Für noch besseren Schutz von Lebensmitteln
Interview mit Thomas Kratochwill von Sappi Packaging & Speciality Papers

09.03.2017 Kürzlich hatten wir die Gelegenheit, ein Gespräch mit Thomas Kratochwill, Director Sales& Marketing bei Sappi Packaging & Speciality Papers, zu führen, um mehr über die neue Strategie von Sappi zu erfahren.

Thomas Kratochwill, Director Sales & Marketing, Sappi Packaging & Speciality Papers
© Foto: Sappi Packaging & Speciality Papers
Thomas Kratochwill, Director Sales & Marketing, Sappi Packaging & Speciality Papers

Die Interviewfragen im Überblick

01. Veränderungen in Alfelder Papierfabrik
02. Wahrnehmung im Markt
03. Bedeutung nachhaltiger Partnerschaft
04. Ziele von Sappi
05. Export außerhalb Europas
06. Primärfasern für die Welt
07. Lösungen oder Produkte verkaufen

01. PackReport: In der Alfelder Papierfabrik wurden über die letzten Jahre wesentliche Änderungen vorgenommen. Wie sehen diese aus?

Kratochwill: In der Tat! 2013 haben wir die Papiermaschine PM 2 im Rahmen eines 60 Mio. €-Projekts komplett umgebaut. Das Ziel bestand darin, das Werk zur Unterstützung unserer Expansion im Verpackungs- und Spezialpapiergeschäft vorzubereiten. Inzwischen produzieren wir bei Sappi Alfeld zu 100 % Spezialpapiere und Karton. Zur weiteren Qualitätsverbesserung haben wir in den vergangenen zwei Jahren weitere millionenschwere Investitionen getätigt. Vor allem haben wir Sappi Alfeld als Kompetenz-Zentrum für Spezialpapiere und Karton etabliert. Aber auch in anderen europäischen Sappi Papierfabriken haben wir mit der Produktion von Spezialpapieren und Karton begonnen. Im Maastrichter Werk wird der Faltschachtelkarton (GC1) atelier hergestellt, während in Ehingen nun auch unser Topliner Fusion produziert wird. Dieser Expansionsprozess von Spezialpapier und Karton auf andere Sappi Papierfabriken in Europa ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Produktionsstandorte für Verpackungen und Spezialpapiere befinden sich in Somerset (USA), Tugela und Ngodwana (beide in Südafrika). Diese Produktionsstätten unterstützen unseren globalen Geschäftsansatz und unterstreichen unsere Wachstumsziele in diesem Bereich.

02. PackReport: Wie möchten Sie als Unternehmen im Markt wahrgenommen werden?

Kratochwill: Unsere Strategie basiert auf vier Säulen, die zusammen genommen unsere Unternehmenskultur maßgeblich prägen. Erstens möchten wir ein nachhaltiger Geschäftspartner und Anbieter von erstklassigen Produkten und Dienstleistungen sein. Zweitens möchten wir ein innovatives Verpackungsunternehmen sein, das nicht nur als Substratanbieter wahrgenommen wird. Drittens haben wir ein hervorragendes Endkunden-Netzwerk, das unsere Strategien für die Produktentwicklung vorantreibt und für wachsende Umsätze sorgt. Und viertens sind wir ein strategischer Allianzpartner, der weltweit vertreten ist und über die entsprechende Größe verfügt, um in unserer Industrie etwas zu bewirken.

03. PackReport: Könnten Sie erklären, was Sie unter einem nachhaltigen Partner verstehen?

Kratochwill: Als expandierender, auf vielen Kontinenten vertretener, internationaler Hersteller von Zellstoff und Papier sind wir ein finanzstarkes, nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen und haben uns dem Geschäft mit Spezialpapieren und Karton verschrieben. Wir achten sehr auf unsere Ressourcen und Recyclingprozesse. Wir betrachten uns selbst als strategischer Partner, der Innovationen vorantreibt. Unsere Techniker sind hochqualifizierte Experten auf ihrem Gebiet und verfügen über ein enormes Fach- und Praxiswissen, das wir an zukünftige Generationen weitergeben möchten.

04. PackReport: Könnten Sie Ihre Ziele noch ein wenig näher erläutern?

Kratochwill: Zu den treibenden Kräften im Verpackungsmarkt gehört zweifellos der Kostendruck. Bei der Entwicklung neuer Papiersorten liegt der Schwerpunkt zunehmend auf der Suche nach Lösungen zur Verringerung der Verpackungskosten, ohne dabei den Schutz des verpackten Produkts auf das Spiel zu setzen. Diese Ausrichtung basiert auf den Anforderungen des Marktes. Marktstudien bestätigen dies, wie etwa eine Befragung 2012 auf der EasyFairs mit Vertretern aus der Verpackungsindustrie zeigt. Die Forderung nach Kostensenkung ist dicht gefolgt von dem Wunsch nach Erhöhung der Markenattraktivität und der Umweltfreundlichkeit. Ein wesentlicher Faktor, insbesondere für Lebensmittelverpackungen, ist die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit und Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

