4 Verpackungstrends, die man kennen sollte

Der Online-Handel treibt das Versandaufkommen in Deutschland weiter nach oben: 2024 wurden laut der KEP-Studie des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik (BPEX, vormals BIEK) rund 4,29 Milliarden Paket-, Kurier- und Expresssendungen zugestellt – ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 60 Prozent davon entfielen bereits auf das Privatkundengeschäft. Mit diesem Wachstum verändert sich auch die Verpackung selbst: Vier Verpackungstrends prägen die Branche aktuell besonders deutlich – Nachhaltigkeit als regulatorische Pflicht, Verpackung als Markenerlebnis, digitale Kennzeichnung und Automatisierung in Produktion und Logistik.

Trend 1: Nachhaltigkeit wird zur gesetzlichen Pflicht

Nachhaltige Verpackung ist kein freiwilliges Marketingversprechen mehr, sondern zunehmend gesetzlich vorgeschrieben. Mit der EU-Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR, Verordnung (EU) 2025/40) gilt seit dem 12. August 2026 ein unionsweit unmittelbar anwendbares Regelwerk, das die bisherige Verpackungsrichtlinie ablöst. Sie schreibt unter anderem vor, dass Verpackungen ab dem 1. Januar 2030 nach einheitlichen EU-Kriterien recyclinggerecht gestaltet sein müssen; ab 2035 kommt die Anforderung hinzu, dass sie auch tatsächlich in großem Maßstab recycelt werden – nicht nur theoretisch recycelbar sind. In Deutschland gilt parallel weiterhin das Verpackungsgesetz (VerpackG): Duale Systeme, die die Verwertung von Verkaufsverpackungen organisieren, müssen seit dem 1. Januar 2022 mindestens 90 Prozent der eingesetzten Kunststoffverpackungen verwerten, davon mindestens 70 Prozent werkstofflich.

Material Verwertungsquote bis 31.12.2021 Verwertungsquote ab 1.1.2022
Glas 80 % 90 %
Papier, Pappe, Karton 85 % 90 %
Eisenmetalle 80 % 90 %
Aluminium 80 % 90 %
Kunststoffe 90 % Verwertung, davon mind. 65 % werkstofflich 90 % Verwertung, davon mind. 70 % werkstofflich

Quelle: § 16 VerpackG i. V. m. Anlage 1 (gesetze-im-internet.de).

Wie wichtig Verbrauchern das Thema tatsächlich ist, zeigt eine Umfrage von Statista Consumer Insights: Je nach Land legen 46 bis 64 Prozent der Befragten Wert auf wiederverwendbares oder leicht recycelbares Verpackungsmaterial, um Müll zu reduzieren. Am höchsten ist die Zustimmung in Indien mit 64 Prozent; in Deutschland liegt sie bei rund 49 Prozent, in Brasilien und im Vereinigten Königreich bei jeweils etwa 50 Prozent.

Bedeutung nachhaltiger Verpackung nach LandNachhaltige Verpackung: Wem ist das wichtig?Indien64 %Vereinigtes Königreich50 %Brasilien50 %Deutschland49 %

Anteil der Befragten, denen nachhaltiges Verpackungsmaterial wichtig ist, nach Land (Statista Consumer Insights, Werte gerundet).

Infografik: Globaler Trend: Hohe Bedeutung von Öko-Verpackung | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Auf Materialebene setzt die Branche vor allem auf zwei Hebel: biobasierte oder leichter recycelbare Kunststoffe statt klassischer Verbundstoffe sowie Füllstoffe wie Holzwolle statt Luftpolsterfolie. Auch bei Verbrauchsmaterialien zeigt sich der Trend – Papier- und Nassklebeband ersetzt zunehmend klassisches Kunststoff-Packband. Diese Materialentscheidungen sind Teil einer umfassenderen Kreislaufwirtschaft-Strategie, die auf EU-Ebene über die PPWR und in Deutschland über die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) durchgesetzt wird. Wer heute nachhaltige Verpackungen plant, muss deshalb nicht nur das Material, sondern auch Rezyklateinsatz, Recyclingfähigkeit und Kennzeichnung von Anfang an mitdenken.

Trend 2: Verpackung als Markenerlebnis

Verpackung schützt nicht mehr nur die Ware, sie transportiert die Marke. Mit individualisierbaren Formaten und modernen Drucktechniken wird sie Teil der Corporate Identity – vom Inlay-Druck bis zur persönlich gestalteten Grußkarte. Im Onlinehandel hat sich daraus ein eigenständiges Marketinginstrument entwickelt: das Unboxing-Erlebnis. Der Moment des Auspackens einer Bestellung wird durch Social-Media-Inhalte von Kundinnen und Kunden selbst zum Werbeträger, wenn Verpackungsdesign und Produktpräsentation zum Teilen einladen. Händler nutzen den Versandkarton zunehmend auch als zusätzlichen Werbekanal – etwa über beigelegte Flyer, Rabattcodes oder Angebote von Kooperationspartnern, eine Form des Portalmarketings, die ohne zusätzliche Versandkosten auskommt.

