Krisengipfel der dualen Systeme

16.06.2014

© Foto: Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH
LZnet /hkr. Jetzt wird es für die dualen Systeme ernst. Sie müssen ihre finanzielle Schieflage in den Griff bekommen, um das System der Gelben Tonne bis Jahresende zu stabilisieren. Handel und Industrie fordern Transparenz. Die Krisengespräche beginnen heute.

Anlässlich des Krisengipfels der dualen Systeme (Start: 16.6) erhöht die Markenartikelindustrie den Druck. Der Berliner Markenverband macht aktuell deutlich, dass die Konsumgüterindustrie bei derzeitigem Stand der Verhandlungen den Lizenzdienstleistern weder mit einer Finanzspritze noch einem Kredit beispringen wird: "Das reine Einfordern von Geld, ohne erkennbare Gegenleistung und Transparenz, ist unlauter", so die unmissverständliche Absage von Dominik Klepper. Der Leiter Wirtschafts- und Umweltpolitik beim Markenverband fordert die Unternehmen DSD, Interseroh, Belland Vision und andere auf, ihren Teil zur Lösung der Situation beizutragen.

So sei bis dato nicht aufgeklärt, wie die Liquiditätslücke zustande gekommen ist, kritisiert Klepper. Das System der Gelben Tonne war seit Ende vergangenen Jahres in eine absehbare finanzielle Schieflage geraten, weil einzelne Unternehmen Mengen aus der haushaltsnahen Sammlung abgemeldet und in so genannte Branchenlösungen oder die Erfassung am PoS (Verpackungsrücknahme im Laden) umgeschichtet haben.

Für so lizenzierte Verpackungen sind jedoch nur ein Drittel der Gebühren fällig. So konnten sie in Ausschreibungen günstigere Konditionen anbieten. Das Geld jedoch fehlt für das Kerngeschäft. und die Kosten zur Sammlung und Entsorgung der Verlaufsverpackungen sind nicht mehr abgedeckt.

Anfang Mai war bekannt geworden, dass für das zweite Halbjahr noch immer 53 Mio. Euro fehlen. DSD-Vertriebschef Michael Wiener und Interseroh-Geschäftsführer Markus Müller-Drexel sind seither in der Konsumgüterbranche auf der Suche nach Geldgebern oder Bürgen, die Bankkredite möglich machen. Offenbar hat sich auch bis zur heutigen Krisensitzung niemand gefunden, um die Gelbe Tonne bis Jahresende finanziell abzupuffern. "Ein Fass ohne Boden", so ein Industriemanager auf LZ-Anfrage.

Aus Sicht des Markenverbands müssen sich die dualen Systeme besser gegen Missbrauch wappnen, etwa durch effizientere systeminterne Prüfungen. Auch müssten die Unternehmen einen neuen Clearingstellenvertrag vorlegen und sich endlich auf einen einheitlichen Wirtschaftsprüfer einigen, der auch vorgeschaltete Lizenzmakler prüfen muss.

"Das zweitägige Treffen der Unternehmen des dualen Systems ist die letzte Möglichkeit zu zeigen, dass sie aus eigener Kraft Stabilisierungsmaßnahmen ergreifen können", sagt Dominik Klepper. Kurz vor Ultimo ist es auch deshalb, weil Ende Juni die turnusmäßigen Mengenprognosen für das 3. Quartal anstehen. Wenn die Branche bis dahin keine Einigung erzielt hat, könnte sich das Defizit fürs 2. Halbjahr weiter erhöhen.



BU: Abholbereite Gelbe Säcke

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