Glas-Report 2020
Weinflaschen: Wo drückt der Schuh?

01.09.2020 Wie steht es um die generelle Verfügbarkeit? Hat die Qualität gelitten? Der Status quo auf dem deutschen Glasflaschen-Markt im Frühherbst 2020.

Das Glück im Glas: Wein im Supermarkt.
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Das Glück im Glas: Wein im Supermarkt.

Gibt es aktuell Probleme mit der Beschaffung von Weinflaschen? Ist es für deutsche Winzer schwieriger geworden, Glasflaschen zu bekommen? Sind die Flaschen teurer in der Anschaffung als noch 2019? All diese Fragen hat verpackungswirtschaft.de in den vergangenen Tagen an namhafte Marktteilnehmer gerichtet. Die Antworten lesen Sie nur hier.

Henning Seibert, geschäftsführender Vorstand Moselland

Mit 2200 Mitgliedswinzern und über 75 Mio. € Umsatz ist die Moselland die größte Winzergenossenschaft von Rheinland-Pfalz und einer der größten Riesling-Erzeuger der Welt.

„Bei Standardsorten-Weinflaschen gibt es aktuell keine Belieferungsengpässe. Allerdings kann es bei speziellen Formen und Farben etwas länger dauern, das muss man bei den Bestellungen einfach einkalkulieren. Wir gehen nicht davon aus, dass das Glas teurer wird. Da viele Winzer bedingt durch Corona weniger füllen und noch ausreichend Altbestand an gefüllter Ware vorhanden ist, hat auch die Nachfrage nach Glas aus diesem Sektor nachgelassen. Sorge macht uns der Trend zu immer leichteren Flaschen. Bei nicht optimaler Glasverteilung - insbesondere an der Flaschenschulter - führt dies zu einer verstärkten Bruchgefahr vor allem im Liter-Bereich.“

Erwin Vogel, geschäftsführender Vorstand der Winzergenossenschaft Oberbergen im Kaiserstuhl

In der Genossenschaft sind 440 Winzerfamilien organisiert, die eine Gesamtrebfläche von mehr als 350 ha bewirtschaften.

„Die Beschaffung von Glas ist seit Jahren schwierig. Die Konzentration der Glashütten hat zugenommen. Probleme gab es verstärkt, als eine Glashütte ihre Wanne erneuert hat. Die Preise sind gestiegen. Was uns aber am meisten ärgert, sind die unterschiedlichen Größen und Formen. Oft sind die Flaschen auch nicht eben, was zu Falten bei der Etikettierung führt - dies oft bei einer Charge und Lieferung. Die Qualität leidet. Die genauen Produktionsstandorte sind bei der Bestellung nicht bekannt. Oft nehmen wir Lieferungen ab, egal woher.“

Arne Maier, Betriebsleiter Technik und Oenologie bei der Genossenschaftskellerei Heilbronn

Die Kellerei war Stand 2017 die größte Einzelgenossenschaft Deutschlands. Heute bewirtschaften rund 1.415 Mitglieder auf einer Fläche von 1.400 Hektar die Reben.                                  

„Wir selbst haben mit der Beschaffung im Moment keine Probleme, da wir über unseren gemeinsamen genossenschaftlichen Einkauf in Württemberg langfristige Verträge haben, an die sich die Lieferanten halten. Wir müssen allerdings für die diversen Wein-Flaschen (Formen, Farben) vierteljährlich unsere Planung abgeben. Kleinere Kellereien und Flaschenhändler haben sicher mehr Probleme mit der Beschaffung. Obwohl Heizöl in den letzten Monaten billiger geworden ist, sind die Preise für Glasflaschen nicht gesunken.“

Dr. Klaus Rückrich, Deutscher Weinbauverband, Bonn:

„Derzeit liegen uns keine Informationen vor, dass es bei der Versorgung mit Glas im Weinsektor Schwierigkeiten gibt. Nun ist aktuell auch keine Füllsaison im Weinsektor. Jetzt geht es in den Betrieben vielmehr um die Vorbereitung auf die Weinmosternte 2020 an, die in Kürze ansteht. Anfang 2019 war von einer Verknappung bei Weißglas im Zusammenhang mit der Mikroplastik-Diskussion zu hören, die mit einem erhöhten Glasbedarf für Wassersektor zusammenhing. Das aber ist derzeit kein Thema.“

Dorothée Richardt, Bundesverband Glasindustrie, Düsseldorf:

„Soweit wir gehört haben, gibt es aktuell keinen Lieferengpass bei Weinflaschen. Zu den Preisen äußern wir uns als Verband nicht, da die Preisgestaltung den einzelnen Unternehmen obliegt.“

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