Digitale BrauBeviale 2020
Post aus Neutraubling

20.10.2020 Viele Jahre lang freute sich unser Redakteur ganz besonders auf den November. Damit ist spätestens 2020 Schluss. Ein Kommentar von Matthias Laux.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: die Brau in Vor-Corona-Zeiten.
© Foto: NuernbergMesse / Thomas Geiger
Ein Bild aus vergangenen Tagen: die Brau in Vor-Corona-Zeiten.

Halle 4A. Zweiter Messetag. Niemals später als 17 Uhr. Niemals weniger als zwei Pils.

Am Stand eines nicht näher zu benennenden Unternehmens, das weltweit sein Netz immer engmaschiger spannt, war es über die Jahre eine liebgewonnene Tradition geworden: Sie, eine junge, aufstrebende, bisweilen überehrgeizige Vertriebsmitarbeiterin eines mittelständischen Etikettenherstellers – er, der unbedarfte, aber leidlich engagierte Volontär eines bekannten Branchendienstes.

In der blassen Erinnerung des Journalisten rührten die zarten Bande aus einem schüchternen Versuch des Schreiberlings, auf der BrauBeviale des Jahres 2008 für die Leserschaft ein paar relevante Informationen in Sachen Getränke-Etikettierung zusammenzutragen. Und was läge da näher als ein gemeinsames Feierabend-Kaltgetränk mit einer jungen Dame vom Fach? Der Pressevertreter freute sich von nun an jedes Jahr ganz besonders auf den November. Und auch wenn sich die Lebenswege der beiden Messebesucher fortan nicht nur in der Frankenmetropole kreuzen sollten, so blieb es stets der Fixpunkt: der etwas unübersichtliche Stand in Halle 4A am Abend des zweiten Tages der Brau.

Die Entscheidung hat sich bereits vor Wochen angedeutet

In diesem Jahr, so viel steht seit Kurzem fest, wird der Gerstensaft in Geselligkeit ausfallen – auch wenn die Beteuerungen, die mich regelmäßig informell aus dem Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg erreichten, dem ausgearbeiteten Hygienekonzept stets eine Top-Note bescheinigten: Die europäische Leitmesse rund um die Themen Produktion und Vermarktung von Bier und alkoholfreien Getränken findet ausschließlich digital statt. Die BrauBeviale 2020 wird – einzig und allein – online zu erleben sein. „Grund hierfür sind die aktuellen nationalen und globalen Entwicklungen der Corona-Pandemie, die rasant steigenden Infektionszahlen sowie die damit einhergehenden massiven Dienstreisebeschränkungen in den Unternehmen“, heißt es seitens der Messe Nürnberg.

Das ist richtig. Und konsequent. Und hat sich in dieser Zuspitzung leider bereits vor Wochen angedeutet.

Am 1. September öffnete ich folgende persönliche Mail aus Neutraubling: „Der Krones-Konzern hat sich aufgrund der COVID-19-Pandemie dazu entschieden, im Jahr 2020 auf eine Präsenz als Aussteller auf Messen weitestgehend zu verzichten. Diese Entscheidung betrifft auch die diesjährige BrauBeviale.

Für diesen Beschluss gibt es mehrere Gründe. Insbesondere die Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden ist ausschlaggebend. Krones möchte Massenveranstaltungen meiden und so die Gesundheit aller schützen. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass der eigentliche Zweck einer Messe – persönlicher Kontakt und Dialog mit Kunden – unter den gegebenen Einschränkungen nur schwer möglich sein wird. Als Folge dieser Überlegungen wird Krones 2020 vorrangig auf virtuelle Alternativen ausweichen, um auch in dieser Zeit die weltweiten Kundenbeziehungen zu stärken.“

Nochmal zur Erinnerung: Wir sprechen hier nicht von irgendeinem x-beliebigen Aussteller. Wer an das „House of Krones“ in Halle 7A denkt, der weiß, dass der Konzern aus Neutraubling seit jeher eines der großen Zugpferde der BrauBeviale ist. Das dieses Jahr – so oder so – im Stall bleibt.

Die Antwort der Krones AG ist nur ein Beispiel von vielen aus meinem Postfach; von diversen Telefonaten mit überspitzt formulierenden Firmenrepräsentanten. Sie alle deuten darauf hin, dass im Spätherbst 2020 eine physische Messepräsenz seitens der Unternehmen mehrheitlich als – in vielerlei Hinsicht – „schwierig“ erachtet wird.

Dieser aktuellen Realität musste die Messe Nürnberg Rechnung tragen. Und sie hat es mit der größtmöglichen Souveränität getan.



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