HPE
Produktion steigt unaufhaltsam weiter

27.09.2018 Joachim Hasdenteufel, Vorsitzender des Bundesverbandes Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE), erklärt beim HPE-Wirtschafts-Pressegespräch am 25. September 2018 im Rahmen der Fachpack in Nürnberg Kosten- und Zeitdruck in der Branche nehmen zu.

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„Trotz wirtschaftspolitisch unruhiger Zeiten mit offener Eskalationsspirale ist die deutsche Holzpackmittelindustrie angesichts eines soliden Wirtschaftswachstums in Deutschland und neuer Impulse aus dem Auslandsgeschäft zuversichtlich gestimmt und geht von steigenden Absatzmengen für das Gesamtjahr 2018 aus. Wir sehen die deutsche Wirtschaft und unsere Branche weiter auf Wachstumskurs, so war etwa das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2018 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,5 % höher als im Vorquartal. Im ersten Quartal 2018 hatte es einen Anstieg des BIP um 0,4 % gegeben. Sowohl der Inlandsmarkt als auch die Exporte konnten in diesem Jahr zulegen. Diese parallele Entwicklung der deutschen Wirtschaft belebt unmittelbar die Verkäufe der Holzpackmittelindustrie, denn nahezu jedes ausgeführte Produkt wird entweder verpackt und/oder auf einer Palette befördert. Auch innerdeutsch macht sich dies bemerkbar: Infolge höherer Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates werden immer mehr Waren auf Paletten aus Holz befördert. Die Beschäftigung, die Einkommen sowie die private und staatliche Konsumnachfrage steigen. Zudem erhöhte sich die Investitionstätigkeit, insbesondere bei Ausrüstungen, Bauten und sonstigen Anlagen.

 

Gute Wirtschaftslage – vorsichtige Geschäftserwartungen

Damit setzt sich der volumenmäßige Aufwärtstrend der vergangenen Jahre auch 2018 für unsere Branche fort. Die Risiken, vor allem im außenwirtschaftlichen Umfeld, sind allerdings weiterhin hoch und schwer kalkulierbar. Die Lagebeurteilung in der Holzpackmittelbranche und der deutschen Wirtschaft insgesamt ist nach wie vor überdurchschnittlich positiv. Bei den Geschäftserwartungen werden die Akteure hingegen vorsichtiger: Die Holzpackmittelbranche beurteilt die Aussichten für die kommenden sechs Monate  leicht rückläufig. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex nach zuletzt sechs Rückgängen in Folge allerdings wieder gestiegen. Dies ist auf merklich optimistischere Erwartungen der Industriefirmen zurückzuführen, vor allem in der Automobilbranche. Mehrere Unternehmen planen, die Produktion anzuheben. Die aktuelle Lage schätzen diese Unternehmen hingegen etwas weniger gut ein.

 

Vorlaufzeiten vieler Aufträge werden kürzer

Wir sind darauf vorbereitet, dass sich die vorsichtige Einschätzung der Branche für die kommenden Monate auch schnell wieder zum Positiven verändern kann. Denn wir beobachten nach wie vor, dass die Vorlaufzeit vieler Aufträge für Holzpackmittel und Paletten immer kürzer wird. Dies ist ein wichtiger Indikator für uns, denn zusätzlich ist eine grundsätzliche Order-Zurückhaltung nicht erkennbar. Gleichzeitig stellt die Kurzfristigkeit der Aufträge eine zusätzliche Herausforderung für unsere Betriebe hinsichtlich maschineller und personeller Flexibilität dar. Regionale Nähe und schlanke Strukturen helfen hier im Wettbewerb. Unabdingbar ist aber auch die Flexibilität und das seit Monaten hervorragende und außergewöhnliche Engagement der Mitarbeiterinen und Mitarbeiter, die mit Überstunden und Extraschichten ganz wesentlich dazu beitragen, dass die Kunden die bestellten Holzpackmittel rechtzeitig in der gewünschten Ausführung und Qualität erhalten. Im Namen der HPE-Mitgliedsfirmen darf ich mich bei allen dafür bedanken.

