Österreich
„Es droht ein Recyclingkollaps“

18.11.2020 Die ÖPG Pfandsystemgesellschaft warnt vor massiven Folgen, sollte sich die Politik gegen ein Pfandsystem auf Einweggetränkeverpackungen entscheiden.

Streitobjekt: ein Rücknahmeautomat für PET-Getränkeflaschen.
© Foto: imago images / Pius Koller
Streitobjekt: ein Rücknahmeautomat für PET-Getränkeflaschen.

„Ohne Pfand droht uns bald ein Recyclingkollaps“, warnt ÖPG-Geschäftsführer Christian Abl. Die heimischen Sortieranlagen für Kunststoffverpackungen seien bereits jetzt am Limit. Ein Einweg-Pfandsystem könne hier – auch mit Hilfe der Digitalisierung – deutliche Entlastungen bringen und vor allem dazu beitragen, alle Kunststoffverpackungen sortenrein einem Recycling zuzuführen.

Ohne ein Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen droht Österreich laut ÖPG ein Recyclingkollaps. „PET-Getränkeflaschen verstopfen bereits jetzt den gelben Sack und die gelbe Tonne und machen das bestehende Sammelsystem teuer und unbrauchbar für alle anderen Kunststoffverpackungen“", sagt Christian Abl, Geschäftsführer der ÖPG Pfandsystemgesellschaft. „Infolge akuter Engpässe in den heimischen Sortieranlagen für Kunststoffverpackungen planen große Betreiber der Sammel- und Verwertungsbranche in Österreich, Recyclingstoff nach Osteuropa in technisch unausgereifte Anlagen zu exportieren. Schon 2021 werden es rund 8.000 Tonnen sein. Mit der Fortführung des jetzigen Sammel- und Recyclingsystems wird ein Recyclingkollaps unabwendbar“, warnt Abl. Bereits 2019 haben die Österreicherinnen und Österreicher rund 160.000 Tonnen Leichtverpackungen gesammelt – mehr als die Hälfte des Volumens entfiel dabei auf Getränkeverpackungen. Die bestehende Kapazität der österreichischen Sortieranlagen lag gleichzeitig unter diesem Wert, heißt es.

Ein Pfandsystem auf Einweggetränkeverpackungen ziehe hingegen die Kunststoffgetränkeverpackungen aus dem allgemeinen Stoffstrom der heimischen Sortieranlagen. „Auf diese Weise wird es möglich, nicht nur PET-Flaschen, sondern auch große Mengen der Flaschen und Dosen sortenrein zu recyclen – auch Zahnpasta-Tuben und Shampoo-Flaschen. Nur, wenn wir alle Verpackungen aus Kunststoff recyceln, werden wir die EU-Recyclingquoten rechtzeitig und ohne Strafzahlungen in Millionenhöhe erreichen können“, sagt Christian Abl. Österreich muss bis 2025 die EU-Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen von derzeit 25 auf 50 Prozent erhöhen.

Pfand: „Kleine Händler profitieren von Digitalisierung“

Die Sammlung und das Recycling von Kunststoffverpackungen muss sich laut ÖPG Pfandsystemgesellschaft zukünftig auf die zahlreichen Vorteile der Digitalisierung stützen. Dazu existierten bereits innovative Ansätze wie die kürzlich vorgestellte „Recycle mich!“-App von Reclay und Coca-Cola, die ab 2021 für alle PET-Flaschen von Coca-Cola gilt und das richtige Recyceln belohnt. Solche innovativen Ansätze seien insbesondere für kleine Händler willkommen: „Ein modernes Einweg-Pfandsystem ist stark digitalgetrieben. Für kleine Händler bietet sich hier beispielsweise die Möglichkeit, die zurückgenommenen PET-Flaschen und Aludosen ebenfalls mit einer App einzuscannen und zu entwerten", betont Abl.

Die Erfahrungen aus anderen Ländern wie Deutschland mit einem Einweg-Pfandsystem zeigten, dass die kleinen Geschäfte durch Pfand die Kundenfrequenz sogar erhöhen konnten. Die Einführung eines Einweg-Pfandsystems unterstütze dort laut ÖPG außerdem auch die Mehrweg-Sammelquoten, denn die Konsumenten bringen in diesem Fall auch Mehrweg-Gebinde vermehrt zurück.


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