Haftetiketten von Nilpeter
Identische Maschinentechnik für zwei Standorte

20.12.2017 Mit zwei Nilpeter MO-4 erweitert die Ellerhold-Gruppe ihr Produktsegment Haftetiketten um den Offsetdruck.

Maximilian Ellerhold, Vorstand für Produktion und Technik, an der Nilpeter MO-4 in Zirndorf.
© Foto: Ehrlitzer
Maximilian Ellerhold, Vorstand für Produktion und Technik, an der Nilpeter MO-4 in Zirndorf.
Etiketten sind Plakate für den Marktauftritt im Miniformat. Diese Definition mag eigenwillig sein, im Falle der Ellerhold AG ist sie jedoch auch ein Erfolgsrezept. Großflächenplakate bilden den Ursprung des Unternehmens. Seit einigen Jahren zählen jedoch auch Verpackungen und Etiketten zum Produktprogramm der Firmengruppe. Bei einem Besuch am Standort Zirndorf erläutert Maximilian Ellerhold, welche Überlegungen zur Installation zweier Rollenoffsetmaschinen von Nilpeter zur Produktion von Haftetiketten geführt haben.

Der Anfang der Erfolgsgeschichte liegt 30 Jahre zurück. In Zirndorf bei Nürnberg gründete Frank Ellerhold 1987 eine Druckerei, die Plakate im Rollensiebdruck fertigte. Als gelernter Siebdrucker sah er dieses Verfahren bei kleineren Auflagen für die Außenplakatwerbung im Vorteil gegenüber dem Offsetdruck. Insbesondere die Kostenvorteile durch eine geringere Makulatur und die mehrfache Nutzung der Druckformen ermöglichten einen erfolgreichen Einstieg in den Markt.

Hohe Affinität zu innovativen Technologien

Aus den Anfängen als regionaler Plakatdrucker hat sich eine Unternehmensgruppe entwickelt, die 2016 mit über 630 Mitarbeitern einen Umsatz von 84 Mio. Euro erzielt hat. Wie Maximilian Ellerhold erklärt, ist die Geschichte des Unternehmens, das seit 2005 als Aktiengesellschaft firmiert, stark von der Experimentierfreudigkeit seines Vaters Frank Ellerhold geprägt. Neue Technik sei für ihn stets Anreiz gewesen, Vorteile zu erkennen und im Sinne der Kunden gewinnbringend zu nutzen, erinnert sich der heutige Vorstand für Produktion und Technik. Ein Beispiel war der Digitaldruck, der in Zirndorf bereits 1993 Einzug hielt.

Mit dem Etikettendruck kam Frank Ellerhold erstmals 2006 In Berührung, als die Offsetdruck Team GmbH & Co KG übernommen wurde. Das Unternehmen in Witten, das im deutschen Markt vor allem als Plakatdrucker bekannt war, hatte als zusätzliches Standbein die Produktion von Nassleimetiketten für die Getränkeindustrie.
Maximilian Ellerhold (links), Vorstand für Produktion und Technik, und Christoph Kugler, Vertrieb Nilpeter, an der Offsetrotation MO-4. © Foto: Ehrlitzer
Maximilian Ellerhold (links), Vorstand für Produktion und Technik, und Christoph Kugler, Vertrieb Nilpeter, an der Offsetrotation MO-4.

Mit der Akquisition der Berliner Goetz + Müller GmbH wurde der Produktbereich Etiketten drei Jahre später um eine Druckerei erweitert, die auf dieses Segment spezialisiert ist. Sie brachte sehr viel Erfahrung mit hochwertig veredelten Etiketten, z.B. für Spirituosen, in die Firmengruppe ein. 2014 stieß schließlich die dritte Etikettendruckerei dazu, als Frank Ellerhold das Unternehmen Offset Ketels in Wees bei Glücksburg aus der Insolvenz heraus kaufte. Die klassische Bogendruckerei hatte zuvor Aufträge verloren, weil internationale Großkunden seit Jahren vermehrt auf Rollenhaftetiketten umstellen. Die spürbar wachsende Nachfrage nach selbstklebenden Etiketten veranlasste die Ellerhold-Gruppe, ebenfalls in dieses Produktsegment zu investieren.