 

Umsatzwachstum um knapp 30 % im 1. Halbjahr  – Erwarteter Mengenwachstum in 2018 um 5 %

Die Hersteller von Holzpackmitteln (Betriebe ab 50 Beschäftigten) konnten ihren Gesamtumsatz im 1. Halbjahr 2018 mit fast 470 Millionen Euro um knapp 30 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern, wobei der Inlandsumsatz um 30,8 % und der Auslandsumsatz um 18,9 % zulegte. Auch die Zahl der Beschäftigten ist um gut 19 % gestiegen. Damit setzt sich der bereits im ersten Quartal festgestellte Trend fort. Gleichwohl gilt es anzumerken, dass die Daten statistisch überzeichnet sind. Der Grund hierfür: Die Zahl der in der amtlichen Statistik erfassten Betriebe – es werden nur die größeren Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten gezählt – nahm zu Jahresbeginn um 9,6 % auf 50 Betriebe zu, ist seitdem aber unverändert geblieben. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Vergleich zum ersten Quartal 2018 leicht auf 4.555 an. Wir gehen derzeit davon aus, dass auch die Produktionsmengen auf Jahressicht um rund 5 % zulegen werden. Dabei ist die Dynamik bei der Herstellung von Holzpaletten etwas ausgeprägter ist als bei den Kisten und Exportverpackungen.

 

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Mehr produzierte Paletten und höherer Umsatzwert im 1. Quartal 2018

Neben der guten Umsatzentwicklung konnten die Hersteller von Paletten ihre Produktionsmengen im vergangenen Jahr weiter steigern. Die Fertigung von Paletten aus Holz legte bei den HPE-Betrieben mit mindestens 20 Beschäftigten von 2016 bis 2017 um 7,3 % zu. Der korrespondierende Produktionswert kletterte dabei nur um 5,3 %, was auf einen leichten Rückgang der Durchschnittspreise schließen lässt. In Stückzahlen ausgedrückt: Während 2016 mit fast 103 Millionen Stück erstmals die 100 Millionen-Grenze überschritten wurde, betrug die Produktionsmenge im Jahr 2017 bereits rund 110 Millionen Paletten. Die Palettenproduktion entwickelte sich im 1. Quartal 2018 mengenmäßig mit fast 28 Millionen hergestellten Paletten und einem Plus von 5,4 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum äußerst positiv. Vor allem konnte im Vergleich zum 1. Quartal 2017 auch der Umsatzwert mit 218,5 Millionen Euro erheblich um 12,7 % gesteigert werden.

 

Höhere Lohn- und Rohstoffkosten: HPE vermisst Preisbereitschaft der Kunden

An dieser Stelle wird als besonderer Effekt wirksam, dass die Vergleichszeiträume sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen aufweisen: Während im 1. Quartal 2017 die Preisindices für Massivholz, Sperrholz und OSB noch moderat gestiegen sind, begannen ab dem 2. Quartal 2017 die massiven Preissteigerungen beim Rohstoff Holz. Hinzu kamen weitere Kostensteigerungen für die Unternehmen bei den Personalkosten, den Aufwendungen für Stahl- und Nagelprodukte sowie für Transportdienstleistungen. Daher waren die Holzpackmittelhersteller gezwungen, ihre Preise anzupassen. Die deutlichen Mehrkosten konnten jedoch nicht wie eigentlich erforderlich weitergegeben werden. Es zeichnet sich hier ein Trend ab, den wir leider seit geraumer Zeit beobachteten müssen: Die Preisbereitschaft der Kunden hält nicht mit den steigenden Mengen sowie den Lohn- und Rohstoffkosten mit. Daher geben weiter steigende Mengen nur ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Branchenlage wieder. Diesen Widrigkeiten zum Trotz konnte die Holzpalette ihre Position als Ladungsträger Nummer 1 weiter ausbauen: Nach unserer Einschätzung wird die Menge der im Gesamtjahr 2018 in Deutschland hergestellten Ladungsträger aus Holz die letztjährige Bestmarke von 110 Millionen Paletten „Made in Germany“ erneut übertreffen.

