Dampfsperre in der Verpackung: Materialien und Wasserdampfdurchlässigkeit

Dampfsperre
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Eine Dampfsperre ist in der Verpackungstechnik eine Materiallage, die den Durchtritt von Wasserdampf durch die Packmittelhülle so weit reduziert, dass er praktisch zum Erliegen kommt. Sie schützt feuchteempfindliches Packgut – etwa Elektronikbauteile, pharmazeutische Produkte oder blanke Metallteile – vor Korrosion, Qualitätsverlust oder Funktionsausfall während Transport und Lagerung. Bekannter, aber inhaltlich verwandt, ist der Begriff im Bauwesen, wo er die Diffusionssperre gegen Wasserdampf aus Innenräumen in die Gebäudekonstruktion bezeichnet. Dieser Beitrag behandelt beide Bedeutungen, mit Schwerpunkt auf der Anwendung in Verpackungen.

Dampfsperre, Sperrschicht und Barrierefolie – Begriffsabgrenzung

In der Verpackungsbranche existieren mehrere eng verwandte, aber nicht deckungsgleiche Begriffe. Die Sperrschicht ist die allgemeine Bezeichnung für die Materiallage in einem Folienaufbau, die Sauerstoff, Wasserdampf, Licht oder Aromastoffe zurückhält. Die Barrierefolie ist das daraus gefertigte, fertige Folienprodukt. Eine Dampfsperre ist demgegenüber funktional definiert: Sie bezeichnet eine Sperrschicht oder Barrierefolie, deren Wasserdampfdurchlässigkeit so gering ist, dass sie praktisch als undurchlässig gilt. Nicht jede Sperrschicht oder Barrierefolie erreicht diesen Grad an Dichtheit – viele wirken gegen Wasserdampf nur teildurchlässig oder sind überhaupt nur gegen Sauerstoff ausgelegt. In Kombination mit Trockenmittel oder VCI-Wirkstoffen wird eine Dampfsperre häufig Teil einer vollständigen Klimaverpackung, wie sie im Exportgeschäft und beim industriellen Korrosionsschutz eingesetzt wird.

Materialien für Dampfsperren in der Verpackung

Drei Materialgruppen decken die meisten Anwendungen ab: Aluminium in Form von Reinfolie oder laminierter Verbundfolie, mit Polyvinylidenchlorid (PVDC) beschichtete Kunststofffolien und reine Polyethylenfolien.

Aluminium gilt oberhalb einer kritischen Dicke als praktisch vollständige Wasserdampfsperre. Nach DIN 55531 (Ausgabe Mai 2011) genügt in laminierten Aluminium-Verbundfolien für Verpackungszwecke eine Mindestdicke der Aluminiumschicht von 7 µm, vorher waren es 12 µm. Unterhalb von etwa 20 bis 25 µm reiner, nicht laminierter Aluminiumfolie können beim Walzen jedoch mikroskopisch kleine Nadellöcher entstehen, die die Sperrwirkung mindern – ein Grund, warum echte Dampfsperren meist als Verbund aus Polyethylen, Aluminium und Polyester statt als blanke Folie ausgeführt werden.

PVDC-Beschichtungen verbessern die Wasserdampfbarriere von PVC-Trägerfolien deutlich: Eine unbeschichtete PVC-Folie (250 µm) lässt bei 38 °C und 90 % relativer Feuchte etwa 3,0 g/(m²·d) Wasserdampf durch. Mit einer PVDC-Duplex-Beschichtung (40 bis 120 g/m² Auftragsgewicht) sinkt der Wert auf 0,25 bis 0,65 g/(m²·d), bei Triplex-Aufbauten mit zusätzlicher PE-Zwischenschicht (120 bis 180 g/m² PVDC) auf 0,06 bis 0,11 g/(m²·d). Solche Aufbauten sind Standard bei pharmazeutischen Blisterverpackungen.

Reine Polyethylenfolien erreichen ohne zusätzliche Barriereschicht keine echte Dampfsperrwirkung, sondern wirken eher als Dampfbremse: Eine 100 µm dicke PE-HD-Folie lässt rund 0,4 g/(m²·24h) Wasserdampf durch, eine vergleichbare PE-LD-Folie rund 1 g/(m²·24h). Für Anwendungen, in denen tatsächlich eine Dampfsperre statt einer Dampfbremse gefordert ist, kommt PE deshalb meist nur als Siegel- oder Trägerschicht einer Aluminium- oder PVDC-Verbundfolie zum Einsatz, nicht als alleinige Barriere.

