Thermoformverpackung

Thermoformverpackung
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Thermoformverpackungen sind Kunststoffverpackungen, die im Thermoformverfahren aus einer erwärmten Kunststoffplatte oder -folie entstehen: offene Trays, geschlossene Blister und Clamshells sowie – als eng verwandte Sonderform – Skin-Verpackungen. Das Formverfahren selbst, also Erwärmen, Vorstrecken und Formen mit Druckluft oder Vakuum, beschreibt der Leitartikel Thermoformen. Dieser Beitrag behandelt die Verpackung als Produkt: welche Bauformen es gibt, wie sie im Form-Fill-Seal-Prozess entstehen, welche Materialien zum Einsatz kommen und wofür sie sich in Lebensmittel-, Pharma- und Konsumgüterindustrie eignen.

Tray, Blister und Clamshell: die Bauformen der Thermoformverpackung

Der offene Tray ist die häufigste Bauform: eine flache, thermogeformte Schale, die erst nach dem Befüllen mit einer Deckelfolie versiegelt wird – Standard bei Frischfleisch, Käse, Obst und Fertiggerichten. Bei der Blisterverpackung liegt das Produkt dagegen in einem bereits geschlossenen, vorgeformten Hohlraum, der auf eine bedruckte Kartonrückwand gesiegelt wird – typisch für Tabletten, Kleinteile und Ersatzteile. Die Clamshell ist eine Sonderform des Blisters: Beide Hälften der Verpackung werden aus einem Stück thermogeformt und über ein Filmscharnier zusammengeklappt, sodass keine separate Rückwand nötig ist – verbreitet bei Konsumgütern und Elektronikzubehör im Einzelhandel.

Bei der Skin-Verpackung entfällt das separate Formwerkzeug: Die erhitzte Folie wird direkt über das Produkt und eine feste Unterlage gezogen, die Kontur entsteht erst beim Ansaugen. Die Thermoformverpackung ist damit eine von mehreren Umsetzungen des übergeordneten Prinzips der Konturverpackung, die formfolgende Verpackung auch ganz ohne Kunststofffolie realisiert, etwa mit Faltkarton oder Schaumstoffeinlagen.

Herstellung im Thermoform-Fill-Seal-Verfahren

In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie laufen Formen, Befüllen und Versiegeln meist in einer durchgehenden Linie, dem Thermoform-Fill-Seal-Verfahren (TFFS): Folie von der Rolle wird erwärmt und in Kavitäten geformt, wodurch der Tray entsteht; unmittelbar im Anschluss wird er inline mit dem Produkt befüllt, mit einer Deckelfolie versiegelt – bei sauerstoffempfindlichen Lebensmitteln unter Schutzgas (Modified Atmosphere Packaging, MAP) oder als Skin-Folie direkt über dem Produkt – und schließlich gestanzt und vereinzelt.

Vom Rohstoff zur Thermoformverpackung im Form-Fill-Seal-ProzessVom Rohstoff zurThermoformverpackung1Kunststoffplatte/-folieAPET, CPET, PP oder PS als RollenwareMaterialwahl nach Barriere & Temperatur2Erwärmen & FormenVakuum/Druckluft zieht Folie in die FormErgebnis: offener Tray oder Blister3BefüllenLebensmittel, Pharmaprodukt oder Konsumgutinline direkt im Anschluss an das Formen4VersiegelnDeckelfolie, ggf. unter Schutzgas (MAP)oder als Skin-Folie direkt über dem Produkt5Stanzen & VereinzelnFertige Thermoformverpackungbereit für Versand und Verkauf

Das eigentliche Formverfahren mit seinen Varianten Positiv- und Negativformen sowie dem Twin-Sheet-Verfahren ist im Detail im Leitartikel Thermoformen beschrieben. Gaszusammensetzung und Kennzeichnungspflicht bei Schutzatmosphäre sowie der Unterschied zur Skin-Folie sind im Beitrag Skin-Verpackung erläutert.

