Statements des Packaging Valley-Geschäftsführers
Über Systemrelevanz, Interpack und Krisen: Martin Buchwitz spricht Klartext

23.04.2020 Der Verpackungsmaschinenbau erweist sich - wieder mal - als krisenresistent. So zumindest lautet die Kernbotschaft von Martin Buchwitz, seit 1. Dezember 2019 Geschäftsführer des Packaging Valley Germany e.V. in Schwäbisch Hall.

Martin Buchwitz, seit 1. Dezember 2019 Geschäftsführer des Packaging Valley Germany e.V. in Schwäbisch Hall.
© Foto: Packaging Valley
Martin Buchwitz, seit 1. Dezember 2019 Geschäftsführer des Packaging Valley Germany e.V. in Schwäbisch Hall.
„Die Verpackungsmaschinenbauer im Packaging Valley arbeiten auch in der derzeitigen Corona-Krise weiter, keine Frage. Zwar auch zum Teil im Homeoffice, wo auch immer das möglich ist, aber es wird ansonsten ganz normal gearbeitet. Nicht wenige Unternehmen haben zudem eine relativ hohe Auslastung. Ich habe bislang noch von niemandem gehört, dass er Kurzarbeit angemeldet hat. Einzelne Stimmen sagten mir sogar, dass mehr zu tun sei derzeit. Mein Eindruck ist, dass die Verpackungsmaschinenbauer – zumindest bis dato – alles sehr gut handlen können, auch was die Auftragslage anbelangt.“

Der gelernte Elektronikingenieur zieht einen Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit: „Die Verpackungsmaschinenindustrie im Packaging Valley ist doch sehr krisenresistent. Das hatte sich ja bereits in der Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Da hatte es ja seinerzeit durchaus Stimmen gegeben, die sagten: ‚Endlich können wir mal ein wenig in Ruhe Dinge abarbeiten, die wir sonst nicht schaffen.’ Unsere Mitglieder hatten die Krise damals relativ unbeschadet überstanden.“ Aus Sicht des Packaging Valley-Geschäftsführers wird infolge der aktuellen Umstände ein Umdenken stattfinden. „Was ich mir auch vorstellen kann: dass sich das Dienstreiseverhalten massiv verändert. Eines unserer Mitglieder erzählte mir neulich, dass ihm jetzt erst bewusst wird, wie viele unnötige Dienstreisen er vor Corona unternommen hat. Man sieht: Es geht auch anders.“

„Die Zeichen sind offensichtlich, dass die Digitalisierung allgemein in Deutschland durch Corona deutlich voranschreitet“, so der Nachfolger von Kurt Engel. „Es wird den Arbeitnehmern aber mit Sicherheit zukünftig ein höheres Maß an Flexibilität zugestanden werden, auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.“ Für den Verpackungsmaschinenbau stellt Buchwitz fest: „Die Kunden werden definitiv von der voranschreitenden Digitalisierung profitieren. Zum einen aufseiten der eigenen Produktion. Wenn ich mehr und bessere Informationen zur Verfügung habe, kann ich meine eigene Fertigung dementsprechend optimieren. Aber auch die Flexibilisierung der Maschine wird verbessert. Der Kunde hat im gesamten Entwicklungsprozess auf der anderen Seite wesentlich bessere Informationen über die Maschine, die er sich zulegt. Der umfassendere Datenfluss bringt eine enorme Effizienzsteigerung mit sich. Für den Maschinenbauer kann dies Teil des Verkaufsprozesses sein. Der Kunde kauft nicht die Katze im Sack, wenn Sie so wollen, weil er das digitale Abbild schon vor sich hat.“

„Bis vor wenigen Wochen stand das Thema der Nachhaltigkeit in der gesamten Verpackungsbranche ganz weit oben auf der Agenda, damit auch bezüglich des Verpackungsmaschinenbaus. Doch das hat sich mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie geändert. Plötzlich ist wichtiger, ob man als Unternehmen als ‚systemrelevant’ eingestuft wird.“ Für Buchwitz ist dies jedoch nur eine Momentaufnahme: „Das Nachhaltigkeitsthema ist aktuell eher etwas in den Hintergrund gerückt. Das wird sich aber wieder ändern. Die Probleme sind ja nicht weg, nur weil sich die öffentliche Aufmerksamkeit temporär einem anderen Thema zugewandt hat. Die Verpackungsmaschinenbauer waren schon immer darauf aus, mit ihren Kunden gemeinsam an umweltfreundlichen Lösungen zu arbeiten. Somit war ein starkes Engagement auf diesem Gebiet auch stets eine Art Wettbewerbsvorteil, zum eigenen Nutzen quasi. Und für den des Kunden sowieso. Der gesamte Themenkomplex Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist auf den Weg gebracht – und das ist auch gut so.“

„Die Reaktionen der Verpackungsmaschinenbauer auf die Verschiebung der interpack waren unterschiedlich; aber insgesamt gesehen doch einigermaßen entspannt. Die Frage im Moment ist diese: ‚Wie können wir den Kunden unsere Neuigkeiten präsentieren, auf welchem Wege?’ Da geht die Überlegung schon auch in Richtung virtuelle Messen“, führt Buchwitz aus. „Eine große Herausforderung im Zuge der Verschiebung ist der Messekalender 2021. Gerade die Unternehmen, die auch auf der Achema vertreten sind, machen sich da schon ihre Gedanken, ob bzw. wie sie überhaupt in Düsseldorf und Frankfurt zwei Messeauftritte absolvieren. In meinen Augen ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere Hersteller aufgrund der interpack-Verschiebung seine Messepräsenzen 2021 generell völlig neu überdenkt.“

https://www.packaging-valley.com
 
Autor: Matthias Laux
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