Kaschierung: Verfahren, Klebstoffe und Abgrenzung zum Laminieren

Kaschierung
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Kaschierung bezeichnet das flächige Verbinden von zwei oder mehr Materialbahnen bzw. -bogen mit einem Kaschiermittel – in der Regel ein Klebstoff, seltener Lack oder Wachs. Ziel ist ein Materialverbund, der Eigenschaften vereint, die ein einzelner Werkstoff allein nicht erreicht: Barriere gegen Feuchtigkeit, Sauerstoff oder Licht, mechanische Festigkeit, Siegelfähigkeit oder eine veredelte Oberfläche. In der Verpackungsindustrie ist Kaschierung die technische Grundlage der meisten Verbundfolien und vieler kaschierter Kartonagen.

Kaschierung: Definition und Zweck

Kaschieren bezeichnet nach der klassischen Definition das Verbinden mehrerer Lagen gleicher oder unterschiedlicher Materialien mit Hilfe geeigneter Kaschiermittel (ausführliche Begriffsherleitung). Verfahrenstechnisch zählt Kaschieren zu den Fügeverfahren durch Kleben. Die Normenreihe DIN 8593 ordnet das Kleben in Teil 8 (DIN 8593-8, Ausgabe 2003-09) ein und legt dort Einordnung, Unterteilung und Begriffe fest.

Eingesetzt wird Kaschierung immer dann, wenn ein einzelnes Material die geforderten Eigenschaften nicht in einer Schicht erfüllen kann: Papier oder Karton allein bieten keine Feuchtigkeitsbarriere, eine dünne Kunststofffolie allein keine ausreichende Steifigkeit. Durch die Kombination entsteht ein Verbund mit gezielt eingestellten Eigenschaften – etwa Sperrwirkung, Stabilität, Siegelfähigkeit oder Optik.

Kaschierung vs. Laminieren: der fachliche Unterschied

Die Begriffe Kaschieren und Laminieren werden in der Praxis oft synonym verwendet, sind fachlich aber unterschieden. Verfahrenstechnisch besteht zwischen beiden kein Unterschied – beide beruhen auf demselben flächigen Verkleben von Materiallagen. Die Abgrenzung erfolgt über die Materialwahl: Beim Kaschieren werden undurchsichtige Materialien verbunden, etwa Graupappe mit Dekorpapier. Beim Laminieren ist mindestens eine der verbundenen Lagen transparent, etwa ein bedruckter Bogen mit einer klaren Kunststofffolie.

Für die Verpackungsindustrie heißt das: Ein Faltschachtel-Zuschnitt mit transparenter PET- oder PP-Schutzfolie wird laminiert, ein mit blickdichtem Dekorpapier oder Aluminiumfolie veredelter Karton dagegen kaschiert. Wie sich das im Detail auf Materialwahl und Verarbeitung auswirkt, behandelt der Beitrag Laminierung.

Kaschierverfahren im Überblick

In der industriellen Praxis kommen vier Verfahren zum Einsatz, die sich in Klebstoffbasis und Prozessführung unterscheiden.

Nasskaschierung

Bei der Nasskaschierung erfolgt die Verbindung unmittelbar nach dem Klebstoffauftrag, ohne Zwischentrocknung. Eingesetzt werden überwiegend wässrige Dispersionsklebstoffe, vor allem wenn mindestens eines der Substrate saugfähig ist – etwa bei Verbunden aus Folie mit Papier, Pappe, Filz oder Textilbahnen.

Trockenkaschierung

Bei der Trockenkaschierung liegt der Klebstoff zunächst gelöst in einem organischen Lösemittel vor. Das Lösemittel wird vor dem eigentlichen Kaschierprozess in einem Trockenkanal entfernt, sodass beim Zusammenführen der Materialbahnen bereits ein trockener Klebstofffilm vorliegt.

Extrusionskaschierung

Bei der Extrusionskaschierung übernimmt eine aufgeschmolzene Kunststoffschicht – meist Polyethylen – die Funktion des Klebstoffs: Sie wird direkt zwischen die beiden Materialbahnen extrudiert und verbindet sie beim Erkalten. Ein separater Klebstoffauftrag entfällt.

