Dekoration mit Kaltfolien
Neue Markenwelten schaffen

06.12.2018 Es leuchtet und glitzert. Mond und Sterne strahlen golden aus nachtblauem Himmel dem Betrachter entgegen. So anmutig war die „Sternenzauber“-Faltschachtel der Confiserie Heilemann. Sie erinnern sich bestimmt an diese preiswürdige Verpackung aus dem Jahr 2012.

Überdruckte holografische Kaltfolie, Design: Light Line SB Aquadrops
© Foto: Kurz
Überdruckte holografische Kaltfolie, Design: Light Line SB Aquadrops

Die Veredelung erfolgte mit Goldfarben überdruckter Silber-Kaltfolie und wurde auch für Lebensmittel – unter allen Aspekten der Sicherheit – nutzbar. Nun, der „Sternenzauber“ verging, die Kaltfoliendekoration aber blieb, wie Sie wunderbar an unserem Packreport-Umschlag erkennen können.

Jede Marke repräsentiert ihre eigene Erlebniswelt, die Bilder und Erwartungshaltungen beim Konsumenten auslösen. Hierdurch ergibt sich eine hohe Widererkennung. Zusätzlich wird beim Erscheinungsbild einer Marke die emotionale Ansprache immer wichtiger - durch Optik und Haptik erfolgt die Kommunikation über alle Sinne, es wird Lust auf den Inhalt geweckt. An dieser Stelle bietet die Veredelung von Verpackungsmaterialien viele Möglichkeiten, um sich am POS deutlicher abzuheben.

Die Veredelung selber bietet eine riesige Bandbreite an Verfahren, um Druckprodukte richtig in Szene zu setzen, z.B. durch metallische Effekte beim Prägefoliendruck, metallisierte Folienkaschierung, Relief- und Blindprägungen, flächige und partielle UV-Lackierungen sowie Matt- und Glanzfolienkaschierungen. Immer häufiger sind auch Kombinationen von metallisierten Oberflächen mit anschließender Überdruckung gefragt. Hier ergeben sich neue ausdrucksstarke Effekte.

„Neben der schon lange eingesetzten Kombination von partiellem Prägefoliendruck und Offline-Überdruckung hat sich der Kaltfolientransfer in den letzten Jahren durch maschinentechnische Entwicklungen der Druckmaschinenhersteller und Verbesserungen in der Kleber- und Folienentwicklung zu einer innovativen und ernsthaften Ergänzung der Druckveredelungsmöglichkeiten weiterentwickelt“, so Marco Hanisch, Head of Global Business Develoment von Leonhard Kurz in Fürth. Beim Kaltfolientransfer wird im Gegensatz zum Prägefoliendruck (Heißfolienprägung) zuerst ein Kleber über ein Druckwerk partiell aufgetragen, der im folgenden Folienwerk bei Raumtemperatur die Transferschicht vom Folienträger ablöst. Hier liegen die besonderen Stärken des Verfahrens in der partiellen Übertragung von Metallisierung, mit Feinheiten bis zu Rasterverläufen und der passgenauen Überdruckungsmöglichkeit besonders im Inline-Verfahren.

Die Vorteile der Kaltfoliendekoration machen es deutlich. Hanisch: „ Unsere Kaltfolien bieten eine große Farbenvielfalt an Metallictönen durch 4C Inline-Überdruckung. Die Kombination von partieller Metallisierung mit Überdruckung auf dem Papierweiß führt zu einer hoher Brillanz und guten Farbkontrasten. Das ermöglichen andere Veredelungsverfahren in der Regel nicht. Neue Gestaltungsdimensionen sind durch Darstellung feinster Bilddetails und Rasterverläufe nun möglich. Beim Inline-Verfahren - in einem Greiferschluss - ist ein genauer Passer zwischen Kaltfolie und Druckbild garantiert. „Oftmals ebenfalls wichtig: Eine Materialverformung der Rückseite entfällt verfahrensbedingt“, so Hanisch.

