Nach massiven Protesten
Mayr-Melnhof investiert 18 Mio. Euro am Standort Hirschwang

06.11.2020 Die Mayr-Melnhof Gruppe (MM) stärkt die Faltschachtelproduktion Neupack am österreichischen Standort Hirschwang durch ein umfangreiches Zukunftsprogramm.

MM: Öffentliche Betriebsversammlung vor der Wiener Konzernzentrale.
© Foto: Gewerkschaft Pro-Ge
MM: Öffentliche Betriebsversammlung vor der Wiener Konzernzentrale.

Ein Investitionsplan in Höhe von 18 Mio. Euro in Gebäude und Maschinen soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standortes laut MM in den Wachstumsmärkten E-Commerce-Verpackung und hochwertig bedruckte Konsumgüterverpackung in Feinstwelle (Microwelle) für Produkte wie Lebensmittel, Tiernahrung und elektrische Haushaltsgeräte deutlich erhöhen. Neben der Errichtung einer vergrößerten Produktions-   und   Lagerhalle   werde   in   neue   Drucktechnologie, Stanzkapazitäten sowie Automation und Infrastruktur am Stand der Technik investiert. Ziel sei es, Neupack Hirschwang mit gebündelten Kräften und einem attraktiven Produktangebot auf gutem Ergebnisniveau in die Zukunft zu führen. Das Faltschachtelwerk sei dadurch nachhaltiger Arbeitgeber in der Region mit aktuell 215 Beschäftigen.

Kartonmaschine zu alt?

Anfang September hatte MM mitgeteilt, dass eine umfassende Prüfung der Rahmenbedingungen ergeben habe, dass eine wirtschaftliche Fortführung der Produktion auf der Kartonmaschine in Hirschwang an der Rax, Niederösterreich, nicht möglich sei. Alter und Bauart der Maschine (Baujahr 1952) sowie gestiegene Marktanforderungen stünden einem Fortbestand entgegen. Der Standort Hirschwang solle sich künftig auf die bestehende Faltschachtelproduktion (Neupack) mit 215 Mitarbeitern konzentrieren.

Massive Proteste der Gewerkschaft

Der Kartonhersteller Mayr-Melnhof (MM) will den Standort in Hirschwang (Niederösterreich) noch dieses Jahr schließen, obwohl das Karton-Werk in den letzten Jahren ständig Rekordergebnisse lieferte, hieß es im Oktober seitens der österreichischen Produktionsgewerkschaft (Gewerkschaft Pro-Ge). So wurden 2018 und 2019 laut Gewerkschaft jeweils 10 Millionen Euro an Dividende ausgeschüttet. 2018 wurde der Standort sogar konzernweit als „Werk des Jahres“ ausgezeichnet. Dem MM-Management sei die gute Performance aber offenbar egal – „und damit verlieren 150 ArbeitnehmerInnen den Arbeitsplatz. Für sie geht es um die Existenz“, so Pro-Ge. Aus Protest gegen die Standortschließung fand daher am 15. Oktober eine öffentliche Betriebsversammlung vor der Wiener Konzernzentrale statt. Rund 250 ArbeitnehmerInnen und UnterstützerInnen versammelten sich vor dem Haupteingang, während zeitgleich eine Aufsichtsratssitzung stattfand.

Einigung über Sozialplan

Einen ersten Erfolg hatte die öffentliche Betriebsversammlung bereits am Vorabend gebracht, hieß seitens Pro-Ge weiter: Betriebsrat und Gewerkschaft konnten in der fünften Verhandlungsrunde eine Einigung über einen Sozialplan inklusive einer Arbeitsstiftung und einem Vorruhestandsmodell für die Beschäftigten auf den Weg bringen.



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