Materialien: APET, CPET, PP und PS im Vergleich

Für Thermoformverpackungen im Lebensmittelbereich dominieren vier Standardkunststoffe, die sich vor allem in Temperaturbeständigkeit und Transparenz unterscheiden:

Kunststoff Eigenschaften Typischer Einsatz als Verpackung
APET (amorphes PET) Glasklar, hohe Steifigkeit, nicht ofenfest, sortenrein gut recycelbar Klarsichtschalen für Obst, Salate, Frischeverpackungen, Blister
CPET (kristallisiertes PET) Teilkristallin, hitzebeständig, meist schwarz eingefärbt Ofen- und mikrowellengeeignete Trays für Fertiggerichte
PP (Polypropylen) Hohe Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit, mikrowellengeeignet, engeres Thermoform-Verarbeitungsfenster als PET Monomaterial-Trays, zunehmend als Ersatz für PET/PS-Mehrschichtfolien
PS (Polystyrol) Preiswert, leicht thermoformbar, spröder und schlagempfindlicher als PET/PP Einfache Schalen und Blister, im Lebensmittelbereich rückläufig

Zwei Marktbeispiele zeigen, wie Hersteller die Recyclingfähigkeit von Thermoformverpackungen konkret verbessern: Wipak Walsrode kombiniert für eine Vakuumverpackung zwei unbedruckte PE-Folien mit einer separaten, bedruckten Papierbanderole – die Banderole lässt sich vom Verbraucher getrennt entsorgen, während die unbedruckten PE-Folien sortenrein in den Kunststoffkreislauf zurückgehen. Für diese recyclingfähige PE-basierte Thermoformverpackung mit Papierbanderole wurde das Unternehmen beim Deutschen Verpackungspreis 2021 ausgezeichnet; laut Auszeichnungstext liegt der CO2-Fußabdruck bis zu 30 Prozent unter dem einer vergleichbaren Standardverpackung. Coveris verfolgt mit Mono-Flex Thermoform, einer recycelbaren Tiefziehfolie aus PE oder PP, den Monomaterial-Ansatz: Die Folie ist vollständig frei von Polyamid (PA) und erreicht die Barriereeigenschaften bislang üblicher Mehrschichtverbunde über eine EVOH-Schicht – geeignet für Fleisch, Fisch, Geflügel und Milchprodukte.

Thermoformverpackung: PE-basierte Vakuumverpackung von Wipak Walsrode mit separater Papierbanderole
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Einsatzbereiche: Lebensmittel, Pharma, Konsumgüter

Im Lebensmittelbereich ist der Tray mit Deckelfolie die Standardlösung für Frischfleisch, Wurst, Käse, Fisch und Convenience-Food; je nach Produkt kommt zusätzlich Schutzatmosphäre oder eine Skin-Folie zum Einsatz, um Haltbarkeit und Warenpräsentation zu verbessern. In der Pharma- und Medizintechnik ist der Blister die verbreitetste Form für Tabletten, Kapseln und sterile Einzelkomponenten; die Herstellung der Primärpackmittel – einschließlich Blisterfolien – muss die GMP-Anforderungen der Norm DIN EN ISO 15378 erfüllen. Im Konsumgüter- und Elektronikbereich dominieren Blister und Clamshells als Sichtverpackung am Point of Sale, die zugleich vor unbemerkter Entnahme schützen. Ein Überblick über spezialisierte Anbieter für alle drei Bereiche findet sich im Branchenverzeichnis für Thermoformverpackungen bei Industrystock, das Hersteller, Händler und Zulieferer aus acht Ländern auflistet.

Regulatorik und Recycling

Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt – also die meisten Trays, Blister und Deckelfolien aus APET, CPET, PP oder PS – unterliegen der EU-Verordnung 10/2011: Sie legt Migrationsgrenzwerte sowie eine Positivliste zugelassener Ausgangsstoffe fest, um zu verhindern, dass Bestandteile in gesundheitsschädlichen Mengen in das Lebensmittel übergehen. Als befüllte Verkaufsverpackung unterliegt die Thermoformverpackung zusätzlich der Systembeteiligungspflicht nach § 7 VerpackG: Hersteller müssen sich vor dem Inverkehrbringen bei einem dualen System beteiligen und die Verpackung im Verpackungsregister LUCID der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) registrieren.