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Die Übertragung erfolgt in der Regel mit einer Druckplatte, die auch noch kurzfristige Änderungen mit geringerem Aufwand erlaubt. Verfahrensbedingt sind die Rüstzeiten kürzer und die erzielbaren Fortdruckleistungen höher als im konventionellen Prägefoliendruck.

Mit der entsprechenden Erfahrung können bereits im Vorfeld geeignete Motive ausgewählt und gestaltungs- und drucktechnisch optimiert werden, um bisher nicht umsetzbare Effekte zu erzielen.

Hanisch: „Dennoch gilt immer, die Vorteile des Prägefoliendrucks mit den Vorteilen der Kaltfoliendekoration abzuwägen. Denn verfahrensbedingt ist der Glanz eines Prägefoliendrucks immer noch um einiges brillanter und prägnanter.  Durch Ätz- und Gravurtechniken lassen sich zudem Struktur- oder Reliefwerkzeuge einsetzen, mit denen eine gleichzeitige Folienübertragung und Oberflächenverformung für haptische Effekte erzielt werden kann.“

Die Kombination von partieller Metallisierung mit Überdruckung auf dem Papierweiß führt zu einer hoher Brillanz und guten Farbkontrasten © Foto: Kurz
Die Kombination von partieller Metallisierung mit Überdruckung auf dem Papierweiß führt zu einer hoher Brillanz und guten Farbkontrasten

Doch die Entwicklung der Kaltfoliendekoration steht nicht still. Bereits 2014 wurde eine besondere Kaltfolie von Kurz für eine Designbox des italienischen Druck- und Verlagshauses Tipografia Valdostana eingesetzt. Die Faltschachtel enthält Musterverpackungen, folienveredelte Notizblöcke sowie Broschüren mit Farbtabellen, Anwendungshinweisen und zahlreichen Beispielen anspruchsvoller Kaltfoliendesigns. Ergänzt wird die Sammlung durch effektvolle Kompositionen mit holografischen Designs, die die italienische Kurz-Vertretung Luxoro für eine Anzeigenkampagne eingesetzt hatte. Hierfür wurde Karton partiell mit silberfarbenen diffraktiven Kaltfolien aus dem Light-Line-Programm von Kurz belegt und danach mit Spektralfarben unterschiedlicher Transparenzen überdruckt. Die diffraktiven Folien erzeugen eine Lichtbrechung, aus der changierende Lichtreflexe und schillernde, prismatische Farben entstehen. Durch die unterschiedlich transparenten Überdruckfarben werden die holografischen Effekte in variierender Intensität sichtbar. Aus der Kombination von spektralen Druckfarben und holografischer Kaltfolie ergibt sich ein Zusammenspiel statischer und dynamischer Farbeffekte. Hier zeigt sich eine spezielle Stärke der Kaltfolienveredelung: Sie bietet einen besonders großen Gestaltungsspielraum, weil der Farbdruck auf vielfältigste Weise mit metallisierten und holografischen Designs verknüpft werden kann.

2016 brachten Absolut Vodka für ihren Premiumwodka Absolut Elyx ein besonderes Geschenkset auf den Markt, äußerst attraktiv verpackt. Für die Range wurde eine limitierte Version des Geschenksets entwickelt, „The Elyx Pinapple“. Blickfang des Sets ist eine „Kupferananas“, die sich in ein stylisches Cocktailglas verwandeln kann. Ein Cocktail-Büchlein inspiriert zum Ausprobieren neuer Kreationen, die klassische Absolut-Flasche ist im edlen Kupfer-Design gehalten. Die hochwertige Bezugskartonage mit Hybridlackierung, UV-Glanzlack und matter Kaltfolie in Silber, die Kupfer-Pantonefarbe und eine Blindprägung unterstreichen die Hochwertigkeit der limitierten Edition.

