Interview mit Collin Weber zur Corona-Krise
„Vertrieb auf allen Ebenen geht immer“

28.04.2020 Seit über 20 Jahren Personalberater, Mitbegründer des Deutschen Verpackungsmuseums, erfahrener Branchenkenner und Netzwerker – Collin Weber hat in seiner Berufslaufbahn schon so manche Krise miterlebt. So einschneidend wie die derzeitige Corona-Pandemie dürfte allerdings noch keine gewesen sein. Ein Gespräch über Personalbedarf, die zukünftige Rolle der Verpackung und der feine Unterschied bei den Gehältern.

Collin Weber
© Foto: packaging-partner.com
Collin Weber
Packreport: Herr Weber, aus aktuellem Anlass: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf das Verhalten von Unternehmen aus, gibt es veränderten Personalbedarf und haben sich die Anforderungen verändert?
Collin Weber: Hier muss man differenzieren. Die Hersteller von Packstoffen und Packmitteln greifen beispielsweise im Bereich der Entwicklung und Anwendungstechnik im Moment eher auf vorhandene Ressourcen zurück. Der stark exportabhängige deutsche Maschinenbau verhält sich mit Neueinstellungen deutlich zurückhaltender. Aber auch hier, Vertrieb auf allen Ebenen geht immer. Eine gesteigerte Nachfrage spüren wir jedoch im Bereich FMCG, besonders aus der Lebensmittelindustrie, wo es auch schon vor der Corona-Krise eine Tendenz gibt, sich mehr Verpackungsexpertise ins eigene Haus zu holen. Dies gilt auch für die Pharma- und Medizintechnik. Automotive muss sich erst mal sortieren.

Packreport: Wie sehen Sie, vor dem aktuellen Hintergrund, die Zukunft der Verpackung? Die Diskussionen aus den letzten Monaten stehen medial ja nicht mehr an erster Stelle.
Collin Weber: Die Corona-Krise hat in vielerlei Hinsicht den Blick auf Themen verändert. Nicht nur das verpönte Auto steht gegenüber dem öffentlichen Personennahverkehr wieder anders da. Auch die angeblich verzichtbare Verpackung und insbesondere das plastic bashing wird durch das aktuelle Handeln der Verbraucher relativiert. Aus vielerlei Gründen wird wieder mehr auf verpacktes Obst und Gemüse zurückgegriffen.

Packreport: Was bedeutet das für die Zulieferindustrie?
Collin Weber: Einer unserer Kunden, ein großer Hersteller von Lebensmitteln, muss in kürzester Zeit ein Vielfaches an bestimmten Produkten produzieren und an den LEH ausliefern. Wenn da beispielsweise der Folienlieferant nicht mithalten kann, gibt es ein Problem. Also läuft es aktuell auch bei den meisten Packmittellieferanten sehr gut. Welche Auswirkungen die Krise mittel- und langfristig auf die gesamten Lieferketten haben wird, wissen wir alle nicht.

Packreport: Die Verpackungsindustrie lässt sich ja nicht in einem Wirtschaftszweig zusammenfassen. Wie definieren Sie als Personalberater Ihren Klienten- und Kandidatenkreis?
Collin Weber: Tatsächlich gibt es nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige keine zusammenhängende Verpackungsbranche. Einen Blick in die komplexe Welt der Verpackung erhält man am besten durch Fachmessen wie Interpack, FachPack oder Drupa, was in diesem Jahr leider schwer fällt. Hier bieten die Aussteller den Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen Lösungen für Verpackungsaufgaben. Da kaum ein Produkt ohne Verpackung auskommt, ist dieses Thema auch auf Branchenveranstaltungen wie Food, Kosmetik oder Pharma stark vertreten.

Packreport: Für welche Unternehmen sind Sie beispielsweise tätig?
Collin Weber: Namen möchte ich hier natürlich nicht nennen. Es gibt drei Schwerpunkte: die Anbieter von Packstoffen und Packmitteln, den Maschinenbau mit all seinen Komponenten für die Prozesstechnik sowie der große Bereich der Anwender, hier insbesondere FMCG aber auch für die Pharma- und Medizintechnik.

Packreport: Wie finden Sie denn die passenden Talente?
Collin Weber: Talente finden gehört nicht zu unseren Aufgaben, wir sind nicht im Showgeschäft und suchen nicht die Superstars. Unsere Klienten haben sehr konkrete Vorstellungen von den Anforderungen an die zu besetzenden Positionen. Wir verfügen über mehrere zehntausend Kontakte zu Menschen, mit besonderen Qualifikationen im Umfeld der Verpackung, sei es im Management, in der Entwicklung, der Produktion oder im Vertrieb und Marketing. Neben den fachlichen Qualifikationen sind es die persönlichen Eigenschaften auf die wir bei der Vorauswahl besonders achten.

Packreport: Welche Ausbildung müssen Menschen haben, um die Aufgaben erfüllen zu können?
Collin Weber: Hier kommt es darauf an, für welches Unternehmen und für welche Aufgaben gesucht wird. Suchen wir beispielsweise für einen Hersteller von papierbasierten Produkten einen Produktionsleiter, gehen wir anders vor, als wenn es sich um einen Hersteller von Kunststoffverpackungen handelt. Bei Vertriebspositionen steht das Materialwissen meist nicht so sehr im Vordergrund, hier sind Kenntnisse der Absatzmärkte wichtiger.

Packreport: Nun gibt es ja in Deutschland einige Fachhochschulen, an denen ein Abschluss in Verpackungstechnik das Ziel ist. Wo finden diese Menschen ihr ideales berufliches Umfeld?
Collin Weber: Wir sind in Deutschland in der glücklichen Lage, dass mehrere Fachhochschulen Studiengänge Verpackungstechnik anbieten. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Berlin, Stuttgart, Leipzig oder München, um nur einige zu nennen. Da die Stoffpläne materialübergreifendes Wissen vermitteln, finden die meisten Absolventen den Einstieg bei einem Anwender. Viele finden auch ihre berufliche Heimat über ein Praktikum. Wir halten seit vielen Jahren Kontakt zu Studenten dieser Fachrichtung und beraten diese auch neutral und objektiv bei der Karriereplanung. Schließlich verfügen diese bald über Berufserfahrungen und sind gesucht. Wir verfügen heute über weit mehr als tausend Kontakte zu Menschen mit diesen Ausbildungsgängen. Dabei gibt es mittlerweile auch noch Altkontakte zu den ersten Studienabgängern in Berlin, die heute am Ende ihrer beruflichen Laufbahn stehen.

Packreport: Zum Schluss noch die Frage die im Berufsleben eine wichtige Rolle spielt: Was kann man denn verdienen mit seinem Wissen?
Collin Weber: Dies hat natürlich etwas mit der Berufserfahrung sowie der Verantwortung in der jeweiligen Position zu tun. „Packaging Manager“ mit einem Abschluss Verpackungstechnik und etwa fünf Jahren Berufserfahrung ohne Führungsverantwortung liegen heute bei rund 70.000 € im Jahr. Wir haben auch „Global Packaging Manger“ mit internationaler Verantwortung für mehrere Standorte mit einem Jahreseinkommen von 200.000. € und mehr platziert. Wahrscheinlich habe ich den falschen Job gewählt.

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Autor: Matthias Laux
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