Beitragsbild: mit KI erstellt
Ein Preform (deutsch: Vorformling) ist ein spritzgegossener, dickwandiger Rohling aus Polyethylenterephthalat (PET), der bereits das fertige Flaschenhalsgewinde trägt, aber noch nicht die Form der späteren Verpackung hat. Getränke- und Lebensmittelabfüller erhitzen den Preform und formen ihn im Streckblasverfahren zur fertigen PET-Flasche. Als reines Halbzeug wird er getrennt von der eigentlichen Flaschenproduktion gehandelt, transportiert und gelagert – kompakte Rohlinge beanspruchen deutlich weniger Volumen als fertige Flaschen und machen dezentrale Abfüllung möglich.
Vom Granulat zum Preform: Spritzguss
Preforms entstehen im Spritzgussverfahren: PET-Granulat oder R-PET-Rezyklat wird aufgeschmolzen und unter hohem Druck in eine Werkzeugkavität mit dem fertigen Gewindeprofil eingespritzt. Anders als bei den meisten Spritzgussteilen entsteht dabei kein einsatzfertiges Produkt, sondern ein Zwischenprodukt mit konstanter Wandstärke und exakt rundem Gewinde – die Voraussetzung für ein späteres gleichmäßiges Streckblasen. Die Qualitätskontrolle läuft automatisiert per Kamerasystem direkt an der Maschine: Algorithmen vergleichen Ist- mit Solldaten zu Gewinderundung, Wandstärke, Homogenität und Farbe und sortieren Abweichungen sofort aus.
Vom Preform zur Flasche: Streckblasen
Die Umformung zur Flasche erfolgt meist getrennt vom Preform-Spritzguss: Im zweistufigen Verfahren produziert der Kunststoffverarbeiter die Preforms, die anschließend – oft nach Transport zum Abfüllbetrieb – im Streckblasautomaten verarbeitet werden. Beim einstufigen, kombinierten Spritzstreckblasverfahren laufen beide Schritte dagegen in derselben Anlage, was Abkühlung und Wiederaufheizen erspart.
Der Streckblasprozess selbst läuft in zwei Teilschritten ab: Zunächst wird der Preform im Heizofen auf 90 bis 120 °C temperiert, während Kühlluft gezielt den Gewindebereich schützt, damit sich Gewinde und Trage-/Transportring nicht verformen. Anschließend verstreckt eine Reckstange das erweichte Material in Längsrichtung, während Druckluft mit 7 bis 15 bar Vorblasdruck und bis zu 36 bar Fertigblasdruck es radial an die Blasformwand presst. Durch diese biaxiale – also zweiachsige – Verstreckung ordnen sich die Molekülketten sowohl längs als auch in Umfangsrichtung neu aus. Ergebnis ist eine Flasche mit höherer Festigkeit bei geringerer Wanddicke, besserer Gasdichtheit und stärkerem Oberflächenglanz, als sie ein unverstrecktes Verfahren liefern würde.

Halsgewinde-Normen: PCO 1810 und PCO 1881
Damit Preforms unterschiedlicher Hersteller zu genormten Verschlüssen passen, ist das Gewinde am Flaschenhals standardisiert. Der internationale Getränketechnik-Verband ISBT hat mit PCO 1881 einen Kurzhalsstandard etabliert, der den älteren PCO 1810 zunehmend ablöst: Mit rund 13,5 statt 16,0 Millimetern Gesamthöhe ist das Gewinde etwa 2,5 Millimeter kürzer. Dadurch sinkt der Materialbedarf je Preform im Mündungsbereich um rund 1,3 bis 1,4 Gramm; hinzu kommt eine leichtere, nur zweigängige statt dreigängige Verschlusskappe. Bei Milliarden produzierter Preforms pro Jahr summiert sich das zu spürbaren Material- und Transporteinsparungen. Anbieter wie RETAL führen deshalb an ihren zehn Produktionsstandorten sowohl PCO 1881 als auch PCO 1810 sowie eigens entwickelte Barriere- und Sonderausführungen parallel im Sortiment.
Rezyklatanteil und Leichtbau
Weil ein Preform bereits das komplette spätere Flaschengewicht in Rohform enthält, wirkt sich jedes eingesparte Gramm direkt auf Material-, Transport- und CO2-Bilanz der fertigen Verpackung aus. Zwei Stellschrauben dominieren die Entwicklung der vergangenen Jahre: das Gewicht selbst und der Anteil an R-PET-Rezyklat.
Beim Gewicht hat sich die 1,5-Liter-Einwegflasche für stilles Mineralwasser von ursprünglich 50 bis 80 Gramm auf heute rund 20 bis 35 Gramm reduziert. MEG Gruppe etwa fertigt Preforms mit einem Rezyklatanteil von durchschnittlich rund 99,9 Prozent, aus denen eine 1,5-Liter-Flasche mit nur 24,5 Gramm entsteht. Bei kohlensäurehaltigen Getränken, die wegen des Innendrucks dickwandigere Preforms benötigen, gilt eine von KHS entwickelte 0,5-Liter-Flasche mit Schraubverschluss und lediglich 10,9 Gramm Gewicht als leichtestes Gebinde ihrer Art am Markt.