Material Aufbau / Dicke Wasserdampfdurchlässigkeit (WVTR) Prüfbedingung
Aluminium-Verbundfolie (PE/Alu/PET) Alu-Kern ≥ 7 µm nach DIN 55531 praktisch 0 – Vollbarriere
PVDC-Duplex (PVC/PVDC) PVDC-Auftrag 40–120 g/m² 0,25–0,65 g/(m²·d) 38 °C / 90 % rel. Feuchte
PVDC-Triplex (PVC/PE/PVDC) PVDC-Auftrag 120–180 g/m² 0,06–0,11 g/(m²·d) 38 °C / 90 % rel. Feuchte
PVC ohne Beschichtung 250 µm ca. 3,0 g/(m²·d) 38 °C / 90 % rel. Feuchte
PE-HD-Folie 100 µm ca. 0,4 g/(m²·24h) Herstellerangabe
PE-LD-Folie 100 µm ca. 1 g/(m²·24h) Herstellerangabe
Wasserdampfsperren in der Verpackung im VergleichWasserdampfsperren im VergleichMaterial, WVTR und typischer EinsatzAluminium-VerbundfolieWVTR praktisch 0 – VollbarriereElektronik, Pharma, KorrosionsschutzPVDC-MehrschichtfolieWVTR 0,06–0,65 g/(m²·d)Pharma-Blister (Duplex/Triplex)PE-HD-FolieWVTR ca. 0,4 g/(m²·d), 100 µmTrockengut, VCI-TrägerfoliePE-LD-FolieWVTR ca. 1 g/(m²·d), 100 µmStandardverpackung, Beutel

Wasserdampfdurchlässigkeit (WVTR) gängiger Dampfsperren-Materialien im Vergleich: Aluminium-Verbundfolie als Vollbarriere, PVDC-Mehrschichtfolien für Pharma-Blister und reine PE-Folien als Dampfbremse mit deutlich höherer Durchlässigkeit.

Wie bei anderen Hochbarriere-Materialien steht die Dichtheit einer Dampfsperre in Konkurrenz zur Recyclingfähigkeit: Aluminium-Verbundfolien und PVDC-beschichtete Folien lassen sich im werkstofflichen Recycling kaum sortenrein trennen. Wo die Schutzanforderung es zulässt, lohnt sich deshalb ein Blick auf Alternativen, wie sie im Beitrag zu nachhaltigen Verpackungen beschrieben sind.

Einsatzbereiche: Elektronik, Pharma und Korrosionsschutz

In der Elektronikfertigung sind Dampfsperren unter dem Namen Moisture Barrier Bag (MBB) genormt. Der Industriestandard J-STD-033 von IPC/JEDEC schreibt für solche Beutel eine Wasserdampfdurchlässigkeit von höchstens 0,002 g pro 100 Quadratzoll und 24 Stunden bei 40 °C vor, gemessen nach ASTM F1249 nach vorheriger Flexprüfung gemäß ASTM F392 (Prüfbedingung E). Diese extrem niedrige Grenze ist nötig, weil feuchtigkeitsempfindliche Bauteile beim Reflow-Löten Dampfdruckschäden erleiden können, sobald zuvor Feuchtigkeit ins Bauteil eingedrungen ist.

In der Pharmaverpackung übernehmen PVDC-beschichtete Blisterfolien die gleiche Funktion für feuchtigkeitsempfindliche Tabletten und Kapseln; je nach Wirkstoffstabilität kommen Duplex- oder Triplex-Aufbauten zum Einsatz, in besonders kritischen Fällen auch eine Aluminium-Kaltverformfolie als Vollbarriere.

Beim technischen Korrosionsschutz – etwa für Maschinenteile, Werkzeuge und Ersatzteile im Seetransport oder in der Langzeiteinlagerung – wird die Dampfsperre in der Regel nicht allein, sondern zusammen mit Trockenmittel oder VCI-Wirkstoffen eingesetzt. Wie diese Kombination normativ berechnet und ausgeführt wird, beschreibt der Beitrag Klimaverpackung im Detail.

