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Palettensicherung bezeichnet die Fixierung von Waren auf einer Lademittelpalette zu einer transportstabilen Ladeeinheit. Der Begriff ist von der Ladungssicherung im Fahrzeug zu unterscheiden, auch wenn beide in der Praxis oft vermischt werden: Palettensicherung sorgt dafür, dass die Ware selbst beim Transport nicht verrutscht, kippt oder beschädigt wird. Die anschließende Befestigung der beladenen Palette am oder im Fahrzeug ist ein separater Arbeitsschritt, meist mit Zurrgurten nach DIN EN 12195-2. Für die Palettensicherung selbst stehen vier etablierte Methoden zur Verfügung: Stretchen, Umreifen, Kleben und Schrumpfen.
Gesetzlicher und normativer Rahmen der Palettensicherung
Die grundlegende Pflicht zur Ladungssicherung ergibt sich in Deutschland aus § 22 Abs. 1 StVO: Ladung ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen oder herabfallen kann; zusätzlich sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten. Für die Berechnung der dafür nötigen Sicherungskräfte ist DIN EN 12195-1 (Fassung 2021-01) die maßgebliche technische Grundlage. Sie rechnet für Straßenfahrzeuge über 3,5 t zulässiger Gesamtmasse mit Beschleunigungsbeiwerten von 0,8 g in Fahrtrichtung (Vollbremsung) sowie 0,5 g nach hinten und zur Seite (Anfahren, Kurvenfahrt, Ausweichmanöver).
Wie stabil eine fertig gesicherte Ladeeinheit tatsächlich ist, lässt sich messen: Die Prüfnorm EUMOS 40509 ermittelt die Verformung der Ladeeinheit unter dynamischer Beschleunigung, entweder auf einem Beschleunigungsschlitten oder direkt am Fahrzeug. Zulässig sind eine elastische Verformung von unter 10 %, eine bleibende Verformung von unter 5 % und ein Schichtversatz von unter 2 %, jeweils ohne dass die Ware beschädigt wird. Die EU-Richtlinie 2014/47/EU nimmt bei der technischen Unterwegskontrolle von Ladeeinheiten ausdrücklich auf solche Prüfverfahren Bezug. Ergänzend klassifiziert die seit September 2022 gültige DIN 55415 Ladeeinheiten erstmals in fünf Transportstabilitätsklassen, gestaffelt nach der g-Kraft, bei der die Verformung unter 4 cm bleibt.
Dass diese Normen keine Formalie sind, zeigen die Unfallzahlen: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert die jährlichen Sachschäden durch mangelhafte Ladungssicherung in Deutschland auf eine dreistellige Millionenhöhe; mehr als 15.000 Unfälle pro Jahr werden auf Sicherungsmängel zurückgeführt. Allein 2020 registrierte das Statistische Bundesamt 537 Unfälle mit Personenschäden, die auf unzureichend gesicherte Ladung zurückgingen.

Methoden der Palettensicherung im Vergleich
Für die Fixierung der Ware auf der Palette haben sich vier Verfahren durchgesetzt, die sich in Material, Handhabung und Schutzwirkung unterscheiden.
Stretchen mit Stretch- oder Dehnfolie
Beim Stretchen wird die palettierte Ware mit einer elastischen Kunststofffolie spiralförmig umwickelt, die sich unter Zug längt und die Ladeeinheit dadurch zusammenzieht. Je nach Aufwand erfolgt das Wickeln manuell oder maschinell mit Dreharm- oder Drehtellerwicklern; VDI 3968 Blatt 5 beschreibt die technischen Grundlagen dieses Sicherungsverfahrens. Material und Wickeltechnik im Detail behandeln die eigenständigen Beiträge zu Stretchfolie, Dehnfolie und Wickelstretch – dort auch mit Details zum Maschineneinsatz. Ein Vorteil des Stretchens gegenüber den anderen Methoden: Es kommt ohne Wärmequelle aus und lässt eine optische Kontrolle der Ware durch die transparente Folie zu.
Umreifen mit Kunststoffband
Umreifungsband spannt die Ladung mit einem oder mehreren straffen Bändern zusammen, die horizontal, vertikal oder in beiden Richtungen um die Palette geführt werden. Für Kunststoffbänder legt DIN EN 13394 Mindestanforderungen an Reißfestigkeit, Dehnung und Maßhaltigkeit fest: PP-Band erreicht eine Reißkraft von rund 480 kg, PET-Band durch seine höhere Zugfestigkeit und geringere Dehnung rund 1.700 kg, bei einer Dehnung von 12 bis 25 % vor dem Bruch. PET-Band verliert zudem über die Zeit weniger Spannung als PP-Band und eignet sich dadurch besser für schwere oder kantige Ladeeinheiten.
Kleben
Klebeband fixiert einzelne Kartons oder Lagen zueinander, etwa an Kartonverschlüssen oder zwischen gestapelten Schichten. Es ersetzt keine geprüfte Ladungssicherung im Sinne von DIN EN 12195 oder EUMOS 40509, da es weder eine definierte Haltekraft noch eine normierte Prüfmethode kennt. In der Praxis kommt Klebeband deshalb nur ergänzend zu Stretchen, Umreifen oder Schrumpfen zum Einsatz, nicht als alleinige Sicherungsmethode für eine ganze Ladeeinheit.