Lösemittelfreie Kaschierung

Bei der lösemittelfreien Kaschierung besteht der Klebstoff zu 100 % aus Festkörper, meist auf Polyurethanbasis. Da kein Lösemittel verdunsten muss, entfällt der Trockenkanal; das Verfahren ist je Quadratmeter kostengünstiger und dominiert inzwischen bei General-Purpose-Laminaten. Der ältere Begriff „Thermokaschieren“ wird in der Praxis uneinheitlich sowohl für die Extrusionskaschierung als auch für wärmeaktivierte lösemittelfreie Systeme verwendet; als eigenständiges viertes Verfahren neben Nass-, Trocken- und Extrusionskaschierung führt ihn die aktuelle Fachliteratur nicht.

Verfahren Klebstoffbasis Trocknung/Aushärtung Typische Anwendung
Nasskaschierung Wässrige Dispersion Keine Zwischentrocknung, Verbindung direkt nach Auftrag Papier-, Pappe- und Textilverbunde
Trockenkaschierung Lösemittelhaltiger Klebstoff Lösemittel verdunstet im Trockenkanal vor dem Zusammenführen Verbundfolien mit hohen Anforderungen an die Verbundfestigkeit
Extrusionskaschierung Aufgeschmolzenes thermoplastisches Polymer Erstarrung der Schmelze beim Abkühlen PE-beschichtetes Kraftpapier, Barriereverbunde
Lösemittelfreie Kaschierung 100 % Festkörper-Klebstoff (meist Polyurethan) Chemische Aushärtung, kein Trockenkanal nötig Lebensmittelverpackungen, emissionsarme Fertigung
Kaschierverfahren im VergleichKaschierverfahren im VergleichNasskaschierungKlebstoff: Dispersion (wässrig)Verbindung ohne ZwischentrocknungTrockenkaschierungKlebstoff: lösemittelhaltigLösemittel verdunstet im TrockenkanalExtrusionskaschierungKlebstoff: aufgeschmolzenes PolymerErsetzt separaten KlebstoffauftragLösemittelfreie KaschierungKlebstoff: 100 % Festkörper (PUR)Kein Lösemittel, kein Trockenkanal

Kaschierklebstoffe: Chemie und Auftragsmengen

Moderne Kaschierklebstoffe basieren seit den 1960er-Jahren überwiegend auf Polyurethanchemie; bis heute erreicht keine andere Klebstoffchemie einen vergleichbaren Qualitätsstandard bei Verbundfestigkeit und Verarbeitbarkeit. Lösemittelfreie PUR-Systeme kommen dabei mit deutlich geringeren Trockenauftragsgewichten aus als lösemittelhaltige Klebstoffe:

Klebstofftyp Qualitätsstufe Trockenauftragsgewicht
Lösemittelhaltig General Purpose (GP) ca. 2,5 g/m²
Lösemittelhaltig High Performance (HP) ca. 5 g/m²
Lösemittelfrei General Purpose (GP) ca. 1,0 g/m²
Lösemittelfrei Medium Performance (MP) ca. 3,0 g/m²

Für Lebensmittelverpackungen ist zusätzlich die Temperaturbeständigkeit beim Sterilisieren relevant: Kaschierklebstoffe auf Basis aromatischer Isocyanate können ab etwa 105 °C hydrolysieren, wobei sich primäre aromatische Amine bilden – ein Effekt, der mit steigender Temperatur bis 135 °C zunimmt. Klebstoffe auf Basis aliphatischer Isocyanate bleiben dagegen auch bei Sterilisationstemperaturen bis 135 °C stabil und werden deshalb bevorzugt für sterilisierbare Verpackungen wie Retortenbeutel eingesetzt.

