Beitragsbild: mit KI erstellt (Symbolbild)
PET – Polyethylenterephthalat – ist ein thermoplastischer Polyester, der durch Polykondensation aus Terephthalsäure und Ethylenglycol entsteht. In der Verpackungswirtschaft ist das Material vor allem als Werkstoff für Getränkeflaschen bekannt, wird aber ebenso zu Folien, Trays und Textilfasern verarbeitet. Kennzeichnend sind hohe Transparenz, eine geringe Gasdurchlässigkeit und gute mechanische Festigkeit bei niedrigem Gewicht – Eigenschaften, die PET zum meistverwendeten Kunststoff für Einweg- und Mehrweggetränkeflaschen gemacht haben. International wird das Material mit dem Recyclingcode 01 gekennzeichnet.
Chemischer Aufbau und Herstellung von PET
PET zählt zur Stoffgruppe der gesättigten Polyester. Es entsteht durch Veresterung von Terephthalsäure mit Ethylenglycol beziehungsweise – im großtechnischen Verfahren häufiger – durch Umesterung von Dimethylterephthalat mit Ethylenglycol. Für Anwendungen mit hohen Festigkeitsanforderungen, etwa Flaschen-Preforms, schließt sich eine Festphasenpolykondensation an, die das Molekulargewicht weiter erhöht. Je nach Prozessführung und Abkühlgeschwindigkeit entsteht amorphes PET (A-PET) oder teilkristallines PET (C-PET): A-PET ist glasklar und vergleichsweise flexibel, C-PET steifer, härter und höher temperaturbeständig.
Ein vollständig biobasiertes PET gibt es im industriellen Maßstab bislang nicht. Die Ethylenglycol-Komponente lässt sich aus Bioethanol – etwa aus Zuckerrohr – gewinnen, die Terephthalsäure stammt weiterhin aus Erdöl oder Erdgas. Marktübliches Bio-PET erreicht dadurch einen biobasierten Anteil von rund 30 Prozent.

Materialeigenschaften im Überblick
Die folgenden Kennwerte gelten für Verpackungs-PET und schwanken je nach Kristallinitätsgrad und Additivierung. Praxisrelevant ist vor allem die Kombination aus geringer Sauerstoff- und CO2-Durchlässigkeit mit hoher mechanischer Festigkeit: Sie erlaubt dünnwandige, leichte Behälter, die karbonisierte Getränke über die übliche Haltbarkeitsdauer druckdicht und geschmacksneutral halten. Chemisch ist PET beständig gegenüber Fetten, verdünnten Säuren und den meisten in Lebensmitteln vorkommenden Substanzen, was es zusätzlich zum Barrierewerkstoff für Verpackungen macht.
Verarbeitung: Streckblasen und weitere Formgebung
Getränkeflaschen aus PET werden im Zweistufenverfahren hergestellt. Zunächst entsteht per Spritzguss ein dickwandiger Rohling (Preform) mit fertigem Flaschenhals. Dieser wird im Streckblasprozess in einem Heizofen auf etwa 90 bis 120 Grad Celsius temperiert – also knapp oberhalb der Glasübergangstemperatur, aber unterhalb des Schmelzbereichs, damit das Material formbar, aber noch nicht flüssig wird. Eine von oben eingeführte Reckstange dehnt den Preform mechanisch in der Länge, anschließend presst Druckluft (Vorblasdruck von etwa 7 bis 15 bar, Fertigblasdruck bis zu 36 bar) das Material an die Konturen der Blasform. Durch diese Zweiachsenverstreckung – Längsreckung durch die Stange, Querreckung durch den Blasdruck – richten sich die Molekülketten aus, was Steifigkeit, Transparenz und Barrierewirkung der fertigen Flasche deutlich verbessert. Für Folien und Trays kommt dagegen die Extrusion zum Einsatz: Aus der Schmelze wird eine Flachfolie gezogen, die anschließend thermogeformt wird.
| Verpackungsform | Herstellungsverfahren | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Getränkeflasche | Spritzguss des Preforms, anschließend Streckblasen | Wasser, Erfrischungsgetränke, Pfand- und Einwegflaschen |
| Folie (A-PET, PETG) | Extrusion, teils anschließendes Thermoformen | Blisterverpackungen, Sichtfenster, Schrumpffolie |
| Tray/Schale | Thermoformen aus extrudierter Folie | Frischeverpackung für Obst, Fleisch, Fertiggerichte |
| Faser | Schmelzspinnen | Polyesterfasern, Vliesstoffe, Füllwatte |
Lebensmittelkontakt und Rezyklateinsatz
Für Materialien und Gegenstände aus recyceltem Kunststoff, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, gilt seit dem 10. Oktober 2022 die EU-Verordnung 2022/1616. Sie hat die bis dahin geltende Kunststoff-Recycling-Verordnung (EG) Nr. 282/2008 abgelöst und legt fest, welche Recyclingtechnologien – etwa mechanisches PET-Recycling, geschlossene Kreisläufe oder chemisches Recycling – für den Einsatz von Rezyklat in Lebensmittelkontaktmaterial zugelassen sind und welche Anforderungen Sammlung, Sortierung und Aufbereitung erfüllen müssen.
