Tarifkommission PPKV beschließt Forderungen
4,8 % mehr Lohn und Gehalt soll es sein

26.11.2020 Ver.di fordert für die rund 100.000 Beschäftigten in der Papier- und Kunststoffverarbeitung 4,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Der Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) weist die Forderung als „keine vernünftige Verhandlungsbasis“ zurück.

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Orientiert hat sich die Tarifkommission in ihrer Diskussion am Ergebnis der Beschäftigtenbefragung, die im Zeitraum vom 1. Oktober bis 6. November 2020 durchgeführt wurde. An der Beschäftigtenbefragung haben sich rund 3.200 Beschäftigte aus 92 Betrieben beteiligt. Der weitaus überwiegende Teil der Antworten sprach sich für eine Entgeltsteigerung in der beschlossenen Größenordnung aus.

Trotzdem die Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitende Industrie (PPKV) bisher besser durch die Corona-Pandemie gekommen sei als andere Branchen, wie etwa die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Chemische Industrie, die Druckindustrie oder die Papiererzeugende Industrie, werde es sicherlich ein hartes Stück Arbeit werden, mit dem Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) eine Tarifeinigung zu erzielen. Eine erste Verhandlungsrunde soll am 13. Januar 2021 stattfinden.

Diese Forderung lasse aus Sicht des HPV völlig außer Acht, dass die Corona-Krise die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung bereits stark beeinträchtigt habe und dies auch weiterhin tun werde.

„Die Prognosen aller Wirtschaftsforscher weisen aktuell in eine klare Richtung: nach unten. Wie stark und wie schnell sich unsere Konjunktur danach wieder erholen wird, ist noch nicht absehbar“, sagte HPV-Verhandlungsführer Jürgen Peschel. Für die Unternehmen in der Papier- und Kunststoffverarbeitung kommen neben geringeren Erträgen aktuell und in Zukunft auch noch gestiegene Ausgaben hinzu. „Aufgrund der Pandemie haben unsere Mitgliedsunternehmen umfangreich in die Arbeitsplatzsicherheit investiert, um ihre Belegschaften vor einer Infektion mit dem Covid-19-Virus zu schützen. Das ist selbstverständlich für verantwortungsbewusste Arbeitgeber. Genauso selbstverständlich sollte es für Tarifpartner in schwierigen Zeiten sein, einen verantwortungsbewussten Abschluss anzustreben, und das heißt in diesem Zusammenhang maßvoll.“

Hinzu komme, dass sich viele betriebswirtschaftliche Kennzahlen bereits massiv verschlechtert hätten: So seien beispielsweise die Lohnstückkosten in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg übertreffe sogar den bisherigen Rekordwert des Vergleichszeitraums von 2005 bis heute aus dem Jahr 2009. Ferner habe die Branche mit massiven Einbrüchen zu kämpfen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Auftragseingang um 4,6 Prozent, die Umsätze sogar um 4,9 Prozent.

„Wir setzen auf faire Verhandlungen, die vor allem das Erreichte nicht gefährden dürfen. Dafür ist die jetzt veröffentlichte Verdi-Forderung keine vernünftige Verhandlungsbasis“, sagte Peschel. „In den kommenden Monaten und Jahren wird es darauf ankommen, dass unsere Betriebe in einer schwierigen konjunkturellen Lage vernünftige Rahmenbedingungen erhalten, um weiter bzw. wieder wirtschaftlich erfolgreich sein zu können. Wer verkennt, dass einzelne Betriebe bereits jetzt ihre finanziellen Spielräume verloren haben, gefährdet Sicherheit und Perspektiven einer ganzen Branche und somit auch die Arbeitsplätze der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den tarifgebundenen Unternehmen.“

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