Etiketten als zusätzliches Standbein zur Zukunftssicherung

Obwohl der Etikettendruck zum damaligen Zeitpunkt nicht zum Portfolio gehörte, wurde dieses Marktsegment beibehalten und weiter ausgebaut. Einer der Hauptgründe für diese Entscheidung war der Einfluss der Digitalisierung auf den Plakatdruck. In großen Städten kommen anstelle von Plakatwänden heute teilweise schon neue Technologien wie großformatige LED-Bildschirme zum Einsatz. Im Gegensatz dazu sind Verpackungen und Etiketten durch digitale Medien nicht ersetzbar, da sie auch physische Funktionen zu erfüllen haben.
Druckform-Sleeves ermöglichen schnelle Jobwechsel an der Nilpeter MO-4. © Foto: Ehrlitzer
Druckform-Sleeves ermöglichen schnelle Jobwechsel an der Nilpeter MO-4.

Mit der Akquisition der Berliner Goetz + Müller GmbH wurde der Produktbereich Etiketten drei Jahre später um eine Druckerei erweitert, die auf dieses Segment spezialisiert ist. Sie brachte sehr viel Erfahrung mit hochwertig veredelten Etiketten, z.B. für Spirituosen, in die Firmengruppe ein. 2014 stieß schließlich die dritte Etikettendruckerei dazu, als Frank Ellerhold das Unternehmen Offset Ketels in Wees bei Glücksburg aus der Insolvenz heraus kaufte. Die klassische Bogendruckerei hatte zuvor Aufträge verloren, weil internationale Großkunden seit Jahren vermehrt auf Rollenhaftetiketten umstellen. Die spürbar wachsende Nachfrage nach selbstklebenden Etiketten veranlasste die Ellerhold-Gruppe, ebenfalls in dieses Produktsegment zu investieren.

Digitaldruck und Rollenoffset installiert

Dazu gehörte beispielsweise die Entscheidung, am Standort Zirndorf Haftetiketten ins Programm aufzunehmen. Mit der Installation einer Digitaldruckmaschine sowie entsprechender Technik für die Weiterverarbeitung erfolgte der Einstieg vor allem mit Kleinauflagen, z.B. für Weinetiketten. Aufgrund der bundesweiten Standorte ist der Vertrieb überregional organisiert. Auf diese Weise konnten neue Kunden gewonnen und wertvolle Erfahrungen mit der Fertigung von Haftetiketten gesammelt werden.
Den Einstieg in die Produktion von Haftetiketten vollzog die Firma Ellerhold mit der Installation eines Digitaldrucksystems. © Foto: Ehrlitzer
Den Einstieg in die Produktion von Haftetiketten vollzog die Firma Ellerhold mit der Installation eines Digitaldrucksystems.

Den nächsten großen Entwicklungssprung wagte das Unternehmen 2016 mit der Inbetriebnahme von zwei Kombinationsdruckmaschinen vom Typ Nilpeter MO-4 an den beiden Standorten Glücksburg und Zirndorf. Sie sind mit gleicher Technik ausgestattet. Der Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz des Offsetdrucks in Kombination mit anderen Verfahren sowie umfangreichen Veredelungsmöglichkeiten. Zu diesem Zweck verfügen die Maschinen über acht Druckstationen, von denen fünf auf dem Offsetverfahren basieren. Alle Druckwerke können wahlweise mit Flexo- bzw. Siebdruck bestückt werden. Für hochwertige Veredelungen sind jeweils zwei FP-4-Prägeeinheiten integriert. Alle gängigen Veredelungstechniken wie Folienprägen (heiß und kalt), Blindprägen oder Kaschierung sind möglich.

Eine Besonderheit ist die Ausstattung der Offsetrotationen mit einer Inline-Mess- und Regelanlage von Lithec. Das System, das der Firma Ellerhold aus dem Bogenoffsetdruck bekannt ist, kommt dabei erstmals an einer Nilpeter-Maschine zum Einsatz. Es soll zum einen die Makulaturquote niedrig halten, was im Hinblick auf den hohen Materialwert von manchen Haftverbunden eine wichtige Rolle spielt, und zum anderen auch die Mitarbeiter bei der Bedienung der Maschine unterstützen.