Zusätzlich schreibt die EU-Verpackungsverordnung PPWR (EU) 2025/40 in Artikel 7 verbindliche Mindestanteile an Rezyklat vor: Für kontaktsensitive PET-Verpackungen gelten ab 2030 mindestens 30 Prozent, ab 2040 mindestens 50 Prozent Rezyklatanteil. Für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff – in der Praxis überwiegend PET – liegt die Vorgabe bei 30 Prozent ab 2030 und 65 Prozent ab 2040. Die Quoten beziehen sich auf den eingesetzten Kunststoff und müssen als Jahresdurchschnitt je Produktionsstätte nachgewiesen werden; anrechenbar ist ausschließlich Rezyklat aus Verbraucherabfällen (Post-Consumer-Rezyklat).
Recycling und Kreislaufwirtschaft in Deutschland
PET trägt den Recyclingcode 01 und zählt zu den am besten etablierten Kunststoff-Kreisläufen. Nach einer Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag von Forum PET wurden 2023 in Deutschland 97,6 Prozent der PET-Getränkeflaschen recycelt. Im selben Jahr floss erstmals mehr recyceltes PET (R-PET) als Neumaterial in die Herstellung von Preforms ein. Möglich macht dies vor allem das Einwegpfandsystem, das saubere, sortenreine Sammelströme liefert – eine Voraussetzung für hochwertiges Bottle-to-Bottle-Recycling, bei dem aus gebrauchten Flaschen wieder lebensmitteltaugliches PET entsteht.
Wie die Aufbereitung von Sammelware zu einsatzfähigem R-PET im Detail abläuft – Sortierung, Waschung, Dekontamination, Qualitätsstufen – behandelt der eigene Beitrag zu recyceltem PET (R-PET). Eingeordnet in die größeren regulatorischen Zusammenhänge von Sammelquoten, Verwertungspflichten und Ökodesign-Vorgaben ist das Thema im Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.
Abgrenzung zu Alternativen
Diskutiert werden vor allem biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe wie PLA oder PHA als Ersatz für erdölbasiertes PET. Sie senken den Einsatz fossiler Rohstoffe, erreichen aber nicht in jeder Anwendung die Barrierewerte und vor allem nicht die etablierten, hohen Recyclingquoten von PET. Für viele Verpackungen bleibt daher hochwertiges PET-Recycling der wirksamere Hebel zur Reduktion der Umweltwirkung als ein Materialwechsel. Grundlagen zu den unterschiedlichen Kunststofftypen erläutert der Beitrag zu Bioplastik, Bewertungskriterien für Materialentscheidungen der Beitrag zu nachhaltigen Verpackungen.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird PET hergestellt und aus welchen Rohstoffen besteht es?
PET entsteht durch Polykondensation aus Terephthalsäure und Ethylenglycol beziehungsweise durch Umesterung von Dimethylterephthalat mit Ethylenglycol; für Flaschen-Preforms folgt eine Festphasenpolykondensation. Die Rohstoffe stammen überwiegend aus Erdöl oder Erdgas; teilweise biobasiertes PET mit einem Bioanteil von rund 30 Prozent, gewonnen aus Zuckerrohr-Ethanol, ist am Markt verfügbar.
Wie viel Prozent der PET-Flaschen werden in Deutschland tatsächlich recycelt?
Laut einer GVM-Studie im Auftrag von Forum PET wurden 2023 in Deutschland 97,6 Prozent der PET-Getränkeflaschen recycelt; erstmals floss dabei mehr recyceltes PET als Neumaterial in die Preform-Produktion ein.
Welche Alternativen zu PET gibt es und wie umweltfreundlich sind sie?
Diskutiert werden vor allem biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe wie PLA oder PHA. Sie verringern die Abhängigkeit von Erdöl, erreichen aber nicht in allen Anwendungen die Barriereeigenschaften und Recyclingquoten von PET.
Warum ist PET für Lebensmittelverpackungen besonders geeignet?
PET weist eine geringe Durchlässigkeit für Sauerstoff und Kohlendioxid auf, ist chemisch weitgehend inert gegenüber Lebensmitteln und lässt sich transparent sowie bruchsicher verarbeiten. Für den Einsatz von Rezyklat in Lebensmittelkontaktmaterial gelten seit Oktober 2022 die Anforderungen der EU-Verordnung 2022/1616.