Produktcodierung: Verfahren, Standards und Kennzeichnungspflichten für Verpackungen

Produktcodierung
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Produktcodierung bezeichnet alle Verfahren, mit denen Produkte, Verpackungen und logistische Einheiten mit maschinenlesbaren oder variablen Angaben versehen werden – von der Ziffernfolge des klassischen Strichcodes über zweidimensionale Codes bis zum RFID-Chip. Ziel ist die eindeutige Identifikation entlang der Lieferkette sowie die Erfüllung gesetzlicher Kennzeichnungspflichten wie Mindesthaltbarkeitsdatum und Chargennummer. In der Praxis wird der Begriff häufig mit dem Elektronischen Produktcode (EPC) gleichgesetzt. Das greift zu kurz: Der EPC ist das von GS1 (vormals EPCglobal) verwaltete Identifikationsschema für RFID-Tags und damit nur ein Teilbereich der Produktcodierung, die ebenso den GTIN/EAN-Barcode, den GS1-DataMatrix-Code und den QR-Code umfasst.

Codesysteme und Datenträger der Produktcodierung

Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Codesysteme zum Einsatz. Sie unterscheiden sich in Datenmenge, Trägermedium und zuständiger Normungsinstanz.

GTIN/EAN-13: der Standard-Strichcode

Die Global Trade Item Number (GTIN) in ihrer 13-stelligen Form – der frühere EAN-13-Code – ist das am weitesten verbreitete Identifikationssystem im Handel. Sie besteht aus einer sieben- bis neunstelligen GS1-Basisnummer, einer vom Unternehmen selbst vergebenen individuellen Artikelnummer und einer abschließenden Prüfziffer zur Validierung. Vergeben und verwaltet wird die Basisnummer in Deutschland von GS1 Germany.

2D-Codes: GS1 DataMatrix und QR-Code

Zweidimensionale Codes speichern deutlich mehr Informationen auf kleiner Fläche als ein 1D-Strichcode. Der GS1-DataMatrix-Code ist der vorgeschriebene Datenträger für die Serialisierung verschreibungspflichtiger Arzneimittel: Er codiert Produktcode, Chargenbezeichnung, Verfalldatum und eine individuelle Seriennummer in einem einzigen Symbol. Der QR-Code wird zunehmend nach dem GS1-Digital-Link-Standard aufgebaut: Statt nur einer Kennnummer trägt der Code dann eine strukturierte Webadresse, die an der Kasse ausgelesen werden kann und zugleich auf Produktinformationen im Web verweist.

RFID und Elektronischer Produktcode (EPC)

Der Elektronische Produktcode (EPC) wird meist als 96-Bit-Code (EPC-96) auf einem RFID-Transponder nach dem Funkstandard ISO 18000-6C gespeichert. Anders als der optisch gelesene Barcode lässt sich der EPC ohne Sicht- oder Berührungskontakt und im Pulk erfassen – mehrere Objekte werden gleichzeitig statt nacheinander gelesen, was ihn für Warenlogistik und Bestandskontrolle attraktiv macht.

Codesysteme der Produktcodierung im Vergleich
Codesystem Datenträger/Norm Typischer Inhalt Haupteinsatz
GTIN/EAN-13 1D-Strichcode, GS1-Standard 13-stellige Artikelnummer Standard-Artikelidentifikation im Handel
GS1 DataMatrix 2D-Code, Pflichtträger EU-Fälschungsschutzrichtlinie Produktcode, Charge, Verfalldatum, Seriennummer Pharma-Serialisierung, Kleinteile
QR-Code (GS1 Digital Link) 2D-Code mit URI-Struktur Artikelnummer plus Webadresse Konsumentenkommunikation, künftig Kassenscan
RFID/EPC Funktransponder, ISO 18000-6C meist 96-Bit-EPC (EPC-96) Pulkerfassung ohne Sichtkontakt, Logistik

Kennzeichnungsverfahren: Wie der Code auf die Verpackung kommt

Der Code selbst ist nur die Information. Für die physische Anbringung auf Verpackung oder Produkt stehen mehrere Drucktechnologien zur Verfügung, die sich in Geschwindigkeit, Haltbarkeit und Materialverträglichkeit unterscheiden. Wie ein Marktüberblick zu Codierlösungen für den Industriesektor zeigt, richtet sich die Wahl vor allem nach Taktzahl, Materialverträglichkeit und Betriebskosten.

