Gemeinsamer Appell der Verbände
„Integraler Bestandteil der Versorgungssicherung“

23.03.2020 Die Liste der Unterzeichner ist so lang wie namhaft: Vierzehn deutsche Verpackungsverbände haben am Freitag ein Schreiben nach Berlin auf den Weg gebracht, das verpackungswirtschaft.de vorliegt und sowohl an Deutlich- als auch an Dringlichkeit keine Fragen offen lässt.

© Foto: @Matthias Zomer – pexels.com
Der Titel des vierseitigen Dokuments, das am vergangenen Donnerstag in einer großen Telefonkonferenz abgestimmt wurde und unter anderem an das Bundeskanzleramt adressiert ist, lautet:

„Coronavirus – Gefahren für die Lieferkette von Verpackungen für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte und Forderungen zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit“
Im ersten Abschnitt formulieren die Verbände konkrete Forderungen an die politisch Verantwortlichen an der Spree, unter anderem heißt es da:

„Transport- und Verkaufsverpackungen (aus Papier/Karton und Kunststoff) und deren Rohmaterialien und Vorprodukte für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte sind als ‚integrale Bestandteile und systemrelevante Produkte im Zusammenhang von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie’ zu klassifizieren.“ Für die Unterzeichner steht fest: „Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die die Versorgungssicherheit der Lieferkette von Transport- und Verkaufsverpackungen für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte mit benötigten Roh-, Betriebs- und Hilfsstoffen schützen und gewährleisten.“

Es ist völlig unstrittig, dass die Sicherheit bezüglich der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten in der gegenwärtigen Corona-Krise systemrelevant ist. Daraus folgern die Verbände:

„In der Lieferkette für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte ermöglichen aber erst Transport- und Verkaufsverpackungen, dass diese Waren bis zum Endverbraucher verfügbar sind und eine Maximierung der Haltbarkeit gewährleistet ist.“ (…) „Die Verpackungen sind somit ein integraler Bestandteil der Versorgungssicherung der Bevölkerung.“

Die Botschaft ist eindeutig: „Insofern fordern wir von der Politik, dass Transport- und Verkaufsverpackungen (aus Papier/Karton und Kunststoff) zum Verpacken von Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten als „integraler Bestandteil und systemrelevante Produkte im Zusammenhang von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie“ klassifiziert bzw. „Kritischen Dienstleistungen“ im Rahmen von § 4 „Sektor Ernährung“ und § 6 „Sektor Gesundheit“ der Verordnung zur Bestimmung kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz gleichgestellt werden.“

Die Gretchenfrage: Durch was kann die Produktion aktuell gestört werden?
 
In dem Schreiben nennen die Verbände drei kritische Aspekte, die die Produktion von Transport- und Verkaufsverpackungen zum Verpacken von Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten beeinträchtigen. Wir dokumentieren die wichtigsten Passagen im Wortlaut:

1. Einschränkung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs 

„Die jüngst eingeführten nationalen Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums stellen eine Störung der europäisch geprägten Lieferketten für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte dar. Es wird aus mehreren europäischen Staaten gemeldet, dass Logistikunternehmen aufgrund der langen Verzögerungen an Grenzen davon absehen grenzüberschreitende Aufträge anzunehmen.
 
Schon jetzt weigern sich zudem Mitarbeiter von Logistikunternehmen in Gebiete mit hohen Beschränkungen zu fahren. Dies basiert auf der Sorge in einem solchen Fall in diesen Regionen unter vorsorgliche Quarantäne zu geraten und nicht zurückkehren zu dürfen.

Wir appellieren daher an die politischen Institutionen, die Lieferketten von Transport- und Verkaufsverpackungen und den Materialien zu deren Herstellung zu schützen und von den Beschränkungen im Zusammenhang mit Maßnahmen beim grenzüberschreitenden Warenverkehr auszunehmen.“

2. Verändertes Konsumverhalten privater Endverbraucher führt zur Verknappung wichtiger Druck- und Reinigungschemikalien

„Für die Herstellung von Druckfarben bzw. die Bedruckung von Transport- und Verkaufsverpackungen für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte und zur Aufrechterhaltung der erforderlichen Hygiene bei der Produktion derselben sind u.a. bestimmte Lösemittel (Ethanol, Propanol, Isopropanol) produktionstechnisch erforderlich.  
 
Bei der Versorgung mit solchen Lösemittel-Produkten kommt es aktuell zu Engpässen für die Hersteller von Verpackungen. Auslöser ist die exorbitant gestiegene Nachfrage nach Desinfektionsmitteln, die auf den gleichen Ausgangsstoffen wie einige Verpackungsdruckfarben und Druckhilfsmittel beruhen.“  

3. Mögliche Ausgangssperren

„Sollten allgemeine Ausgangssperren in Deutschland in Kraft gesetzt werden, würde dies sehr schnell die Hersteller von Verpackungen für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte beeinträchtigen, für diese essenziellen Märkte und Lieferketten Packmittel zur Verfügung zu stellen.
 
In einem solchen Fall müssen Ausnahmegenehmigungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Herstellern und Zulieferern von Transport- und Verkaufsverpackungen für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte vorgesehen werden.“
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