Dampfsperre im Bauwesen – Abgrenzung zur Verpackung

Der Begriff Dampfsperre stammt ursprünglich aus dem Bauwesen und wird dort nach wie vor deutlich häufiger verwendet als in der Verpackungstechnik. Dort bezeichnet er eine Folie oder Bahn an der Innenseite der Gebäudehülle, die verhindert, dass Wasserdampf aus beheizten Innenräumen in die Dämmebene eindringt und dort kondensiert.

Maßgeblich für die Einordnung ist der sd-Wert, die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke: Er gibt an, wie dick eine ruhende Luftschicht sein müsste, um denselben Diffusionswiderstand wie das betrachtete Material zu erzeugen. Nach DIN 4108-3 gelten Bauteilschichten mit einem sd-Wert unter 0,5 m als diffusionsoffen, Schichten zwischen 0,5 m und 1.500 m als Dampfbremse und erst Schichten ab einem sd-Wert von 1.500 m als echte Dampfsperre.

Dampfsperre und Dampfbremse im Bauwesen im Vergleich
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Einen ausführlichen Dach-Ratgeber zum Thema bietet sanier.de, einen Lexikonbeitrag der Baustoffhersteller ROCKWOOL; einen allgemeinen Überblick liefert der Wikipedia-Artikel zur Dampfbremse.

In der Verpackungstechnik spielt der sd-Wert praktisch keine Rolle. Barrierewerte von Folien werden hier fast ausschließlich über die Wasserdampfdurchlässigkeit (WVTR) nach DIN 53122-1 oder ASTM F1249 angegeben, wie im Beitrag Sperrschicht beschrieben. Eine direkte Umrechnung zwischen sd-Wert und WVTR ist nicht ohne Weiteres möglich, weil beide Kennwerte unterschiedliche Prüfbedingungen und Anwendungsmodelle zugrunde legen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Dampfsperre in der Verpackung?

Eine Dampfsperre ist eine Materiallage in einer Verpackung, deren Wasserdampfdurchlässigkeit so gering ist, dass sie praktisch als undurchlässig gilt. Sie schützt feuchtigkeitsempfindliches Packgut wie Elektronikbauteile, Arzneimittel oder blanke Metallteile vor Korrosion und Qualitätsverlust.

Welche Materialien eignen sich als Dampfsperre in Verpackungen?

Am dichtesten sind Aluminiumfolien und Aluminium-Verbundfolien, gefolgt von PVDC-beschichteten Kunststofffolien, wie sie in Pharma-Blistern eingesetzt werden. Reine PE-Folien erreichen ohne zusätzliche Barriereschicht keine echte Dampfsperrwirkung, sondern wirken nur als Dampfbremse.

Wann braucht eine Verpackung eine echte Dampfsperre statt einer einfachen Barrierefolie?

Immer dann, wenn schon geringste Mengen Wasserdampf das Produkt schädigen können – etwa bei feuchtigkeitssensiblen elektronischen Bauteilen vor dem Reflow-Löten oder bei blanken Metallteilen in der Langzeitlagerung. Für weniger empfindliches Packgut genügt häufig eine Barrierefolie mit moderater Wasserdampfdurchlässigkeit.

Was bedeutet der sd-Wert, und wird er auch bei Verpackungen verwendet?

Der sd-Wert (wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke) stammt aus der Bauphysik und beschreibt den Diffusionswiderstand von Baustoffschichten. Nach DIN 4108-3 gilt eine Schicht ab einem sd-Wert von 1.500 m als Dampfsperre. In der Verpackungstechnik wird stattdessen fast ausschließlich die Wasserdampfdurchlässigkeit (WVTR) nach DIN 53122-1 oder ASTM F1249 angegeben.

Worin unterscheidet sich die Dampfsperre in der Verpackung von der Dampfsperre im Bauwesen?

Beide verfolgen dasselbe physikalische Prinzip – das Zurückhalten von Wasserdampf –, aber in unterschiedlichem Maßstab und mit unterschiedlicher Kennzahl. Im Bauwesen schützt die Dampfsperre ein Gebäudebauteil über Jahrzehnte und wird über den sd-Wert nach DIN 4108-3 spezifiziert. In der Verpackung schützt sie ein einzelnes Packgut über Wochen bis wenige Jahre und wird über die WVTR in g/(m²·d) spezifiziert.