Digital Talk zu E-Commerce
Schnelligkeit ist nicht alles

30.11.2020 Der Packaging 360° Digital Talk zum Thema „Coronakrise & E-Commerce – Herausforderung für Versandhandel und Packaging“ am heutigen Montag war vor allem eines: zu kurz. Das Webinar zeigte eindrücklich, wie viele Chancen der Onlinehandel heutzutage bietet – und wie vielfältig die diesbezüglichen Aspekte sind. Eine Zusammenfassung in sechs Thesen.

Auf Sendung: Harald Schönfeld (unten), Moderator Matthias Mahr.
© Foto: Screenshot verpackungswirtschaft.de
Auf Sendung: Harald Schönfeld (unten), Moderator Matthias Mahr.

Drei fitte Diskutanten, ein bestens aufgelegter Moderator:  Die Mischung bei diesem Digital Talk zum Verpackungsthema der Stunde stimmte. Doch was blieb hängen? Sechs essenzielle Lehren, die aus diesem inhaltlich so dichten Webinar zu ziehen sind:

1. Der E-Commerce boomt wie niemals zuvor

Der Online-Anteil am Gesamtumsatz im deutschen Weihnachtsgeschäft ist so hoch wie nie. Harald Schönfeld, General Director der Rajapack GmbH, zitierte im Digital Talk einen geschätzten Anteil für das Jahr 2020 von 18,3 Prozent. „Ich glaube allerdings, dass diese Schätzung noch untertrieben ist. Besonders interessant ist sowieso zu sehen, wie sich das auf die einzelnen Branchen auswirkt. Aus internen Statistiken lesen wir im Retail einen Verpackungs-Umsatzzuwachs von 40 Prozent ab, während der Industriesektor rückläufig ist. Der Versand von Büchern, Nahrungs- und Genussmittel sowie Kleidung hat ganz klar zugelegt. Wir merken, dass bereits bei Spekulationen über eventuelle Ladenschließungen die Bestellungen im Verpackungsbereich ansteigen.“

2. Schnelligkeit ist nicht alles

Daniela Bleimaier, Referentin Public Affairs beim Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), betonte: „Den Kunden ist besonders wichtig, dass die bestellte Ware zum versprochenen Zeitpunkt ankommt – das heißt nicht zwangsläufig, dass dies auch so schnell wie möglich passieren muss. Wenn versprochen wird, dass das Produkt in drei Tagen bei Ihnen zuhause ist, sollte dies dann auch von Händlerseite so eingehalten werden. In dieser Hinsicht verzichtet so manch einer dann auch beispielsweise auf eine Prime-Lieferung. Aber klar, es gibt sicherlich Produkte, die ich jetzt sofort haben muss. Aus unserer Erfahrung sind dies jedoch Ausnahmen.“

3. Von Amazon lernen heißt siegen lernen

Thomas Finke, Geschäftsbereichsleiter e-Commerce bei der B+S Logistik GmbH, legte dar: „Neben dem Preis ist die schnelle Verfügbarkeit sicherlich eines der wichtigsten Kriterien, ob ich ein Produkt online kaufe – oder eben nicht. Amazon Prime macht es vor: Sie eröffnen überall Verteilzentren – und liefern sehr stark mit eigenen Fahrzeugen auch aus, im Wesentlichen besagte Prime-Bestellungen. Für uns als Logistik-Dienstleister ist es entscheidend, diese Bestellungen innerhalb der vorgegebenen Zeit rauszubringen. Alles, was bis 15 Uhr eingeht, muss noch am selben Tag an die Carrier übergeben werden. Gerade im Bereich Tiernahrung etwa gibt es da eine sehr hohe Sensibilität. Weil die Leute ihre Bestellungen mehrheitlich sehr kurzfristig aufgeben. Und sehr kleinteilig einkaufen. Ein Beispiel: Wenn sie einen Sack Hundefutter für die nächste Woche shoppen, dann kaufen sie nur diesen einen, weil die Kunden wissen: Ich krieg ihn sofort. Und wenn ich ihn nicht sofort kriege, kauf ich ihn bei einem anderen Anbieter.“

4. Corona geht, Nachhaltigkeit bleibt

„Die Umwelt geht vor – egal, was Corona macht“, weiß Harald Schönfeld zu berichten. „Wer diesen Grundsatz beherzigt, ist auch für die Zeit nach Corona bestens gerüstet. Das Wort Nachhaltigkeit wird häufiger gegoogelt als jemals zuvor. Über 50 Prozent der Verbraucher suchen bereits heute aktiv nach nachhaltigen Verpackungen – und sind laut verschiedenen Studien sogar bereit, dafür bis zu 12 Prozent mehr zu bezahlen. Wer während Corona verschläft, weiterhin Maßnahmen hinsichtlich der Nachhaltigkeit zu ergreifen und zu verfolgen, wird den Anschluss verpassen. In Zukunft gibt es keine Geschäfte ohne Nachhaltigkeit. Dies gilt auch für Versandverpackungen und ihre Beschaffenheit.“

5. Die Welten verschmelzen

„Für den Bereich Food sehen wir den klaren Trend, dass immer mehr Menschen Lebensmittel online einkaufen“, führte Daniela Bleimaier aus. „Ich leite das vor allem anhand unseres Alltags ab: Wir haben immer weniger Zeit, einkaufen zu gehen. Es ist ja auch keine wunderschöne Beschäftigung, im Supermarkt sich die Dinge zusammenzusuchen, an der Kasse anzustehen und dann die Dinge nach Hause zu schleppen. Das kann der Onlinehandel viel einfacher und effizienter gestalten. Was natürlich schwierig ist, wenn etwa Lebensmittel durchgehend gekühlt werden müssen. An dieser Stelle sind die Verpackungshersteller gefragt. Ein anderer Trend ist die Verschmelzung zwischen stationärem Handel und E-Commerce: Ich suche mir ein Produkt auf meinem Smartphone aus, das ich dann im Laden anprobiere, nur als Beispiel.“

6. Kunststoff vs. Papier: Einen klaren Gewinner gibt es nicht

„Das ist ein sehr sensibler Punkt, der sich nicht pauschal beantworten lässt“, beantwortete Harald Schönfeld die Frage nach der Beschaffenheit von Verpackungen im Onlinehandel. „In der öffentlichen Wahrnehmung ist Papier sicher nachhaltiger als Kunststoff. Allerdings kommt es im Wesentlichen darauf an, welches Produkt verschickt wird – und welche Anforderungen damit verbunden sind. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass der Verbrauch von Kunststofftüten und -beuteln extrem gestiegen ist, weil bestimmte Dinge einfach ‚virensicherer‘ eingepackt werden sollen – oder müssen.“



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