Codierverfahren im Überblick: Tintenstrahl, Thermotransfer, Laser, 2D-Code/RFIDCodierverfahren im ÜberblickTintenstrahl (CIJ/DOD)Berührungslos, bis 600 dpi, hohe TaktzahlEinsatz: Sekundärverpackung, MHD, ChargeThermotransfer (TTO)Farbband + Wärme, scharfes DruckbildEinsatz: Folien, flexible VerpackungenLaserbeschriftungBerührungslos, abriebfest, dauerhaftEinsatz: Kunststoff, Glas, Metall2D-Code & RFID/EPCGS1 DataMatrix, QR-Code, RFID/EPCEinsatz: Serialisierung, GS1 Digital Link

Tintenstrahldruck arbeitet berührungslos in zwei Varianten: Continuous Inkjet (CIJ) für hohe Taktzahlen und Drop-on-Demand (DOD) für gezielte Tropfenapplikation, beide mit Auflösungen bis 600 dpi. Thermotransferdruck (TTO) überträgt Farbe von einem Farbband per Wärmeeindruck auf die Oberfläche und liefert ein scharfes, abriebfestes Schriftbild, benötigt aber laufenden Farbbandnachschub. Laserbeschriftung markiert dauerhaft durch Materialabtrag oder Verfärbung, kommt ohne Verbrauchsmaterial aus und eignet sich unter anderem für robuste Kunststoffe wie Polypropylen (PP), Glas und Metall.

Produktcodierung auf der Verpackung eines Pflege- und Haushaltspflegeprodukts
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Typische Kombination aus Branche und Kennzeichnungstechnologie
Branche Übliche Technologie Zweck
Pharma/Arzneimittel GS1 DataMatrix per Inkjet oder Laser Serialisierung, Fälschungsschutz
Lebensmittel Inkjet/Thermotransfer mit GTIN, MHD, Charge Loskennzeichnung, Rückverfolgbarkeit
Konsumgüter/Handel GTIN/EAN-13, perspektivisch GS1-Digital-Link-QR Kassenscan, Produktinformation
Logistik/Paletten RFID/EPC, GS1-128 Pulkerfassung, Warenausgang

Gesetzliche Pflichtangaben: Mindesthaltbarkeitsdatum und Chargennummer

Neben freiwilligen Identifikationssystemen schreibt der Gesetzgeber bestimmte Angaben verbindlich vor. Für vorverpackte Lebensmittel ist das Mindesthaltbarkeitsdatum nach Art. 9 Abs. 1 Buchst. f der Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 eine Pflichtangabe. Ergänzend verlangt die deutsche Los-Kennzeichnungs-Verordnung (LKV), die auf der Richtlinie 2011/91/EU beruht, eine Chargen- oder Losnummer auf verpackten Lebensmitteln; bei Lebensmitteln muss ihr ein „L“ vorangestellt werden, sofern sie sich sonst nicht eindeutig von anderen Angaben auf der Verpackung unterscheidet. Beide Angaben werden in der Praxis meist im selben Druckvorgang wie die übrige Produktcodierung aufgebracht.

