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In-Mould-Labeling (IML) bezeichnet ein Etikettierverfahren, bei dem das Etikett nicht nachträglich aufgeklebt, sondern bereits während der Formgebung fest mit dem Kunststoffbauteil verbunden wird. Ein bedrucktes Etikett aus Polypropylen (PP) wird vor dem Spritzguss-, Blasform- oder Thermoformprozess in die offene Werkzeugkavität eingelegt und verschmilzt beim Einbringen der Kunststoffschmelze untrennbar mit Behälter oder Deckel. Etikett und Bauteil bilden danach eine Einheit – ein separater Etikettierschritt nach der Fertigung entfällt. In der englischsprachigen Fachliteratur wird das Verfahren auch als In-Mold Labeling (US-Schreibweise ohne „u“) bezeichnet.
Was ist In-Mould-Labeling – und wie grenzt es sich von In-Mould Decoration ab?
Beim Einlegen des Etiketts wird zwischen zwei Zuschnittvarianten unterschieden: Beim sogenannten pre-tailored-Verfahren wird ein bereits geformter und gestanzter Etikettenzuschnitt in die Form eingelegt. Beim post-tailored-Verfahren dagegen erfolgt der Folienzuschnitt erst nach dem Spritzgießen. Eng verwandt, aber technisch anders gelöst ist das In-Mould Decoration (IMD): Hier wird kein einzelnes Etikett eingelegt, sondern ein durchgehendes Folienband motorgesteuert und sensorgeführt durch die offene Form geführt. IMD erzielt dadurch eine höhere Dekorqualität als klassisches IML, ist im Prozess aber aufwendiger.

So läuft der IML-Prozess ab
Unabhängig davon, ob am Ende ein Spritzguss-, Blasform- oder Thermoformteil entsteht, folgt der Ablauf in der Praxis denselben sechs Schritten:
Entscheidend für ein sauberes Ergebnis ist Schritt 2: Das Etikett wird elektrostatisch aufgeladen, damit es beim Einlegen exakt an der Werkzeugwand haften bleibt und beim Einströmen der Schmelze nicht verrutscht. Erst dieses präzise Fixieren verhindert Falten, Lufteinschlüsse oder ein Verschieben des Etiketts unter der Kunststoffschmelze.
Drei Verfahrensvarianten im Überblick
IML ist kein einzelnes Formgebungsverfahren, sondern lässt sich mit drei unterschiedlichen Formprozessen kombinieren:
| Verfahren | Funktionsprinzip | Typische Anwendungen |
|---|---|---|
| IML-Spritzguss | Etikett liegt in der Spritzgussform und wird von der PP-Schmelze umflossen | Eimer, Deckel, Dosen, dickwandige Behälter |
| IML-Blasformen | Etikett liegt in der zweiteiligen Blasform, der Vorformling wird darin aufgeblasen | Flaschen, Kanister und größere Hohlkörper |
| IML-Thermoformen (T-IML) | Eine Kunststofffolie wird tiefgezogen und dabei mit dem Etikett aus demselben Material verbunden | Dünnwandige Becher und Schalen, etwa für Molkereiprodukte |
Welche Variante zum Einsatz kommt, richtet sich nach Bauteilgeometrie und Wandstärke: Dickwandige Gebinde wie Eimer entstehen im Spritzguss, größere Hohlkörper im Blasformen, dünnwandige Becher im Thermoformen. Bei T-IML wird gezielt angestrebt, für Etikett und Gefäß denselben Kunststoff – meist PP – einzusetzen, um die Recyclingfähigkeit zu verbessern.
PP als Regelmaterial – das Monomaterial-Prinzip
IML-Etiketten bestehen in aller Regel aus Polypropylen, weil PP sich beim Einspritzen der ebenfalls meist aus PP gefertigten Behälter besonders zuverlässig stoffschlüssig verbindet. Sind Etikett und Behälter aus demselben Kunststoff, entsteht eine Monomaterial-Verpackung: Beide Bestandteile lassen sich als ein einziger, sortenreiner PP-Strom erfassen und verwerten, ohne dass Etikett und Behälter vor dem Recycling getrennt werden müssten. Anders als bei biobasierten Kunststoffen bleibt PP beim IML ein petrochemisches Polymer – der Recyclingvorteil ergibt sich hier ausschließlich aus der Monomaterial-Bauweise, nicht aus dem Rohstoff selbst. Vereinzelt kommen bei Blasform-Anwendungen auch Etiketten aus Polyethylen (PE) zum Einsatz, passend zum jeweiligen PE-Behälter.
Abgrenzung zu anderen Etikettierverfahren
Neben IML stehen vor allem zwei weitere Etikettiertechniken im Wettbewerb: das Nassleim-Etikett und das Sleeve-Etikett.