 

Auch Kisten und Kabeltrommeln legten im 1. Quartal 2018 deutlich zu

Nicht ganz so rasant wird die Herstellung der Kisten und Exportverpackungen aus Holz zulegen. Dennoch ging es auch bei den Kisten mit der Nachfrage ordentlich aufwärts: Hier legte die Menge des verarbeiteten Holzes von 2016 auf 2017 um gute 14,6 % auf rund 1,6 Millionen Kubikmeter zu. Leicht rückläufig war bei den Kisten lediglich der Produktionswert, der 2017 um 2,2 % sank. Auch hier konnten die Erhöhungen der Kosten nur bedingt weitergegeben werden. Im 1. Quartal 2018 wurde bei der Herstellung von Kisten mit gut 380.000 Kubikmetern verbautem Holz und Sperrholz eine Steigerung von 3,6 %  gegenüber dem Vorjahreszeitraum erreicht. Wertmäßig legte die Kistenproduktion mit 67,3 Millionen Euro um 3 %  zu. Wir gehen hier auf Jahressicht von einem vergleichbaren Anstieg der Produktion um etwa 3 % aus, was bezogen auf die verarbeitete Holzmenge einem Wert von 1,54 Millionen Kubikmetern entspricht. Bei den Kabeltrommeln aus Holz sehen wir im ersten Quartal 2018 eine Mengensteigung um 55 % gegenüber dem vergleichsweise schwachen Vorjahreszeitraum auf 37.202 Kubikmeter. Die korrespondierende Menge Holz beträgt hier knapp 17.700 Kubikmeter.

 

Außenhandel: 8,1 % mehr Palettenexporte, 2,7 % mehr Importe im 1. Quartal 2018

Nach einer Steigerung der Exporte von Holzpaletten im Jahr 2016 um 10 Prozent auf 31,6 Millionen Stück stagnierte 2017 die Nachfrage aus dem Ausland. Von Januar bis Juni 2018 legten die Ausfuhren gemäß den vorläufigen Werten um 5,6 % zu. Die Importe ließen von 2016 bis 2017 um 3,4 Prozent nach und gingen auf rund 64,7 Millionen Stück zurück. Allerdings stiegen auch die Werte der exportierten Paletten um 6 % auf 228,2 Millionen Euro, was den gestiegenen Kosten in Deutschland geschuldet sein dürfte. Dennoch ist es den Importeuren nicht gelungen, in dieser Situation in gleichem Maße zu wachsen. Dies dürfte insgesamt zu einer Stärkung der Wettbewerbssituation deutscher Hersteller geführt haben.

 

In der Bilanz für das erste Halbjahr 2018 stechen bei den Palettenexporten die Niederlande hervor: Zwar wurden mit 3,27 Millionen Stück weiterhin die meisten Paletten zu unseren westlichen Nachbarn geliefert, allerdings waren dies 9,4 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Deutliche Zuwächse konnten beim Export in die Schweiz, nach Österreich, Frankreich und Belgien verbucht werden, wodurch mit insgesamt 17,4 Millionen Paletten die Exportquote um 8,1 % gesteigert werden konnte. Bei den Palettenimporten ist mit weitem Abstand Polen der größte Lieferant nach Deutschland. Mit fast 11,5 Millionen Stück ist ein Zuwachs von 2,4 % zu verbuchen. Mit etwa der Hälfte in Bezug auf die Stückzahl, aber mit einer doppelt so großen Zuwachsrate belegt Tschechien Platz zwei der Importstatistik. Den prozentual größten Zuwachs von 18,3 % verbucht Weißrussland mit knapp 3,4 Millionen nach Deutschland importierten Paletten, sodass auch beim Palettenimport nach Deutschland ein Zuwachs zu verbuchen ist: Mit einer Wachstumsrate von 2,7 % stiegen die Importe im ersten Halbjahr 2018 auf 33,6 Millionen Stück und liegen damit um fast 93 % über den Exporten. Insgesamt wurde das Außenhandelsdefizit bei den Paletten etwas verringert.

