Bioplastik ist ein Sammelbegriff für Kunststoffe, die entweder aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen (biobasiert), sich unter bestimmten Bedingungen biologisch zersetzen lassen oder beide Eigenschaften zugleich erfüllen. Beide Merkmale sind unabhängig voneinander: Ein biobasierter Kunststoff muss nicht abbaubar sein, ein abbaubarer Kunststoff muss nicht aus Biomasse stammen. Die vollständige Materialübersicht mit Kunststofftypen, Normen und Marktzahlen liefert der ausführliche Beitrag zu Biokunststoffen; dieser Text konzentriert sich auf die Frage, die in der Verpackungspraxis am häufigsten zu Missverständnissen führt: Ist Bioplastik automatisch die umweltfreundlichere Wahl?
Was ist Bioplastik – und was nicht?
Die Bezeichnung „Bio“ auf einer Verpackung sagt für sich genommen wenig aus. Sie kann sich auf die Rohstoffherkunft beziehen oder auf das Verhalten am Lebensende des Materials – beides wird in der Praxis häufig vermischt. Die folgende Übersicht trennt die drei Begriffe, die im Zusammenhang mit Bioplastik am häufigsten auftauchen:
| Begriff | Bedeutung | Für die Praxis |
|---|---|---|
| Biobasiert | Ganz oder teilweise aus biogenen Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt | Sagt nichts über die Abbaubarkeit aus; Entsorgung wie bei fossilem Kunststoff |
| Biologisch abbaubar | Zersetzt sich unter bestimmten Bedingungen, überwiegend zu Kohlendioxid und Wasser | Entsorgung dennoch über die gelbe Tonne, nicht automatisch über die Biotonne |
| Kompostierbar (industriell) | Abbau unter Anlagenbedingungen mit Temperaturen von deutlich über 60 °C | Im heimischen Gartenkompost in der Regel nicht erreichbar, es bleiben Rückstände |
Welche Kunststofftypen diese Eigenschaften konkret erfüllen – etwa PLA, PHA, Stärkeblends oder Bio-PE – und welche Norm (DIN EN 13432) die industrielle Kompostierbarkeit definiert, erläutert der Beitrag zu Biokunststoffen im Detail.
Ist Bioplastik automatisch umweltfreundlicher?
Nein, nicht pauschal. Eine im Auftrag des Umweltbundesamts erstellte Studie zu den Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen kam bereits 2012 zu dem Ergebnis: Trotz einer günstigeren Klimabilanz verursachen Anbau und Verarbeitung der pflanzlichen Rohstoffe eine stärkere Bodenversauerung, Gewässereutrophierung und höhere Feinstaubemissionen als die Herstellung konventioneller Kunststoffe. Unter dem Strich blieb kein ökologischer Vorteil.
Hinzu kommt die Flächenfrage: Der Anbau von Rohstoffen für Biokunststoffe kann in Konkurrenz zu Flächen für Nahrungsmittelproduktion, Naturschutz oder energetische Biomassenutzung treten – ökologisch unproblematisch sind vor allem Reststoffe, für die keine zusätzliche Fläche benötigt wird. In der absoluten Größenordnung ist diese Flächenkonkurrenz heute allerdings gering: Für die weltweite Herstellung biobasierter Kunststoffe wird derzeit deutlich weniger als 0,1 Prozent der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche beansprucht.
Entsorgung: gelbe Tonne statt Biotonne
Sowohl biobasierte als auch biologisch abbaubare Verpackungen gehören in Deutschland grundsätzlich in die gelbe Tonne beziehungsweise den gelben Sack – nicht in die Biotonne. Eine Ausnahme bilden speziell zertifizierte Sammelbeutel mit Keimling-Symbol oder DIN-Plus-Kennzeichnung, die unter bestimmten kommunalen Vorgaben zugelassen sind. Auch aus der Entsorgungswirtschaft, etwa von KDM, kommt der Hinweis, dass Bioplastik für die Kompostierung in der Praxis ungeeignet ist. Wer Verpackungsmaterialien im Rahmen einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft einordnen will, sollte deshalb nicht von „kompostierbar gleich Bioabfall“ ausgehen, sondern den etablierten Kunststoff-Recycling-Strom als Regelfall betrachten.
