Wellpappe

Wellpappe
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

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Wellpappe ist ein mehrlagiges Verpackungsmaterial aus Papier: Eine gewellte Mittellage (Wellenstoff) wird ein- oder beidseitig mit glatten Deckbahnen aus Kraftliner oder Testliner verklebt. Die Wellenform aus abwechselnden Bögen erzeugt bei geringem Materialeinsatz Polsterwirkung und Druckfestigkeit. Nach Angaben des Verbands der Wellpappen-Industrie (VDW) wurden 2024 über zwei Drittel aller in Deutschland transportierten Waren in Wellpappe verpackt – mit rund 68 Prozent Marktanteil ist sie die mit Abstand meistgenutzte Transportverpackung.

Aufbau und Herstellung von Wellpappe

Auf der Wellpappenanlage (Corrugator) formt ein Riffelwalzenpaar das Wellenpapier zur charakteristischen Wellenform und verklebt es mit Stärkekleister an eine oder mehrere glatte Deckbahnen. Je nach Zahl der Wellenlagen unterscheidet man:

  • Einwellige Wellpappe (drei Lagen): eine Wellenlage zwischen zwei Deckbahnen – der Standardaufbau für die meisten Versandkartons.
  • Zweiwellige Wellpappe (fünf Lagen): zwei kombinierte Wellenarten, etwa als BC-Doppelwelle, für höhere Stapel- und Stauchfestigkeit.
  • Dreiwellige Wellpappe (sieben Lagen): drei Wellenlagen, etwa als ACA- oder EBC-Kombination, für Schwerlastverpackungen und Industriegüter.

Welche Festigkeit die fertige Wellpappe erreicht, hängt neben der Wellenart auch von den verwendeten Papiersorten ab. Details zu Bogen- und Rollenware liefert kartonfritze.de:

Papiersorte Rohstoffbasis Kennwert / Eigenschaft
Kraftliner Frischfaser (Sulfatzellstoff), bis zu 30 % Altpapier beigemischt Flächengewicht 100–440 g/m², hoher Stauch- und Berstwiderstand
Testliner vollständig aus Altpapier, mehrlagig aufgebaut Qualitätsstufen von T1 (hochwertig) abwärts, günstiger als Kraftliner
Schrenz unsortiertes Altpapier geringe Festigkeit, für leichte oder mehrwellige Ausführungen
Wellenstoff hochwertiges Altpapier mit Halbzellstoff-Anteil bildet die gewellte Mittellage (Riffelung)

Wellenarten von A bis F: Wellenhöhe, Wellenzahl und Einsatz

Wellenarten unterscheiden sich in Wellenhöhe und Wellenzahl je Meter. Je gröber die Welle, desto besser die Polsterung; je feiner die Welle, desto glatter die Oberfläche und desto besser die Bedruckbarkeit. Die folgende Übersicht zeigt die gängigen Standardwellen im Vergleich:

Wellenart Bezeichnung Wellenhöhe Wellen je Meter Typischer Einsatz
A-Welle Grobwelle 4,0–5,0 mm 105–125 Polsterung; heute meist nur noch in Kombiwellen
B-Welle Feinwelle 2,2–3,1 mm 154–182 Stanzverpackungen, Displays, Automatenware
C-Welle Mittelwelle 3,1–4,0 mm 126–147 Standard-Versandkarton, vielseitiger Allrounder
E-Welle Feinstwelle 1,0–1,9 mm 283–333 Verkaufsverpackung mit hochwertigem Druckbild
F-Welle Miniwelle 0,6–1,0 mm ca. 415 (üblich) Faltschachteln mit Offsetdruck-Optik, Lebensmittelverpackung
Wellenarten A bis F im Querschnitt: Wellenhöhe und Wellenzahl je MeterWellenarten im Querschnitt (A–F)AHöhe 4,0–5,0 mm≈ 105–125 Wellen/mBHöhe 2,2–3,1 mm≈ 154–182 Wellen/mCHöhe 3,1–4,0 mm≈ 126–147 Wellen/mEHöhe 1,0–1,9 mm≈ 283–333 Wellen/mFHöhe 0,6–1,0 mmca. 415 Wellen/m

Für hohe Stapel- und Transportbelastung werden Wellenarten meist kombiniert: Die zweiwellige BC-Welle vereint die Stauchfestigkeit der B-Welle mit der Stoßdämpfung der C-Welle, die EB-Welle kombiniert Bedruckbarkeit mit Stabilität. Einen Praxisüberblick zu Wellpappenqualitäten bietet auch baehr-verpackung.de.

FEFCO-Code: genormte Kistenformen aus Wellpappe

Damit sich Verpackungskonstruktionen international eindeutig beschreiben lassen, nutzt die Branche den FEFCO-Code der Europäischen Vereinigung der Hersteller von Wellpappe. Der vierstellige Code ersetzt lange verbale Beschreibungen durch eine genormte Kennziffer: Die ersten beiden Ziffern legen den Grundtyp fest, die letzten beiden die konkrete Ausführung. Gruppe 02 steht für Faltschachteln/Faltkisten – flach angelieferte Zuschnitte aus einem Wellpappstück, die sich vor Ort aufrichten lassen. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist der Code 0201, die klassische Standard-Faltkiste mit Boden- und Deckelinnenklappen (Regular Slotted Container).

