Herma
460 Pfähle, 300 Betonmischer und drei 60-Meter-Kräne

18.04.2018 Mit dem neuen Beschichtungswerk am Hauptsitz in Filderstadt wird Herma seine Fertigungskapazitäten für Haftmaterial um 50 Prozent erweitern, von jetzt 800 Millionen Quadratmeter auf dann 1,2 Milliarden Quadratmeter. Das entspricht ungefähr der Fläche von Berlin und Potsdam zusammen.

Kubistisch, praktisch, gut: So ähnlich wird das neue Herma Beschichtungswerk für Haftmaterial einmal aussehen, wenn es Ende 2019 in Betrieb geht. Am linken Bildrand noch zu erkennen: der bestehende Herma Gebäudekomplex.
© Foto: Herma GmbH
Kubistisch, praktisch, gut: So ähnlich wird das neue Herma Beschichtungswerk für Haftmaterial einmal aussehen, wenn es Ende 2019 in Betrieb geht. Am linken Bildrand noch zu erkennen: der bestehende Herma Gebäudekomplex.
 Die ersten Probeläufe von Beschichtungstechnik und dem dann erstmals robotergestützten Materialhandling finden planmäßig im Sommer 2019 statt. „Wir werden mit dem Werk in der Lage sein, neuartige Haftmaterialien zu produzieren und insbesondere unser Portfolio für den stark wachsenden Folienbereich auszubauen“, betont Geschäftsführer Dr. Thomas Baumgärtner, der auch den Geschäftsbereich Haftmaterial leitet. Schon jetzt nimmt der neue Unternehmensteil deutlich sichtbare Formen an. Und der Bau fordert Mensch wie Material aufs Äußerste – sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe. So wird das komplette Werk aufgrund der Bodenbeschaffenheit auf insgesamt 460 Spezialpfählen stehen, die bis zu gut zwölf Meter in die Erde eingelassen wurden. „Wir standen vor der Herausforderung, dass der Boden aufgrund eines Bachlaufs besonders zum Norden des Areals hin schluffig und wenig tragfähig ist“, erläutert Dr. Thomas Baumgärtner. Die komplette Gründung auf Pfählen sei sehr aufwändig, aber ohne Alternative.


Schwere Fertigteilstützen

Für die Erstellung der 120 cm mächtigen Stahlbeton-Bodenplatte des neuen Hochregallagers für das Rohmaterial musste der Rohbauer aus technischen Gründen zwei Betonierabschnitte bilden. Da hier später pro Quadratmeter Lasten von weit mehr als 20 Tonnen auftreten werden, wurden extrem dichte und engmaschige Bewehrungslagen verwendet. Das zwang dem Rohbauer wiederum unterschiedliche Körnungsgrößen für den Kies als Betonzuschlag auf, damit das Armierungsgeflecht nicht als Sieb wirkt und den Beton entmischt. Der Inhalt von insgesamt 300 Lkw-Betonmischern war dazu erforderlich. Aus logistischen Gründen sind auch die 35 Meter hohen Fertigteilstützen des Hochregallagers zweigeteilt angeliefert worden. Bereits der untere Teil einer Stütze brachte fast 40 Tonnen auf die Waage. Umrahmt von drei bis zu 60 m hohen Hochbaukränen stellten Spezialkräne die Stützen Zug um Zug in die mächtigen, garagengroßen Köcherfundamente. Der Komplex des neuen Beschichtungswerkes besteht aus fünf Gebäudeteilen: Dem zentralen Roh- und Halbfabrikatelager, der Beschichtungsmaschinenhalle mit ihren beiden Fertigungsanlagen, einem zweigeschossigen Trakt mit den Schneide- und Verpackungsanlagen auf dem oberen Niveau, dem Versandbereich darunter, einem Fertigwarenlager sowie einem Sozial- und Technikgebäude.

Gesamtinvestition bei rund 100 Millionen Euro

Mit der Fertigstellung der Fassaden rechnet Dr. Thomas Baumgärtner im Herbst 2018, die reguläre Produktion startet voraussichtlich Ende 2019. Da ein innovatives Energiekonzept realisiert wird, wird der neue Unternehmensteil völlig unabhängig vom bestehenden Herma Standort produzieren können. Parallel zu dem Beschichtungswerk entsteht auf neuen Herma Gelände derzeit auch die Fertigung der Etikettiermaschinen. Diese wird gemäß Plan bereits Ende 2018 in Betrieb gehen. Dann zieht dieser Geschäftsbereich von seinem derzeitigen Standort in Deizisau nach Filderstadt um. Für Fertigungsanlagen und Gebäude investiert Herma auf dem neuen Areal bis Ende 2019 insgesamt etwa 100 Millionen Euro.

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