Trend 3: Digitale Verpackung und Produktsicherheit

Verpackung wird zur Schnittstelle in die digitale Welt. QR-Codes verweisen auf Produktinformationen, Herkunftsnachweise oder Social-Media-Kanäle; RFID-Etiketten und Smart Tags sichern Lieferketten gegen Fälschungen ab und lassen sich zur Bestandskontrolle auslesen. Auch im Lebensmittelhandel ist RFID inzwischen im Einsatz, etwa um Abfall und Schwund in der Filiallogistik zu reduzieren.

Regulatorisch bekommt diese Entwicklung zusätzlichen Schub: Nach der PPWR muss die Materialzusammensetzung von Verpackungen ab dem 12. August 2028 (beziehungsweise 24 Monate nach den zugehörigen Durchführungsrechtsakten, je nachdem, was später eintritt) einheitlich und für Menschen mit Behinderungen zugänglich gekennzeichnet sein; ergänzend soll ein digitaler Zugang zu weiterführenden Verpackungsdaten möglich sein, etwa über einen QR-Code. Parallel dazu stellt der Handel mit der GS1-Initiative Sunrise 2027 die Kassensysteme weltweit bis Ende 2027 auf 2D-Codes wie QR- und DataMatrix-Codes um; sie transportieren deutlich mehr Daten als der klassische EAN-Strichcode, etwa Chargennummer, Haltbarkeitsdatum oder Herkunft. Für Markenhersteller wird der Code auf der Verpackung damit vom reinen Kassenscan-Element zum Kanal für Rückverfolgbarkeit, Recycling-Hinweise und Markenschutz.

Trend 4: Automatisierung in Verpackung und Logistik

Beim wachsenden Versandaufkommen wird Geschwindigkeit ohne Qualitätsverlust zur zentralen Anforderung. Digitalisierung und Automation übernehmen deshalb zunehmend Aufgaben wie Verpacken, Abfüllen, Etikettieren und Palettieren; automatisierte Prozesse senken die Fehlerquote und schonen empfindliche Ware bei der Handhabung. Auch KI-gestützte Bildverarbeitung hält Einzug in die Qualitätskontrolle, etwa um Verpackungsfehler oder Beschädigungen automatisiert zu erkennen.

Wie stark die Nachfrage nach entsprechenden Anlagen ist, zeigen die Zahlen des VDMA-Fachverbands Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen: 2025 stieg die Produktion von Verpackungsmaschinen einschließlich Getränkeabfüllanlagen am Standort Deutschland um 8 Prozent auf 9 Milliarden Euro – der stärkste Zuwachs innerhalb der gesamten Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbranche, die insgesamt fast 17 Milliarden Euro erreichte. Rund 70 Prozent der Branchenexporte entfielen dabei auf Verpackungsmaschinen.

Häufig gestellte Fragen

Was schreibt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) grundsätzlich vor?

Die PPWR (Verordnung (EU) 2025/40) wurde am 22. Januar 2025 im EU-Amtsblatt veröffentlicht und ist ab dem 12. August 2026 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten anzuwenden. Sie löst die bisherige Verpackungsrichtlinie ab und verpflichtet Hersteller, Importeure, Händler und Fulfillment-Dienstleister unter anderem zu recyclinggerechtem Design und Kennzeichnung.

Ab wann müssen Verpackungen recyclingfähig sein?

Nach der PPWR sollen Verpackungen ab dem 1. Januar 2030 nach einheitlichen EU-Kriterien recyclinggerecht gestaltet sein. Ab 2035 kommt hinzu, dass sie in großem Maßstab tatsächlich recycelt werden, nicht nur recycelbar sind.

Was ändert sich bei der Kennzeichnung von Verpackungen?

Ab dem 12. August 2028 verlangt die PPWR eine harmonisierte Kennzeichnung der Materialzusammensetzung sowie einen digitalen Zugang zu Verpackungsdaten, etwa über einen QR-Code. Ergänzend stellt der Handel mit der GS1-Initiative Sunrise 2027 die Kassensysteme bis Ende 2027 weltweit auf 2D-Codes um.

Wie groß ist der Markt für Verpackungsmaschinen in Deutschland?

Laut VDMA stieg die Produktion von Verpackungsmaschinen einschließlich Getränkeabfüllanlagen 2025 um 8 Prozent auf 9 Milliarden Euro; die gesamte Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbranche erreichte fast 17 Milliarden Euro.

Wie wichtig ist nachhaltige Verpackung für Verbraucher tatsächlich?

Je nach Land legen laut Statista Consumer Insights 46 bis 64 Prozent der Befragten Wert auf wiederverwendbares oder leicht recycelbares Verpackungsmaterial. In Indien liegt die Zustimmung bei 64 Prozent, in Deutschland bei rund 49 Prozent.