Schrumpfen mit Schrumpfhaube oder -folie
Beim Schrumpfen wird eine vorgefertigte Haube oder Schlauchfolie, überwiegend aus LDPE (Low-Density-Polyethylen), über die Ladeeinheit gezogen und anschließend erwärmt. Die Folie zieht sich dabei eng um Ware und Palette zusammen und bildet eine geschlossene Hülle, die zusätzlich vor Staub und Feuchtigkeit schützt und den Blick auf die Ware verdeckt. Anders als beim Stretchen ist dafür eine Wärmequelle nötig, weshalb sich das Verfahren eher für standardisierte Ladeeinheiten mit hohem Durchsatz eignet als für einzelne Paletten. Details zum Foliensystem beschreibt der Beitrag Schrumpffolie.
| Methode | Material | Wesentlicher Vorteil | Grenze / Hinweis |
|---|---|---|---|
| Stretchen | PE-Stretch- oder Dehnfolie | Flexibel, ohne Wärmequelle, Ware bleibt sichtbar | Feuchtigkeitsschutz nur eingeschränkt |
| Umreifen | PP- oder PET-Band (DIN EN 13394) | Hohe, normierte Reißfestigkeit | Punktuelle Krafteinleitung, Kantenschutz nötig |
| Kleben | Packband | Schnelle Fixierung einzelner Kartons | Kein Ersatz für geprüfte Ladungssicherung |
| Schrumpfen | LDPE-Haube oder -Folie | Geschlossene, staub- und feuchtigkeitsdichte Hülle | Erwärmung und Energie nötig |
Welche Methode passt zu welchem Einsatzfall?
Welches Verfahren sich eignet, hängt von Ladungsart, Transportweg und Häufigkeit ab. Für empfindliche oder unregelmäßig geformte Ware bietet Stretchen die größte Anpassungsfähigkeit, weil sich die Folie der Kontur anschmiegt. Bei schweren, kompakten Ladeeinheiten mit erhöhter Kippgefahr liefert Umreifungsband die höhere, normativ belegte Haltekraft. Kleben bleibt auf die Fixierung einzelner Kartons oder Lagen beschränkt und ist keine eigenständige Sicherungsmethode. Schrumpfen eignet sich vor allem dort, wo hoher Durchsatz auf eine einheitliche Ladeeinheitengröße trifft und zusätzlicher Witterungs- und Sichtschutz gefragt ist. In der Praxis werden die Verfahren häufig kombiniert, etwa Stretchfolie zur Grundfixierung mit zusätzlichem Umreifungsband an besonders belasteten Stellen. Ob das Ergebnis den Anforderungen genügt, lässt sich am einfachsten mit einem Kipptest nach EUMOS 40509 oder einer Prüfung nach DIN 55415 nachweisen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Materialien werden für die Palettensicherung benötigt?
Je nach Methode PE-Stretch- oder Dehnfolie, PP- oder PET-Umreifungsband, Packband oder eine LDPE-Schrumpfhaube. Zwischenlagen aus Vollpappe, Wellpappe oder Schaum ergänzen den Stoßschutz zwischen den Lagen, ersetzen aber keine der vier Fixiermethoden.
Was unterscheidet Palettensicherung von Ladungssicherung im Fahrzeug?
Palettensicherung fixiert die Ware auf der Palette zu einer stabilen Ladeeinheit. Die anschließende Sicherung dieser Ladeeinheit am oder im Fahrzeug ist eine eigene Aufgabe und wird meist mit Zurrgurten nach DIN EN 12195-2 gelöst, deren Berechnungsgrundlage DIN EN 12195-1 liefert.
Welche Vorschriften gelten für die Ladungssicherung beim Transport?
Grundlage ist § 22 Abs. 1 StVO, der eine sichere Verstauung nach den anerkannten Regeln der Technik verlangt. Technisch konkretisiert wird das durch DIN EN 12195-1 für die Berechnung der Sicherungskräfte sowie durch die Richtlinienreihe VDI 2700 für die praktische Anwendung.
Was prüft der Kipptest nach EUMOS 40509?
Der Test simuliert die dynamische Belastung einer Vollbremsung auf einem Beschleunigungsschlitten oder am Fahrzeug und misst die Verformung der Ladeeinheit. Zulässig sind eine elastische Verformung unter 10 %, eine bleibende Verformung unter 5 % und ein Schichtversatz unter 2 %, jeweils ohne Produktschäden.
Reicht Klebeband allein als Palettensicherung aus?
Nein. Klebeband fixiert einzelne Kartons oder Lagen, erfüllt aber keine normierte Prüfmethode wie EUMOS 40509 und liefert keine definierte Haltekraft wie Umreifungsband. Für eine geprüfte, transportstabile Ladeeinheit ist es nur eine Ergänzung, kein eigenständiges Sicherungsverfahren.
Weiterführende Angebote
Sortimente und Praxishilfen zur Palettensicherung bieten unter anderem Rajapack, Ratioform und Klormann.