Einsatzgebiete in der Verpackungsindustrie

Kaschierte Materialverbunde finden sich in nahezu allen Bereichen der Verpackung. Aluminiumkaschierte Luftpolsterfolie kombiniert die Polstereigenschaften der Folie mit dem Licht- und Aromaschutz von Metall, Exportpapier verbindet Kraftpapier mit einer PE-Beschichtung für Nässe- und Reißfestigkeit auf dem Transportweg (siehe Verpackungsglossar von Transpack Krumbach). In der Lebensmittelverpackung dominieren mehrschichtige Verbundfolien aus PE, PET und Barrierematerialien wie EVOH, etwa für Käse-, Wurst- oder Snackverpackungen.

Kaschierung ist nicht auf Transportverpackung beschränkt: Im Fine-Art- und Posterdruck werden Bilder häufig auf Hartschaumplatten oder Alu-Verbundplatten kaschiert, um eine plane, feuchtigkeitsgeschützte Oberfläche zu erzielen (siehe Kaschierung im Fine-Art-Druck).

Kaschierverfahren und Materialverbund in der Verpackungsindustrie
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Verbundfolien, Recycling und Kreislaufwirtschaft

Mehrschichtige Verbundfolien erfüllen ihre Schutzfunktion zuverlässig, sind am Lebensende aber schwer zu trennen: Die einzelnen Polymerlagen sind praktisch untrennbar miteinander verbunden. Besonders aluminiumkaschierte Verbunde lassen sich werkstofflich kaum recyceln, weil sich Aluminium nicht gemeinsam mit Kunststoff im selben Materialkreislauf verwerten lässt – am Lebensende bleibt in der Regel nur die thermische Verwertung.

Als Alternative rückt die Monomaterial-Folie in den Fokus: Sie verzichtet auf die kaschierte Materialkombination und bildet Sperrwirkung, Stabilität und Siegelfähigkeit stattdessen in einer einzigen Kunststoffart ab. An entsprechenden Lösungen arbeitet unter anderem ein Konsortium der Fraunhofer-Institute FEP, ISC, IVV und UMSICHT. Wie sich Kaschierung im Vergleich zu unverklebten oder monomateriellen Alternativen auf die Umweltbilanz auswirkt, ordnen die Beiträge Nachhaltige Verpackungen und Kreislaufwirtschaft ein.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Nass-, Trocken- und Extrusionskaschierung?

Nasskaschierung verbindet die Materialbahnen direkt nach dem Auftrag eines wässrigen Dispersionsklebstoffs, ohne Zwischentrocknung. Bei der Trockenkaschierung wird das Lösemittel des Klebstoffs vor dem Zusammenführen in einem Trockenkanal entfernt. Bei der Extrusionskaschierung übernimmt eine aufgeschmolzene Kunststoffschicht die Klebstofffunktion und wird direkt zwischen die Bahnen extrudiert.

Worin unterscheiden sich Kaschieren und Laminieren fachlich?

Verfahrenstechnisch nicht – beide verkleben Materiallagen flächig. Die Abgrenzung erfolgt über die Transparenz: Kaschieren verbindet undurchsichtige Materialien, Laminieren mindestens eine transparente Lage.

Warum werden lösemittelfreie Kaschierklebstoffe zunehmend eingesetzt?

Lösemittelfreie Polyurethan-Systeme kommen ohne Trockenkanal aus, benötigen geringere Auftragsgewichte als lösemittelhaltige Klebstoffe und sind je Quadratmeter kostengünstiger in der Anwendung.

Warum sind aluminiumkaschierte Verbundfolien schwer zu recyceln?

Aluminium lässt sich nicht gemeinsam mit Kunststoff im selben Materialkreislauf werkstofflich verwerten. Solche Verbunde landen deshalb überwiegend in der thermischen Verwertung, während die Branche zunehmend auf recyclingfähige Monomaterial-Folien setzt.

Bis zu welcher Temperatur sind kaschierte Lebensmittelverpackungen sterilisierbar?

Mit Kaschierklebstoffen auf Basis aliphatischer Isocyanate sind Verbunde auch bei Sterilisationstemperaturen bis 135 °C stabil. Aromatische Isocyanate können dagegen bereits ab etwa 105 °C hydrolysieren.