Serialisierung und GS1 Digital Link

Am weitesten entwickelt ist die Codierungspflicht im Pharmabereich: Seit dem 9. Februar 2019 dürfen verschreibungspflichtige Arzneimittel in der EU nur noch mit individuellem Erkennungsmerkmal und Erstöffnungsschutz in Verkehr gebracht werden, geregelt in der Delegierten Verordnung (EU) 2016/161 zur Fälschungsschutzrichtlinie. Datenträger ist der GS1-DataMatrix-Code auf jeder einzelnen Packung; seine Seriennummer wird vor der Abgabe an den Patienten mit einer zentralen Datenbank abgeglichen.

Für den Konsumgüterhandel steht mit GS1 Sunrise 2027 eine vergleichbare, aber freiwillige Umstellung bevor: Handelspartner in mehr als 48 Ländern bereiten ihre Kassensysteme darauf vor, bis Ende 2027 zusätzlich zum klassischen Strichcode auch 2D-Codes nach dem GS1-Digital-Link-Standard zu verarbeiten. Der GTIN/EAN-13-Barcode wird dadurch nicht abgeschafft, sondern läuft parallel weiter – Verpackungen können beide Codearten gleichzeitig tragen.

Rückverfolgbarkeit und Kreislaufwirtschaft

Produktcodierung wirkt über die reine Warenidentifikation hinaus in die Kreislaufwirtschaft hinein. Recycling-Codes ergänzen GTIN oder GS1 DataMatrix um eine Materialkennzeichnung: Erst wenn Kunststoffe wie Polystyrol korrekt mit dem Recycling-Code gekennzeichnet sind, lassen sie sich in der Sortieranlage sortenrein erfassen. Lückenlose Rückverfolgbarkeit erleichtert zudem die Ursachenklärung bei Plastikverschmutzung, weil Herkunft und Materialart einer Verpackung eindeutig zugeordnet werden können.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen EPC und klassischem Barcode?

Der klassische Barcode (GTIN/EAN-13) wird optisch gescannt und enthält meist nur eine Artikelnummer für eine ganze Produktklasse. Der Elektronische Produktcode (EPC) wird dagegen auf einem RFID-Transponder gespeichert, per Funk ohne Sichtkontakt ausgelesen und kann als 96-Bit-Code zusätzlich eine individuelle Seriennummer für jedes einzelne Objekt tragen.

Welche Branchen setzen Produktcodierung besonders intensiv ein?

Am striktesten reguliert ist die Pharmabranche mit der verpflichtenden GS1-DataMatrix-Serialisierung. Auch Lebensmittelhersteller codieren durchgängig GTIN, Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum, während Handel und Logistik verstärkt auf RFID/EPC für die Pulkerfassung setzen. Auch spezialisierte Branchen wie der Zierpflanzenhandel haben mit den Produktmerkmalcodes von Floricode eigene Codesysteme für Sortier-, Qualitäts- und Logistikmerkmale etabliert.

Wer ist für die Normung des Elektronischen Produktcodes zuständig?

Die Standardisierung liegt bei GS1, in dem die frühere Organisation EPCglobal aufgegangen ist. GS1 definiert im EPC Tag Data Standard Aufbau und Bitlänge des EPC sowie dessen Zuordnung zu bestehenden GS1-Schlüsseln wie der GTIN.

Welche Vorteile bietet RFID gegenüber herkömmlicher Barcode-Kennzeichnung?

RFID-Tags lassen sich ohne Sichtkontakt und im Pulk auslesen, mehrere Objekte also gleichzeitig statt nacheinander. Da der EPC individuelle Seriennummern trägt, lässt sich zudem jedes einzelne Objekt statt nur die Produktklasse identifizieren.

Was ändert sich durch GS1 Sunrise 2027 für Verpackungen?

Ab Ende 2027 sollen Kassensysteme in über 48 Ländern 2D-Codes wie GS1 DataMatrix und QR-Codes nach dem GS1-Digital-Link-Standard lesen können. Verpackungen müssen deshalb nicht sofort umgestellt werden: Der bisherige GTIN/EAN-13-Strichcode bleibt gültig und kann parallel zum neuen 2D-Code aufgebracht werden.