 

Außenhandelsdefizit auch bei den Kisten leicht rückläufig – Weniger Im- und Exporte

Ähnlich verhält es sich bei den Kisten: Während in 2017 der Wert der importierten Kisten aus Holz um 10,5 % auf 84,8 Millionen Euro gestiegen ist, konnte im gleichen Zeitraum der Exportwert um 16,7 % auf 35,9 Millionen Euro gesteigert werden. Insgesamt bleibt es damit bei den Holzpackmitteln allerdings bei einem Außenhandelsdefizit: Es werden nur etwa 60 % des Importwertes beim Export erreicht. Diese Differenz wurde zuletzt um 2,1 % verbessert, was ein Ergebnis der deutlich gestiegenen Exporte ist. Diese Entwicklung kehrte sich jedoch mit dem Jahreswechsel vollständig ins Gegenteil, wie der Blick auf die Kistenimporte und -exporte zeigt: In der Halbjahresbilanz 2018 sind die deutschen Kistenexporte um 7,2 % auf 16,1 Millionen Euro zurückgegangen. Lediglich die Exporte in die Schweiz haben um 6,3 % zugelegt. Wie schon bei den Paletten, führt Polen die Importliste auch bei den Kisten deutlich an, wenngleich das Land ein Minus von 13,2 % auf 13 Millionen Euro zu verzeichnen hat. Besonders stechen hier Österreich, und die Schweiz mit wertmäßigen Wachstumsraten von 33 bzw. 50 Prozent hervor. Dennoch ist die Importbilanz mit 39,1 Millionen Euro um 9 % niedriger ausgefallen als im Vorjahreszeitraum. Damit konnte sich auch bei den Holzkisten das Außenhandelsdefizit leicht verbessern, allerdings liegen die Importe immer noch um den Faktor 2,4 höher als die Exporte.

 

HPE-Familie wächst weiter

Nicht nur die Kundenbranchen sind auf Wachstumskurs. Auch die Mitgliederzahl in unserem Verband wächst kontinuierlich. Der Grund dafür liegt insbesondere darin, dass die Kunden vermehrt die Mitgliedschaft im HPE voraussetzen, so argumentieren zumindest die Interessenten bei Stellung des Mitgliedsantrages. Darin sehen wir auch einen Erfolg in unserer Qualitätsstrategie. Aktuell organisieren wir im HPE bundesweit mehr als 420 überwiegend inhabergeführte Unternehmen aus allen Bereichen der Holzpackmittelindustrie. Der gesamte Branchenumsatz wird von uns inklusive der Kleinbetriebe auf etwa 2,3 Milliarden Euro geschätzt. Zum Vergleich: Die amtliche Statistik weist aktuell rund 170 Betriebe ab 20 Mitarbeitern im Bereich Herstellung von Holzpackmitteln aus, die zusammen einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro erzielen. Der hochgerechnete Holzbedarf der Branche liegt – inklusive der Kleinbetriebe unter 20 Mitarbeitern – bei rund sechs Millionen Kubikmetern.

 

HPE-Unternehmen sind als hochwertige Rundum-Dienstleister gefragt

Zuletzt zugenommen hat der Bedarf an weiteren Serviceleistungen unserer Unternehmen. Ein noch junges Geschäftsfeld ist das Einlagern von verpackten Gütern, die auf ihren endgültigen Versand warten. Dieses Lagergeschäft ist ein neuer Baustein im Angebots-Portfolio unserer Betriebe, die sich immer mehr vom reinen Hersteller zum Service-Dienstleister rund um das Thema Verpacken entwickeln. Heute sind mehr denn je umfassende Dienstleistungen gefragt – von der Annahme und Einlagerung der Packgüter über die professionelle Verpackung bis hin zum fehlerfreien und sicheren Versand der Produkte in die ganze Welt.

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