Bedarf an Haftetiketten wächst
Verschärfte Kostensituation durch Rohstoffengpässe

22.01.2018 Der Markt für Haftetiketten verzeichnet seit Jahren ein stetiges Wachstum. In Europa lagen die Zuwachsraten in den letzten fünf Jahren durchschnittlich im Bereich von 5 %. Das belegen die Verbrauchszahlen für Haftmaterial, die vom internationalen Verband Finat regelmäßig ermittelt werden.

© Foto: VskE
In dieser Zeit konnten selbst vergleichsweise gesättigte Märkte wie Deutschland, Österreich und die Schweiz ein Wachstum realisieren, das deutlich über dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag. Erfolgreiche Wachstumssegmente mit großem Volumen sind beispielsweise Etiketten für Konsumgüter mit gestrichenen Papieren als Obermaterial, Thermodirekt-Etiketten für den Online-Handel und die Logistik-Branche sowie Folienetiketten für die Produktdekoration, insbesondere auf der Basis von Polypropylen für Anwendungen mit dem so genannten No-Label-Look.

Gute Konjunkturaussichten für 2018

Für 2018 melden nahezu alle Wirtschaftsinstitute weiterhin sehr gute Konjunkturaussichten. Der private Konsum, der einen wesentlichen Einfluss auf den Bedarf von Haftetiketten hat, wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin von der nach wie vor positiven Arbeitsmarktentwicklung profitieren. Gleichzeitig veranschlagt das ifo Institut für das Jahr 2017 einen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts von 2,3 %. Für das laufende Jahr erwarten die Münchner Experten ein BIP-Wachstum von 2,6 % und für das Jahr 2019 immer noch starke 2,1 %.

Der Online-Handel heizt den Bedarf nach Etiketten an

Übertroffen werden diese Zahlen Jahr für Jahr von den oft zweistelligen Zuwächsen im Online-Handel, die den Bedarf an Haftetiketten besonders anheizen. An dieser Stelle beginnt sich die Kehrseite der hohen Nachfrage abzuzeichnen. Der KEP-Markt (Kurier, Express, Pakete) erlebt dadurch einen Boom, bringt gleichzeitig jedoch die Kapazitäten des Verkehrssektors an seine Grenzen. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) verweist darauf, dass der kontinuierliche Anstieg von Ladungsmengen auf ein eher stagnierendes Arbeitskräfteangebot trifft, was spürbare Auswirkungen auf Lieferprozesse hat. Das führt aktuell zu ungewohnten Verzögerungen in der Logistik und bleibt nicht ohne Konsequenzen für das Kosten- und Preisniveau in den Logistikmärkten.

Hohe Zellstoffpreise als großer Kostentreiber

Noch deutlicher als die Frachtsituation nimmt jedoch die angespannte Situation bei verschiedenen Rohstoffen derzeit Einfluss auf die Lieferkette der Etikettenindustrie. Ein großer Kostentreiber auf dem Papiersektor sind aktuell die Zellstoffpreise. Weltweit haben im vergangenen Jahr alle namhaften Produzenten ihren Preis pro Tonne zum Teil sogar mehrmals angehoben. Gleichzeitig kam es auf dem Markt aufgrund der hohen Nachfrage bei bestimmten Zellstoffqualitäten zu einer Verknappung. Die höheren Marktpreise für Obermaterialien auf Papierbasis sowie Papierträger sind logischerweise nicht ohne Folgen für die Etikettenbranche geblieben. Auch andere Marktsegmente der Verpackungsindustrie sehen sich mit drastisch steigenden Rohmaterialkosten konfrontiert. So verweist der Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI) beispielsweise neben den hohen Preisen für Zellstoff auch weitere Rohstoffe wie Stärke und Titandioxid, die sich in einem gleichzeitigen Kostenzuwachs bei Klebstoffen sowie Druckfarben und Lacken niederschlagen. Speziell die Preise für Hotmelt-Komponenten sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr im zweistelligen Bereich gestiegen. Höchststände haben im Herbst 2017 auch die Preise für Pigmente und Lösemittel erreicht, wie der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) meldet. Demnach seien Lösemittel um rund 15 % teurer geworden und der Preis für Titandioxid seit Sommer 2016 sogar um knapp 40 % gestiegen.

Starker Kostenanstieg bei Thermodirektpapier
Ein besonders starker Kostenanstieg ist zudem bei Thermodirektpapier zu beobachten. Eine der Hauptursachen dafür ist die globale Marktsituation bei Leukofarbstoffen, einem wichtigen Bestandteil für Thermo- und Selbstdurchschreibpapiere. Der überwiegende Teil der weltweiten Produktionskapazitäten konzentriert sich auf vier chinesische Hersteller. Bei zwei dieser Unternehmen wurde die Produktion auf behördliche Veranlassung in den letzten Monaten über längere Zeiträume stillgelegt.

Preisanpassungen in einer Größenordnung von bis zum 8%
Vor diesem Hintergrund haben sämtliche Lieferanten von Haftverbunden ihre Kunden seit Mitte 2017 über signifikante Preisanpassungen in einer Größenordnung von bis zu 8 % informiert. Dies ist auch deutlich sichtbar im Materialkostenindex (abgekürzt Maki) ablesbar, den der Verband der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnconverter e.V. (VskE) vierteljährlich mittels einer Online-Umfrage zur Entwicklung der Kosten im jeweils zurückliegenden Quartal unter seinen Mitgliedern ermittelt. Seit Anfang 2015 ist der VskE-Maki öffentlich zugänglich. In dieser Zeit wies die dort dokumentierte Entwicklung für acht typische Beispiele von Materialkombinationen sowie für Druckfarben und Energie stets moderate Veränderungen auf. Beginnend im ersten Quartal 2017 war erstmals mehr Bewegung als üblich zu beobachten, und im zweiten Quartal zeigte die Kostenentwicklung einen deutlichen Trend nach oben, wie VskE-Geschäftsführer Klemens Ehrlitzer während der Herbsttagung im November in Göttingen berichtete. Im vierten Quartal hat sich die Tendenz der letzten Monate noch einmal verstärkt, so dass im Beispiel der thermosensitiven Etiketten allein im Verlauf der letzten drei Quartale eine durchschnittliche Kostenzunahme von fast 6 % zu verzeichnen war. So positiv das Marktwachstum bei Haftetiketten auch sein mag, so sieht Klemens Ehrlitzer aufgrund der beschriebenen Begleitumstände für die VskE-Mitglieder doch große Herausforderungen, die es in diesem Jahr zu bewältigen gibt.



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