Beim Rezyklateinsatz setzt seit 2025 die EU-Einwegkunststoffrichtlinie den rechtlichen Rahmen: PET-Einweggetränkeflaschen müssen im Mitgliedstaats-Durchschnitt mindestens 25 Prozent recyceltes Material enthalten, ab 2030 steigt die Vorgabe auf 30 Prozent. Diese Pflicht trifft rechtlich den Abfüller, der die befüllte Flasche in Verkehr bringt – in der Praxis gibt er den geforderten Rezyklatanteil aber unmittelbar an seine Preform-Zulieferer weiter. Die deutsche Preform-Produktion liegt bereits deutlich über der gesetzlichen Mindestquote: Laut einer im Auftrag des Forum PET erstellten GVM-Studie wurde 2023 in Deutschland erstmals mehr R-PET als Neumaterial für Preforms eingesetzt (rund 51 Prozent), die Recyclingquote für PET-Getränkeflaschen lag bei 97,6 Prozent, und der Materialverbrauch der Branche sank gegenüber 2021 um 8,5 Prozent beziehungsweise rund 38.000 Tonnen. Fertige PET-Flaschen aus Preforms tragen dabei serienmäßig den Recyclingcode 1 (PET), was die spätere Sortenreinheit im Sortierprozess erleichtert.
Bauarten von Preforms
Preforms unterscheiden sich nicht nur in Gewicht und Gewindenorm, sondern auch im Schichtaufbau:
| Preform-Typ | Aufbau | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Einschichtig (Standard) | Eine PET-Schicht, transparent oder eingefärbt | Wasser, Erfrischungsgetränke mit kurzer bis mittlerer Haltbarkeit |
| Mehrschichtig (Barriere) | Zusätzliche Sauerstoff-/Aromabarriere, meist EVOH, zwischen zwei PET-Lagen | Bier, Fruchtsäfte und andere sauerstoffempfindliche Produkte mit langer Haltbarkeit |
| Kundenspezifisch | Individuelles Gewicht, Wandstärke, Gewindenorm (z. B. PCO 1881) und Einfärbung nach Kundenvorgabe | Markeneigene Flaschenformen, Chemie- und Kosmetikverpackungen |
Die Barriereschicht besteht meist aus EVOH (Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer), das Sauerstoff und Aromen effektiv zurückhält, selbst aber feuchtigkeitsempfindlich ist und deshalb beidseitig von PET umschlossen wird. Weil der EVOH-Anteil in der Regel unter fünf Prozent der Wandstärke liegt, lässt sich die Barriereschicht beim Recycling von der PET-Trägerschicht abtrennen.
Anwendungsbereiche
Der größte Absatzmarkt für Preforms bleibt die Getränkeindustrie: Trinkwasser, Mineralwasser, Säfte, Milchmischgetränke sowie alkoholfreie und alkoholische Getränke werden überwiegend in PET-Flaschen abgefüllt, die aus Preforms geblasen wurden. In der Lebensmittelindustrie kommen sie zudem für Speiseöl, Saucen und Dressings zum Einsatz, wo leichte, bruchsichere PET-Flaschen eine Alternative zu Glas bieten. Die Chemie- und Kosmetikbranche nutzt Preforms für Haushaltschemikalien und Kosmetikprodukte, die eine chemikalienbeständige, formstabile Verpackung benötigen. Neben RETAL und MEG Gruppe bedienen auch spezialisierte Anbieter wie GPS-TEC diese Marktsegmente mit eigenen Preform-Sortimenten.
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist ein Preform und wie unterscheidet er sich von einer fertigen PET-Flasche?
Ein Preform ist ein dickwandiger, spritzgegossener PET-Rohling mit bereits fertigem Flaschenhalsgewinde, aber noch nicht der endgültigen Flaschenform. Er wird erst durch Aufheizen und Streckblasen in Längs- und Umfangsrichtung zur dünnwandigen, formstabilen Flasche.
Wie viel Rezyklat kann in einem Preform stecken?
Technisch sind Rezyklatanteile nahe 100 Prozent möglich, wenn das R-PET für den Lebensmittelkontakt aufbereitet ist – MEG Gruppe etwa gibt für seine Preforms durchschnittlich rund 99,9 Prozent an. Gesetzlich vorgeschrieben sind für PET-Einweggetränkeflaschen mindestens 25 Prozent ab 2025 beziehungsweise 30 Prozent ab 2030; in der deutschen Preform-Produktion lag der R-PET-Anteil 2023 bereits bei rund 51 Prozent.
Welche Vorteile bieten Preforms gegenüber anderen Herstellverfahren für PET-Flaschen?
Preforms lassen sich als kompakte, stapelbare Rohlinge platzsparend transportieren und lagern, während das raumgreifende Blasen der Flasche erst kurz vor der Abfüllung erfolgt – das spart Transportvolumen und ermöglicht dezentrale Abfüllung. Gegenüber einem unverstreckten Verfahren erreicht die biaxial verstreckte PET-Flasche zudem höhere Festigkeit bei geringerer Wanddicke.
Was unterscheidet die Halsgewinde-Standards PCO 1810 und PCO 1881?
PCO 1881 ist mit rund 13,5 Millimetern Gesamthöhe etwa 2,5 Millimeter kürzer als der ältere PCO 1810 (rund 16 Millimeter) und spart dadurch rund 1,3 bis 1,4 Gramm Material je Preform sowie eine leichtere Verschlusskappe.
Was ist ein Barriere-Preform und wofür wird er eingesetzt?
Barriere-Preforms sind mehrschichtig aufgebaut und enthalten zwischen zwei PET-Lagen eine zusätzliche Sperrschicht, meist aus EVOH, die den Durchtritt von Sauerstoff und Aromen reduziert. Sie kommen bei sauerstoffempfindlichen Getränken wie Bier oder Fruchtsäften zum Einsatz, die eine längere Haltbarkeit benötigen, als sie mit einschichtigen Standard-Preforms erreichbar wäre.