Geschäftsaufbau mit langem Atem
Aufgrund der bestehenden Kundenstruktur ist in Glücksburg die Auslastung mit entsprechenden Aufträgen schnell gestiegen. Von den dortigen Erfahrungen in der Anlaufphase profitieren auch die Zirndorfer Kollegen. Weil die Firmengruppe aus der Vergangenheit mit der Situation vertraut ist, sich schrittweise und möglichst langfristig in einem neuen Markt erfolgreich zu etablieren, räumt man sich auch in diesem Fall vergleichsweise viel Zeit zum kontinuierlichen Aufbau des neuen Geschäftsfeldes ein. Eindrucksvolles Beispiel ist die eigene Kartonfertigung, mit der die Firma Ellerhold 2004 schon einmal Neuland betrat. Inzwischen ist die Erzeugung und Bedruckung von offsetkaschierter Wellpappe für Displays und Verpackungen ein Geschäftszweig, der längst in der Gewinnzone angekommen ist und mittlerweile rund 11% zum Gruppenumsatz beiträgt.
Einteilige Mega-Lights sind eine Spezialität der Firma Ellerhold. © Foto: Ehrlitzer
Einteilige Mega-Lights sind eine Spezialität der Firma Ellerhold.

Die Etikettenproduktion um das Segment der Rollenhaftetiketten zu erweitern, stufen Stephan und Maximilian Ellerhold – die beiden Brüder bilden inzwischen den Vorstand der Ellerhold AG – als wichtiges Zukunftsprojekt ein. Ihren Schwerpunkt sehen sie dabei im Bereich der hochwertigen und vielfältig veredelten Etiketten, z.B. für den Getränkemarkt, insbesondere für Wein und Spirituosen.


Entscheidungsfindung in großer Runde
Welche Bedeutung das Projekt für die Unternehmensgruppe hat, ist am Weg der Entscheidungsfindung ablesbar. In einer großen Runde mit der Geschäfts- und Produktionsleitung der beiden Standorte Zirndorf und Glücksburg wurden die Vor- und Nachteile der seinerzeit vorliegenden Angebote verglichen. Obwohl bis dahin noch nie so viele Parteien innerhalb des Unternehmens in eine Entscheidung eingebunden waren, fiel die Wahl pro Nilpeter MO-4 einstimmig aus. Die Maschine bot für die speziellen Anforderungen an beiden Standorten das passende Gesamtkonzept.

Im Vorfeld der Entscheidung standen Demonstrationen bei drei in die engere Wahl gekommenen Druckmaschinenherstellern sowie mehrere Besuche bei Anwendern auf dem Programm. Das Augenmerk lag dabei vor allem auf wichtigen Kenndaten aus der Praxis wie Rüstzeiten mit Farb- und Druckformwechsel oder Auftragsdurchlaufzeiten. Bei allen wichtigen Kriterien hatte die Nilpeter-Technik die Nase vorn.
Über die Nilpeter GmbH wurden auch die Konfektioniersysteme der Firma Prati geliefert. © Foto: Ehrlitzer
Über die Nilpeter GmbH wurden auch die Konfektioniersysteme der Firma Prati geliefert.

Zusätzlich hatte Ellerhold den Maschinenanbietern äußerst knifflige Motive für Drucktests vorgelegt, um die Qualität der Offsetdruckwerke zu prüfen. Auch hierbei konnte der dänische Maschinenhersteller die Erwartungen erfüllen. Letztendlich gaben aber die verschiedenen Möglichkeiten im gesamten Bereich der Weiterverarbeitung den Ausschlag für Nilpeter. Dass die Nilpeter GmbH als deutsche Niederlassung und gleichzeitig auch Vertretung der Firma Prati am Ende auch noch die Umspul- und Konfektioniersysteme des italienischen Herstellers geliefert hat, war für beiden Seiten ein willkommener Bonus.









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