| Merkmal | In-Mould-Labeling | Nassleim-Etikett | Sleeve-Etikett |
|---|---|---|---|
| Zeitpunkt der Anbringung | Während der Formgebung, im Werkzeug | Nach der Formgebung, aufgeklebt | Nach der Formgebung, aufgeschrumpft oder aufgezogen |
| Verbindung zum Behälter | Stoffschlüssig verschmolzen, untrennbar | Klebstoffschicht zwischen Etikett und Behälter | Folienhülle liegt eng an, meist ganzflächig |
| Materialbeziehung | Etikett kann materialgleich zum Behälter sein (z. B. PP auf PP) | Etikettenpapier/-folie und Kleber weichen vom Behältermaterial ab | Meist PVC-, PETG- oder OPS-Folie, unabhängig vom Behältermaterial |
| Bedeutung fürs Recycling | Bei Materialgleichheit sortenreine Erfassung möglich | Kleberückstände können die Sortierung stören | Großflächige, materialfremde Sleeves gelten als möglicher Störfaktor bei der Sortenerkennung |
Recyclingfähigkeit und regulatorischer Rahmen
Der Mindeststandard der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) bewertet Etiketten als festen Bestandteil der Gesamtverpackung. Großflächige oder materialfremde Etikettierung kann danach die automatische Sortenerkennung im Sortierprozess erschweren – selbst wenn der Behälter selbst aus einem grundsätzlich gut recycelbaren Kunststoff wie PP besteht. Kleinformatige, materialgleiche Etikettierung wie ein PP-IML auf einem PP-Behälter unterstützt dagegen die Erkennung als sortenreiner Kunststoff und damit die Einordnung in die Kreislaufwirtschaft.
Wie viel Spielraum bei Kunststoffverpackungen insgesamt noch besteht, zeigen die Zahlen der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK): 2023 waren 82 Prozent der haushaltsnah anfallenden Kunststoffverpackungen in Deutschland recycling- oder mehrwegfähig, gegenüber 75 Prozent im Jahr 2016. Die IK-Mitglieder haben sich das Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2025 auf mindestens 90 Prozent zu steigern. Monomaterial-Lösungen wie PP-IML auf PP-Behältern zählen zu den Stellschrauben, mit denen sich dieser Wert erhöhen lässt – ein Baustein für insgesamt nachhaltige Verpackungen.
Einsatzgebiete
IML wird vor allem dort eingesetzt, wo Behälter in großen Stückzahlen mit hochauflösenden, kratzfesten Etiketten versehen werden müssen: in der Lebensmittelindustrie einschließlich Tiefkühlprodukten, in der Kosmetik- und Körperpflegebranche sowie bei chemischen Erzeugnissen wie Farben, Lacken und Reinigungsmitteln. Typische Gebindeformen sind Eimer, Dosen, Becher, Flaschen und Kanister.
Wirtschaftlichkeit und Grenzen des Verfahrens
IML-Werkzeuge sind aufwendiger und teurer als Werkzeuge für unbedruckte Bauteile, weil zusätzlich eine Einlegetechnik für die Etiketten – etwa ein Handling-Roboter – in den Spritzguss- oder Blasformprozess integriert werden muss. Wirtschaftlich rechnet sich das vor allem bei größeren Stückzahlen, bei denen sich der separate Etikettierschritt nach der Fertigung entfällt und sich die höheren Werkzeugkosten über die Serie verteilen. Für gleichbleibende Qualität braucht der Prozess zudem eine präzise Abstimmung von Werkzeugtemperatur, elektrostatischer Fixierung und Einspritzzeitpunkt – schon kleine Abweichungen wirken sich auf Etikettensitz und Oberflächenbild aus. Wer sich vertieft mit Verfahren wie IML auseinandersetzen möchte, findet dazu Grundlagen in unserem Beitrag zum Studium der Verpackungstechnologie.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet In-Mould-Labeling von herkömmlichen Klebeetiketten?
Beim In-Mould-Labeling verschmilzt das Etikett während der Formgebung stoffschlüssig mit dem Kunststoffbauteil – es entsteht eine untrennbare Einheit ohne Kleberschicht. Klassische Nassleim-Etiketten werden dagegen erst nach der Fertigung auf den fertigen Behälter aufgeklebt und bleiben über eine Klebstoffschicht mit ihm verbunden.
In welchen Branchen wird In-Mould-Labeling hauptsächlich eingesetzt?
IML kommt vor allem bei Lebensmittelverpackungen einschließlich Tiefkühlprodukten, in der Kosmetik- und Körperpflegebranche sowie bei chemischen Produkten wie Farben, Lacken und Reinigungsmitteln zum Einsatz – typischerweise bei Eimern, Dosen, Bechern, Flaschen und Kanistern.
Ist In-Mould-Labeling-Verpackung wirklich vollständig recyclingfähig?
Vollständig recyclingfähig ist IML-Verpackung vor allem dann, wenn Etikett und Behälter aus demselben Kunststoff bestehen – in der Regel PP auf PP. Nur dann lässt sie sich im sortenreinen Kunststoffstrom verwerten. Bei abweichenden Materialien oder großflächiger, materialfremder Etikettierung kann laut Mindeststandard der Zentralen Stelle Verpackungsregister die Sortenerkennung im Sortierprozess erschwert werden.
Wofür stehen IML-Spritzguss, IML-Blasformen und T-IML?
Die Bezeichnungen stehen für das Formgebungsverfahren, in das das Etikett eingelegt wird: IML-Spritzguss für Eimer, Deckel und Dosen, IML-Blasformen für Flaschen und größere Hohlkörper sowie T-IML (Thermoformen) für dünnwandige Becher und Schalen.
Was unterscheidet In-Mould-Labeling von In-Mould Decoration (IMD)?
Beim IML wird ein einzelnes, vorbereitetes Etikett in die Form eingelegt. Beim IMD läuft stattdessen ein durchgehendes Folienband motorgesteuert durch die offene Form. IMD erzielt dadurch eine höhere Dekorqualität, ist im Prozess aber aufwendiger als klassisches IML.