 © Foto: Kurz

Die Kaltfolientechnik bietet die Möglichkeit, neben Papieren und Kartonagen auch hitzeempfindliche Materialien mit partieller Metalloptik zu versehen.  Meist sind dies Kunststoffe wie PE, PP oder PET. Dekorieren lassen sich quasi alle gängigen Kunststoffmaterialien für Selbstklebeetiketten und sogar flexible Verpackungen. Ein gutes Beispiel ist die 250 ml Laminattube für L’Oreal Ever Riche. Sie ist mit einer holographischen Kaltfolie und bis zu 8-Farben im  Flexodruck bedruckt und wurde/wird von Essel Deutschland hergestellt. Um Shampoo und Conditioner optisch zu unterscheiden, sind die Shampoo-Tuben durchgängig goldfarben gehalten. Die Conditioner-Tuben verfügen über einen weißen stufenlosen Verlauf von der Mitte der Tuben an, dazu kommen farbige Schultern und transparente Verschlusskappen. Die bedruckte Naht bringt eine erhöhte Barrierefunktion und rundet mit dem 360° Print Design den hervorragenden Gesamtauftritt ab.

Sogar Inmould Labeling ist möglich. Das Dekor wird auf eine Folie übertragen, danach werden aus der Folienrolle Etiketten ausgestanzt, im Spritzgusswerkzeug fixiert und mit Kunststoff hinterspritzt. Dabei geht das Etikett mit dem Substrat einen festen Verbund ein.

Markenartikelindustrie und Handel hatten früher oftmals  Bedenken über die Nachhaltigkeit und die Recyclingfähigkeit mit Kaltfolien dekorierten Verpackungen – insbesondere mit Faltschachteln. Doch Bereits 2008 war der Pira-International-Report „Repulpability of foil-decorated paper“ erschienen, der folienveredeltem Papier eine gute Recyclebarkeit bescheinigt. Ein neuer Test der INGEDE  (International Association of the Deinking Industry) bestätigt das Ergebnis dieses Reports.  Dazu Hanisch: „Die INGEDE hat Ende letzten Jahres die einwandfreie Deinkbarkeit einer Kaltfolie aus unserem Programm bestätigt. Die von uns bei der Forschungsgemeinschaft eingereichte Veredelungsfolie bestand den Deinking-Test mit 100 von 100 möglichen Punkten. Der Deinking-Prozess führte bei dem Druckerzeugnis zu maximaler Druckfarbenentfernung und Helligkeit. Es wurde eine bestmögliche optische Güte erzielt, wodurch sich der deinkte Karton problemlos wiederverwerten lässt.“

Bei der Kaltfolienveredelung des Druckmusters waren UV-härtende Kleber eingesetzt worden. Überdies war die Kaltfolie mit UV-Farben überdruckt worden. „Das Deinking in Verbindung mit UV-Systemen ist nach Erfahrungen der INGEDE besonders schwierig“, so Hanisch, „unsere Kaltfolie hat den Test also unter sehr anspruchsvollen Bedingungen bestanden. Natürlich gilt das Testergebnis nur für eine konkrete Veredelungsfolie und die dabei verwendeten Materialien. Aus dem hervorragenden Resultat lässt sich aber folgern, dass weitere Tests mit unseren verschiedenen Heißpräge- und Kaltfolien aller Voraussicht nach ebenso erfolgreich verlaufen werden.“

Fazit: Eine Entscheidung für die „richtige“ Veredelungsvariante kann nicht grundsätzlich vorab getroffen werden. Es zeigt sich jedoch, dass bei Abwägung der wechselnden Parameter wie Druck- und Veredelungsmotiv, gewünschter Effekt, Materialwunsch, Einsatzzweck, Auflage, Prägegröße, Format und Bogeneinteilung für das jeweilige Einzelprojekt eine optimale produktionstechnische, wirtschaftliche und letztendlich optische Lösung definiert werden kann. Und hier hat die Kaltfoliendekoration ihren festen Platz.

Schon in der Gestaltungsphase ist eine enge Zusammenarbeit des Veredlers gemeinsam mit der Druckerei und der Agentur notwendig, um für den Kunden eine individuell stimmige Lösung zu entwickeln. Dieser Abstimmungsprozess wird durch eine Musterserie unter Produktionsbedingungen begleitet, um ein optimales Ergebnis zu erzielen - so wird Marke zu einem einzigartigen Erlebnis.


Erschienen in packMITTEL Nr. 7/2018

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