Interview
„Wir sehen einen klaren Trend hin zu einer höheren Belastung von Verpackungen“

13.03.2020 Öl, Joghurt oder Dressings – wenn es nach Björn Kulmann, Director Global Sustainability bei der Ball Corporation, können alle diese Dinge zukünftig auch in Metallverpackungen im Regal stehen. Im Interview mit dem Packreport spricht Kulmann über die neue Metallflasche des Konzerns, wie Verbraucher das Thema Nachhaltigkeit honorieren und warum der Preis alleine nicht mehr über allem steht.

Björn Kulmann, Director Global Sustainability bei der Ball Corporation
© Foto: Ball
Björn Kulmann, Director Global Sustainability bei der Ball Corporation
Packreport: Herr Kulmann, eine Flasche aus Metall, das klingt ja im ersten Moment nicht sehr neu.
Björn Kulmann (Director Global Sustainability Ball Corporation): „Wir hatten schon früher eine Flasche im Portfolio, die im Fließpressverfahren hergestellt wurde. Allerdings haben wir jetzt ein ganzes Sortiment an Flaschen: die neue Infinity-Bottle. Verschiedene Verschlüsse, verschiedene Designs, verschiedene Formen und Größen – wir bieten jetzt eine größere Bandbreite an und entsprechen damit den Kundenwünschen. Das ist die Neuheit.“

Wie kam es denn dazu?
BK: „Wir haben aktuell eine sehr heiß geführte Diskussion um Plastikabfälle und was damit passiert. Der Endverbraucher ist informierter als je zuvor und wünscht sich eine Alternative zu Plastik. Er legt Wert darauf, dass die Verpackung nachhaltig, attraktiv und praktisch ist, und eine hervorragende Produktqualität garantiert. Vor diesem Hintergrund haben viele unserer Kunden in den vergangenen zwölf Monaten bei uns angefragt, ob wir nicht helfen könnten, eine Verpackung aus Metall herzustellen, die auch für andere Dinge als Getränke- und Aerosoledosen nutzbar sein könnte. Das war für uns der Anstoß: Warum nicht auch mal Seifen, Shampoos oder Dressings in Aluminium verpacken?“

Wo käme die Flasche denn prototypisch zum Einsatz?
BK: „Wir sind derzeit mit diversen Kunden im Gespräch. Im Moment ist es sehr wahrscheinlich, dass die Flasche zuerst im Segment Körperpflege – im Übrigen noch im laufenden Kalenderjahr – im Regal zu finden sein wird. Aber wir diskutieren auch über Lebensmittelprodukte, denken Sie etwa an Öl, Joghurt oder Dressings.“

Ist die Recyclelbarkeit aus Ihrer Sicht ein schlagendes Argument bei den Verbrauchern?
BK:  „Ich denke schon, dass dies immer mehr Beachtung findet. Das diesbezügliche Bewusstsein seitens der Konsumenten wächst. Ich würde sogar sagen, dass diese Wahrnehmung sich gerade essenziell wandelt. Deshalb sind Metalle, die vollständig und immer wieder recyclebar sind, auch den Menschen leichter näherzubringen. Wir versuchen dementsprechend, proaktiv stärker den Verbraucher auf die positiven Eigenschaften von Aluminium aufmerksam zu machen.“

Sehen Sie die Verpackungsbranche insgesamt gut vorbereitet auch diese sich verändernden Schwerpunkte?
BK: „Jein. Für viele Fragen gibt es bereits gute Antworten. Aber in vielen Bereichen eben auch nicht. Denken Sie nur an den Aspekt, wie wir es schaffen, die Wertstoffe im Kreislauf zu halten. Da muss noch viel passieren. Wie so oft gelten hier auch ökonomische Gesetzmäßigkeiten: Ist es überhaupt finanziell sinnvoll, ein bestimmtes Material zu sammeln, zu sortieren und dann wiederzuverwerten? Wir bei Ball vertreten die Ansicht, dass wir die Recyclingraten für Aluminiumverpackungen maximieren müssen. Denn dann kann Aluminium wieder und wieder eingesetzt werden und der ökologische Fußabdruck wird minimiert. An diesem Punkt greifen wir an.“
 © Foto: Ball

Nun hatte die Metallverpackung, insbesondere die Getränkedose, ja über Jahrzehnte hinweg in Deutschland keinen leichten Stand. Sehen Sie da einen Imagewechsel?
BK: „Auf jeden Fall. Da spielen verschiedene Aspekte mit rein. Das Image von Metallverpackungen ist in Deutschland sicherlich ein anderes als in vielen anderen Teilen der Welt. Das war zum Teil politisch so gewollt, weil das deutsche Mehrwegsystem im Getränkebereich bis zum heutigen Tag unterstützt werden soll. Allerdings: Durch die Gesetzgebung sind die Recyclingraten für Einwegverpackungen massiv hoch gegangen. Das Umweltprofil der Dose wurde mehr und mehr geschärft. Wir als Hersteller haben unsere Produkte immer leichter gemacht, haben unsere Prozesse effizienter gestaltet, erneuerbare Energien eingesetzt und so massive Verbesserungen erreicht. Das sind Dinge, an denen der Verbraucher heute interessiert ist und eine differenziertere Sicht als nur schwarz und weiß zulässt. Wir vernehmen da sehr positive Signale.“

Stimmt die Gleichung: mehr Nachhaltigkeit = höhere Kosten?
BK: „Spannende Frage. Historisch gesehen ging es häufig darum, welches Material im Einkauf billiger ist: Plastik, Glas oder Aluminium. Das wandelt sich gerade insofern, als dass der Fokus nicht mehr nur auf den Preis gelegt wird, sondern auf die gesamten Kosten von der Wiege bis zur Bahre. Hier spielt das Produktdesign eine zentrale Rolle, denn wir sehen einen klaren Trend hin zu einer höheren Belastung von Verpackungen, die in der Realität nur schwer oder gar nicht zu recyceln sind. Verpackungen aus Aluminium, wie unsere Infinity-Bottle oder auch unsere Getränkedose, die aus einem Material gefertigt, leicht zu sortieren und vollständig zu recyceln sind, werden hingegen finanziell entlastet.“
stats