Nachgefragt bei DVI-Geschäftsführerin Kim Cheng
Mit neuem Selbstverständnis aus der Krise

30.04.2020 „Wenn es ein Learning aus der Krise gibt, dann dass die Verpackungsindustrie ihre Systemrelevanz verinnerlicht und hier zukünftig mit einem anderen Selbstverständnis agiert.“ Kim Cheng, Geschäftsführerin beim Deutschen Verpackungsinstitut e.V. (DVI) in Berlin, ist in diesen Tagen eine gefragte Gesprächspartnerin. Ihr Ohr ist ganz nah an den Sorgen und Nöten der Branche.

Kim Cheng, Geschäftsführerin beim Deutschen Verpackungsinstitut e.V. (DVI) in Berlin
© Foto: DVI
Kim Cheng, Geschäftsführerin beim Deutschen Verpackungsinstitut e.V. (DVI) in Berlin
Die Juristin weiß: „Es gibt im Kreise unserer Mitglieder auch Firmen, die es hart trifft, denen von heute auf morgen fast der komplette Auftragsbestand weggebrochen ist. Aber dem Gros der Unternehmen geht es gut. Viele produzieren Verpackungen für Lebensmittel. Das läuft. Klar ist: Den Global Playern fällt die Bewältigung der Corona-Krise sicher leichter. Schwierig ist die Situation für den ganzen Bereich der Industrieverpackungen. Wenn im Automotive-Bereich komplette Lieferketten still stehen, werden auch keine Verpackungen benötigt. Das ist nicht einfach.“

Welche Auswirkungen hat der digitale Status quo?
„Wir stellen in Sachen Digitalisierung bei unseren Mitgliedern fest: Da werden im Moment ganz viele Hürden genommen, von denen man vor wenigen Wochen noch nicht dachte, dass so etwas überhaupt möglich sei. In meinen Augen wäre es auch keine Überraschung, wenn die Bundesregierung in Sachen Ausbau der digitalen Infrastruktur vor dem Hintergrund der digitalen Entwicklung bald nachlegt. Bei den Verpackungsunternehmen, mit denen wir sprechen, ist eine rasante Entwicklung zu konstatieren. Es geht eben zur Zeit vieles nur auf dem digitalen Weg. Das wird einen Schub auslösen – auch in Bezug auf die Automatisierung. Die Firmen werden noch genauer prüfen, an welcher Stelle Menschen in der Produktion überhaupt noch notwendig sind.“ Die Arbeitsabläufe wurden laut Cheng vielerorts angepasst: „Es ist bereits das Phänomen zu beachten, dass diverse Verpackungsunternehmen die Leute fest in verschiedene Schichten eingeteilt haben, um die Vielfalt der Kontakte zu minimieren und Personalausfälle bei einem Krankheitsfall zu minimieren.“

Wie geht die Branche mit den Messeverschiebungen um?
„Es wird spannend zu sehen sein, wie die Verpackungsbranche mit der Verschiebung der ganzen Messen und Get-togethers im laufenden Kalenderjahr umgeht. Ganz allgemein gesagt: Ist denn Geschäft zu machen ohne das persönliche Meet & Greet? Wo schicken die Unternehmen im Jahr 2021 überhaupt noch Leute hin, wenn sich zeigen sollte, dass es auch mit digitalen Zusammenkünften funktioniert? Ich weiß es nicht. Ich denke aber, dass gerade für den Erstkontakt die analoge Bühne die bessere bleiben wird. Es ist schon etwas anderes, nur ein Gesicht zu sehen und eine Stimme zu hören, als dem ganzen Menschen gegenüberzustehen. Die ‚Chemie’ lässt sich digital (noch) nicht übermitteln.“

Autor: Matthias Laux
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