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Neue Forschungsansätze für Biokunststoffe

26.07.2018 Das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe an der Hochschule Hannover begrüßt die von der Europäischen Union veröffentlichte Kunststoffstrategie und sieht in der Strategie viele Ansätze für neue Forschungsgebiete – auch für Biokunststoffe.

Die Kunststoffstrategie sollte aus IfBB-Sicht die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen, vom Rohstoff bis hin zur thermischen Verwertung.
© Foto: SKZ
Die Kunststoffstrategie sollte aus IfBB-Sicht die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen, vom Rohstoff bis hin zur thermischen Verwertung.

Wünschenswert wäre neben der Betrachtung des Stoffkreislaufs vom Produkt zum Recycling eine stärkere Berücksichtigung der Lebenszyklusanalyse (vom „Start of Life“ zu „End of Life“) von Kunststoffen, denn hier sind Biokunststoffe klar im Vorteil.

„Wir begrüßen die Initiative der Europäischen Kommission ausdrücklich. Die auf der einen Seite noch zu geringen Recyclingquoten und die Umweltverschmutzung durch Kunststoffe machen deutlich, dass ein neuer Umgang mit ihnen dringend geboten ist. Kunststoffe sind auf der anderen Seite aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Am IfBB forschen wir seit vielen Jahren an Biokunststoffen als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen“, so Institutsleiter Prof. Hans-Josef Endres.

Die Kunststoffstrategie sollte aus IfBB-Sicht die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen, vom Rohstoff bis hin zur thermischen Verwertung. Dies gilt gleichermaßen für herkömmliche wie auch für Biokunststoffe. Bei einer effektiveren Wertschöpfungskette fallen auch die Nachhaltigkeitsbewertungen besser aus: Biokunststoffe bieten ökonomische und ökologische Vorteile, wenn sie auf regionalen nachwachsenden Rohstoffen basieren. Mit einer nationalen Wertschöpfungskette könnten Transportkosten gesenkt, Transportwege minimiert und die Material- und Produktherstellung in die EU verlagert werden. Insgesamt machte sich Europa damit unabhängiger von Rohstoffimporten aus politisch instabilen Ländern.

Mittels Lebenszyklusanalysen sollen nachhaltige Ersatzmaterialien und Optionen zunehmend überprüft werden. Abwägungen nach Umweltvorteilen sind aus der Sicht des IfBB absolut wichtig: Für Nachhaltigkeitsbewertungen von Biokunststoffen gibt es derzeit noch keine standardisierten Regelwerke (wie bspw. Produktkategorieregeln). Empfehlenswert ist deswegen in einem ersten Schritt die Entwicklung einer harmonisierten Vorgehensweise für konventionelle Kunststoffe und Biokunststoffe, um eruieren zu können, wo Vor- und Nachteile bestehen.

„Wir müssen die Krise als Chance sehen und im Umgang mit allen Kunststoffen umdenken. Auch Biokunststoffe, abbaubare wie langlebige beständige, können ihren Teil zur Lösung des globalen Kunststoffproblems beitragen, wenn sie richtig und sinnvoll eingesetzt werden. Das ist nicht immer und überall per se der Fall, sondern hängt sehr vom verwendeten Biokunststoff und dem geplanten Anwendungsbereich ab“, so Endres.

Weitere Informationen unter: www.ifbb-hannover.de

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