Wir möchten jedes Jahr mindestens zwei innovative Verpackungspapiere auf den Markt bringen. Die Voraussetzung hierfür ist die über dreißigjährige Erfahrung in der Herstellung von Papier und Coatings und dem damit verbundenen einzigartigen Expertenwissen. Unsere Ingenieure und Anwendungsspezialisten arbeiten eng mit unseren Kunden und vielen strategischen Partnern zusammen, um Lösungen für optimale Spezialpapiere und Beschichtungen für einen sich ständig ändernden Wachstumsmarkt zu entwickeln. Um unsere Ziele zu erreichen, kooperieren wir mit Experten und Partnern aus anderen Bereichen.
Das Werk in Alfeld ist Sappi’s Kompetenzzentrum für gestrichene und ungestrichene Spezialpapiere und Verpackungen. © Foto: Sappi Packaging & Speciality Papers
Das Werk in Alfeld ist Sappi’s Kompetenzzentrum für gestrichene und ungestrichene Spezialpapiere und Verpackungen.

Im Vergleich zu Kunststofffolien hat der Werkstoff Papier nach wie vor die höchste Recyclingquote. Die fortlaufenden Entwicklungen bei Sappi zielen darauf ab, die Funktionalität von Papier – wie etwa ein noch besserer Schutz von Lebensmitteln – zu erhöhen, um den Kunststoffanteil bei Verpackungen langfristig gesehen zu verringern. Die neu entwickelten Materialien sollen nicht nur Kostenvorteile gegenüber den derzeit verwendeten mehrlagigen Verbundverpackungen bieten, sondern auch erhebliche Vorteile in puncto Umweltfreundlichkeit und Markenimage.
Eine weitere Entwicklung ist die Nanozellulose. Anfang März 2015 hat Sappi den Startschuss für ein Pilotprojekt zur Herstellung von Nanozellulose am Brightlands Chemelot Campus in den Niederlanden gegeben. Es wird unter anderem untersucht, welches Potential Nanofasern mit sich bringen, um Papier und Karton noch höhere Festigkeiten zu verleihen und damit Flächengewichte weiter reduzieren zu können.

05. PackReport: Werden die Produkte der Alfelder Papierfabrik auch außerhalb Europas genutzt?

Kratochwill: Ja. Durch unsere Kapazitätssteigerung in Alfeld, die Produktionserweiterung in den Werken in Maastricht und Ehingen und die Optimierung unserer globalen logistischen Prozesse können wir Kunden in Amerika, Asien und anderen Teilen der Welt fristgerecht beliefern. Vor allem die Märkte in den USA und in Indien sind sehr interessant für uns, denn dort suchen die Unternehmen nach nachhaltigen Partnern und Anbietern von Produkten mit konstant hoher Qualität. Dank unserer internationalen Infrastruktur sind wir bestens in der Lage, unser Angebot auf diese Märkte zu erweitern.

06. PackReport: Historisch gesehen hat sich Sappi auf Produkte aus Primärfasern konzentriert. Wie lässt sich das aus Ihrer Sicht in anderen Teilen der Welt umsetzen?

Kratochwill: Aus unserer Sicht wird Sappi zu einem wichtigen Treiber, damit Verpackungen auf Primärfaserbasis an Boden gewinnen. Mit Algro Nature haben wir beispielsweise eine Verpackungslösung entwickelt, die auf erneuerbaren, recycelten und heimkompostierbaren Materialien basiert. Gemeinsam mit unserem Entwicklungspartner Innovia Films haben wir diese Lösung heimkompostierbare Verpackungen präsentiert. In Indien, einem Land mit einer enorm hohen Rate an Kunststoffabfällen, müssen zukünftig amtliche Bestrebungen umgesetzt werden, recyclingfähige Verpackungen und/oder Verpackungen aus Alternativmaterialien wie Papier durchzusetzen. Sappi arbeitet gerade in einem Projekt mit einem führenden Markenartikel-Hersteller von Lebensmitteln an der Umstellung seiner Verpackungen auf das biologisch abbaubare Konzept auf Basis von Algro Nature/NatureFlex.

07. PackReport: In der Fachliteratur wird viel über den Verkauf von Lösungen gegenüber dem Verkauf von Produkten diskutiert. Ist das etwas, dass Sie mit allen Neuentwicklungen bei Sappi Europe in Erwägung gezogen haben?

Kratochwill: Absolut. Unser Ziel besteht darin, Verpackungslösungen schon in der Konzeptphase zusammen mit Markenartikler-Herstellern zu entwickeln. Wir möchten uns nicht als reiner Papieranbieter präsentieren. Ganz gezielt möchten wir intelligente Lösungen für Verpackungen mit noch geringerem Flächengewicht für verschiedene Kundenmärkte anbieten. Wir können Markenartikel-Hersteller bei der Umstellung auf nachhaltige Lösungen mit erneuerbaren und kompostierbaren Materialien unterstützen, die sich noch leichter recyceln und entsorgen lassen. Dadurch wird der Übergang zu offeneren Formaten erleichtert, die für den Verbraucher noch attraktiver sind. Dies trägt dazu bei, die Umweltbelastung durch die Reduzierung von Plastikmüll zu verringern.

PackReport: Herr Kratochwill, vielen Dank für das Interview.

Das komplette Interview mit weiteren Fragen an Thomas Kratochwill finden Sie in der Ausgabe 12/2016 von PackReport.

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