Mit Blick auf die Recyclingfähigkeit verschärft die EU-Verpackungsverordnung PPWR (VO (EU) 2025/40) die Anforderungen: Ab 2030 muss jede Verpackung anhand von Kriterien zur recyclinggerechten Gestaltung einer Leistungsstufe A (mindestens 95 Prozent), B (mindestens 80 Prozent) oder C (mindestens 70 Prozent) zugeordnet werden; darunter liegende Verpackungen gelten als technisch nicht recyclingfähig und dürfen nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Ab 2038 sind nur noch die Stufen A und B zulässig. Das begünstigt Monomaterial-Trays aus PP oder PET gegenüber Mehrschichtverbunden mit Sperrschichten aus Materialien wie EVOH oder PA. PVC spielt bei Lebensmittelverpackungen kaum noch eine Rolle: Weil sich PVC- und PET-Bauteile bei der automatischen Sortierung kaum unterscheiden lassen, gilt PVC im PET-Recyclingstrom als Störstoff, der die Rezyklatqualität mindert.

Wie groß die Recycling-Lücke bei Lebensmitteltrays tatsächlich ist, zeigt das Fraunhofer-IVV-Projekt CircuTray-UP: In Deutschland fallen jährlich rund 430 Kilotonnen PET-Rezyklat an, von denen aktuell nur rund 162 Kilotonnen lebensmittelkonform eingesetzt werden können; das Projekt soll bis Oktober 2026 weitere rund 120 Kilotonnen für lebensmittelkonforme Anwendungen erschließen. In begleitenden Untersuchungen des Fraunhofer IVV erzielten thermogeformte Trays mit spezieller Barrierebeschichtung eine viermal höhere Sauerstoffbarriere als der bisherige Stand der Technik – ein Ansatz, um Rezyklatanteile zu erhöhen, ohne die Schutzwirkung der Verpackung zu verringern.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter einer Thermoformverpackung?

Eine Kunststoffverpackung, die aus einer erwärmten Kunststoffplatte oder -folie in ein Werkzeug geformt wird – als offener Tray, geschlossener Blister oder Clamshell. Das Formverfahren selbst heißt Thermoformen; Skin- und Konturverpackung sind eng verwandte, aber eigenständige Verpackungsarten.

Welche Materialien werden bei der Thermoformverpackung eingesetzt?

Im Lebensmittelbereich vor allem APET für klare, kalt einsetzbare Schalen, CPET für ofen- und mikrowellenfeste Trays sowie PP und PS. PP gewinnt als recyclingfreundliches Monomaterial an Bedeutung, PVC wurde hier weitgehend verdrängt.

Was unterscheidet eine Thermoformverpackung von einer Skin- oder Konturverpackung?

Bei der Thermoformverpackung entsteht die Form vorab in einem Werkzeug, das Produkt wird anschließend eingelegt und die Verpackung versiegelt. Bei der Skin-Verpackung wird die Folie erst beim Verpacken direkt über das Produkt gezogen, ohne eigenes Formwerkzeug. Konturverpackung ist der übergeordnete Begriff für jede formfolgende Verpackung, auch aus Karton oder Schaumstoff.

Wie recyclingfähig sind Thermoformverpackungen im Vergleich zu anderen Verpackungsarten?

Sortenreine Monomaterial-Trays aus PP oder APET/PET lassen sich vergleichsweise gut recyceln, sofern Deckelfolie und Tray materialgleich sind. Mehrschichtverbunde mit Sperrschichten aus PA oder EVOH sind schwerer zu trennen. Ab 2030 schreibt die EU-Verpackungsverordnung PPWR verbindliche Recyclingfähigkeits-Leistungsstufen vor, was den Trend zu Monomaterial-Lösungen zusätzlich verstärkt.