Stabilität prüfen: ECT und BCT

Zwei Prüfverfahren geben Auskunft über die Belastbarkeit von Wellpappe. Der Edge Crush Test (ECT, Kantenstauchwiderstand) misst, welcher Druckkraft ein hochkant stehender Wellpappstreifen quer zur Welle standhält, angegeben in Kilonewton pro Meter (kN/m). Der Box Compression Test (BCT) prüft dagegen die fertige Verpackung im Ganzen und ermittelt die maximale Stapeldruckkraft, bevor die Kiste kollabiert. Beide Werte hängen zusammen: Nach der gebräuchlichen McKee-Formel lässt sich die Stapeldruckfestigkeit näherungsweise aus dem ECT-Wert, dem Kistenumfang und der Wellpappendicke berechnen (BCT = 5,876 × ECT × √(Umfang × Dicke)). In der Praxis bestimmt der ECT-Wert der eingesetzten Papiersorten damit maßgeblich, wie hoch sich befüllte Kartons im Lager oder auf der Palette stapeln lassen.

Recycling und Kreislaufwirtschaft

Wellpappeschachtel aus dreilagiger Wellpappe
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Wellpappe zählt zu den papierbasierten Verpackungen mit der höchsten Recyclingquote: Sie liegt in Deutschland laut VDW bei 95,3 Prozent. Die Rohpapiere für neue Wellpappe bestehen dabei selbst wieder überwiegend aus Altpapier – 2024 lag der Altpapieranteil bei den von VDW-Mitgliedern eingesetzten Wellpappenrohpapieren bei 81,8 Prozent. Damit lässt sich der Faserkreislauf mehrfach schließen, bevor die Fasern zu kurz für neues Papier werden. Wer Verpackungsentscheidungen stärker an solchen Kennzahlen ausrichtet, findet weiterführende Einordnung unter Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Verpackungen.

Einsatzgebiete von Wellpappe

Im Versandhandel ist Wellpappe die dominierende Verpackungslösung: Nach VDW-Zahlen entfallen rund 90 Prozent der im deutschen E-Commerce verschickten Pakete auf Wellpappenverpackungen, oft in an die Warenwirtschaft angebundenen Kartonformaten (Stichwort E-Commerce-Versandprozesse). In der Lebensmittelindustrie kommt Wellpappe für Transportkisten von Obst und Gemüse sowie für Sekundärverpackungen im Handel zum Einsatz, im Einzelhandel für Verkaufsdisplays. Bei stoßempfindlichen oder besonders schweren Gütern wie Maschinenteilen sind zwei- oder dreiwellige Ausführungen üblich. Als Alternative für formstabile Behälter oder wasserfeste Anwendungen kommen daneben Kunststofflösungen wie Bioplastik infrage – anders als Wellpappe sind diese jedoch nicht ohne Weiteres über die Papiertonne zu entsorgen und ihre Klimabilanz hängt stark vom eingesetzten Rohstoff ab.

Geschichte der Wellpappe

Die ersten Patente auf gewelltes Papier gehen auf England zurück: 1856 ließen Edward Ellis Allen und Edward Charles Healey gewelltes Papier patentieren, zunächst als Hutfutter, nicht als Verpackung. Der US-Amerikaner Oliver Long patentierte am 25. August 1874 die einseitig beklebte Wellpappe (eine Deckbahn), Robert H. Thompson folgte am 17. Januar 1882 mit dem Patent für beidseitig beklebte Wellpappe – also der bis heute gebräuchlichen einwelligen Wellpappe mit zwei Deckbahnen. 1892 gründete Fedor Schoen das erste deutsche Wellpappenwerk. Eine ausführliche Chronik mit weiteren Jahreszahlen bietet der Wikipedia-Artikel zu Wellpappe.

Häufig gestellte Fragen

Welche Wellenarten gibt es bei Wellpappe, und wofür werden sie eingesetzt?

Von der groben A-Welle (4,0–5,0 mm Wellenhöhe) bis zur feinen F-Welle (0,6–1,0 mm) unterscheiden sich die Standardwellen in Höhe und Wellenzahl je Meter. Grobe Wellen polstern besser, feine Wellen lassen sich hochwertiger bedrucken. B- und C-Welle sind die gängigsten Einzelwellen für Versandkartons, E- und F-Welle dominieren bei Verkaufsverpackungen.

Wie wird Wellpappe hergestellt?

Auf der Wellpappenanlage (Corrugator) presst ein Riffelwalzenpaar erhitztes Wellenpapier in die Wellenform und verklebt es mit Stärkekleister an eine oder mehrere glatte Deckbahnen aus Kraftliner oder Testliner. Je nach Zahl der Wellenlagen entsteht ein-, zwei- oder dreiwellige Wellpappe.

Ist Wellpappe umweltfreundlich und recycelbar?

Ja: Die Recyclingquote von Wellpappe liegt in Deutschland laut VDW bei 95,3 Prozent, und die eingesetzten Rohpapiere bestehen selbst zu 81,8 Prozent (2024) aus Altpapier. Papierfasern lassen sich dabei mehrfach wiederverwerten, bevor sie zu kurz für neues Papier werden.

Was bedeutet der FEFCO-Code bei Wellpappverpackungen?

Der FEFCO-Code ist ein international genormtes, vierstelliges Kennziffernsystem für Verpackungskonstruktionen aus Wellpappe. Die ersten beiden Ziffern bezeichnen den Grundtyp, etwa Gruppe 02 für Faltschachteln/Faltkisten; der bekannteste Einzelcode ist 0201, die klassische Standard-Faltkiste.

Welche Branchen nutzen Wellpappe am häufigsten?

Größter Abnehmer ist der Versandhandel: Rund 90 Prozent der E-Commerce-Pakete in Deutschland werden in Wellpappe verschickt. Weitere wichtige Bereiche sind Lebensmittelindustrie und Einzelhandel für Transport- und Verkaufsverpackungen sowie Maschinen- und Elektronikindustrie für mehrwellige Schwerlastverpackungen.