Marktanteil und Ausblick
Der Branchenverband European Bioplastics beziffert den Anteil von Biokunststoffen an der weltweiten Kunststoffproduktion von rund 431 Millionen Tonnen auf etwa 0,5 Prozent – Verpackungen bilden davon mit gut 41 Prozent das größte Einzelsegment. Trotz zweistelliger Wachstumsraten bleibt Bioplastik damit ein Nischenmaterial. Wer sich vertieft einlesen möchte, findet englischsprachige Fachbeiträge in der Zeitschrift bioplastics magazine.
Fazit
Der Zusatz „Bio“ macht eine Verpackung nicht automatisch nachhaltiger. Ob Bioplastik ökologisch sinnvoll ist, hängt vom eingesetzten Rohstoff, der Anbaupraxis und vor allem vom tatsächlichen Entsorgungsweg ab – nicht von der Kennzeichnung allein. Für die technische Einordnung nach Materialtyp, Norm und Marktdaten lohnt sich der Blick in den Beitrag zu Biokunststoffen; wer die Nachhaltigkeitsdebatte um Verpackungen insgesamt einordnen will, findet weiterführende Einordnung im Beitrag zu nachhaltigen Verpackungen.
Weiterführende Links:
- Was sind Biokunststoffe? – Einführungs-PDF von petroplast.ch.
- Biokunststoffe – Nachwachsende Rohstoffe auf neuen Wegen – Informationsvideo zum Thema.
- Plasticker: Themenarchiv Biokunststoffe – laufend aktualisierte Fachartikel-Übersicht.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet Bioplastik von herkömmlichem Plastik?
Bioplastik besteht ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr (biobasiert) und/oder zersetzt sich unter bestimmten Bedingungen biologisch. Herkömmliches, fossilbasiertes Plastik erfüllt in der Regel keine der beiden Eigenschaften. Beide Merkmale treten unabhängig voneinander auf – ein biobasierter Kunststoff muss nicht abbaubar sein.
Ist biologisch abbaubares Plastik automatisch kompostierbar?
Nein. Kompostierbarkeit ist die engere, genormte Eigenschaft: Sie setzt voraus, dass der Abbau unter den definierten, beschleunigten Bedingungen einer industriellen Kompostierungsanlage innerhalb einer geprüften Frist erfolgt. Grundsätzlich ist zwar jeder kompostierbare Kunststoff auch biologisch abbaubar, aber nicht jeder biologisch abbaubare Kunststoff eignet sich zur Kompostierung.
Kann man Bioplastik im eigenen Gartenkompost entsorgen?
In der Regel nicht. Industrielle Kompostierungsanlagen erreichen Temperaturen von deutlich über 60 °C, die im heimischen Kompost nicht zuverlässig erreicht werden; der Abbau bleibt dort unvollständig, es bleiben Rückstände. Bioplastik gehört deshalb in Deutschland grundsätzlich in die gelbe Tonne beziehungsweise den gelben Sack, nicht in die Biotonne – Ausnahmen gelten nur für speziell zertifizierte Sammelbeutel.
Ist Bioplastik wirklich umweltfreundlicher als fossiles Plastik?
Nicht pauschal. Eine im Auftrag des Umweltbundesamts erstellte Studie fand für Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen zwar eine günstigere Klimabilanz, aber unter dem Strich keinen ökologischen Vorteil, weil Anbau und Verarbeitung der Rohstoffe zu stärkerer Bodenversauerung und Gewässereutrophierung führen. Ob ein konkretes Bioplastik-Produkt vorteilhaft ist, hängt vom Rohstoff, der Anbaupraxis und dem tatsächlichen Entsorgungsweg ab.
Wie groß ist der Marktanteil von Bioplastik weltweit?
Nach Angaben von European Bioplastics liegt der Anteil von Biokunststoffen an der weltweiten Kunststoffproduktion von rund 431 Millionen Tonnen bei etwa 0,5 Prozent. Verpackungen sind mit gut 41 Prozent davon das größte Anwendungssegment. Trotz zweistelliger Wachstumsraten bleibt Bioplastik damit ein Nischenmaterial im Gesamtmarkt.
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