folie kontrolliert und reproduzierbar auf 150 bis 300 Prozent dehnt – das spart Material und liefert gleichmäßigere Ergebnisse.

Was unterscheidet Cast- von Blasfolie?

Cast-Folie entsteht durch eine Breitschlitzdüse auf einer gekühlten Walze und punktet mit Transparenz und hoher Produktionsgeschwindigkeit; sie deckt laut Branchenangaben rund 80 Prozent des Marktes ab. Blasfolie wird über eine Ringdüse zu einer luftgekühlten Folienblase geformt und erreicht durch die biaxiale Dehnung eine höhere Durchstoßfestigkeit, bei geringerer Laufgeschwindigkeit.

Worauf sollte man bei der Auswahl von Stretchfolie für den Palettentransport achten?

Entscheidend sind Ladungsgewicht, Kantenschärfe und Transportweg: Dünnere Folien ab rund 15 bis 17 µm reichen für leichte, gleichmäßige Ladungen, während schwere oder kantige Güter dickere Folien um 23 µm oder mehr benötigen. Wie sich Stretchen gegenüber Umreifen, Kleben und Schrumpfen schlägt, ordnet der Beitrag zur Palettensicherung ein.

Wie wird Stretchfolie richtig entsorgt oder recycelt?

Sortenreine PE-Stretchfolie trägt den Recyclingcode 04 und lässt sich mechanisch recyceln; im Gewerbeabfall sollte sie möglichst sortenrein und getrennt von verschmutzten Folien gesammelt werden. Für landwirtschaftliche Silo- und Stretchfolien sammelt die Initiative ERDE gezielt zurück, 2022 rund 68,7 Prozent der in Deutschland in Verkehr gebrachten Menge.