Tchibo/Otto
Pilotprojekt zum Sparen von Verpackungen

12.06.2019 Tchibo und der Versandhändler Otto gehen gegen die Verpackungsberge im Onlinehandel vor. Die beiden Unternehmen werden Mehrwegsysteme testen. Wenn sich das bewährt, könnte allein Tchibo an die 6 Millionen Einwegverpackungen pro Jahr einsparen.

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Die beiden Handelsunternehmen Tchibo und Otto wollen den Verpackungsmüll im E-Commerce reduzieren. Sie nehmen an einem Pilotprojekt mit wiederverwendbaren Versandverpackungen teil, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Mit dem boomenden Onlinehandel wachsen die Karton- und Plastikverpackungsmengen. Werden frische Lebensmittel verschickt, kommen sogar noch Kühlakkus dazu. Umweltschutzorganisationen sehen diese Entwicklung sehr kritisch. Die Online-Branche tat sich bisher schwer, Einweg durch Mehrweg zu ersetzen, weil dabei der Rücktransport der Behälter oder Tüten sichergestellt werden muss. Doch die Einstellung im Markt ändert sich gerade.


Das Verfahren, das Tchibo und Otto im Rahmen des Projektes „Prax-Pack“ auf Alltagstauglichkeit prüfen werden, funktioniert folgendermaßen: Tchibo zum Beispiel packt die bestellte Ware in eine passende Tasche des Anbieters Repack und sendet sie per Paketdienst zu den Kunden. Diese entnehmen die Ware, falten die mit einer Rücksendeadresse versehene Tüte zusammen und werfen sie in den nächsten Postkasten. Das klingt einfach, doch im Massenvertrieb wie bei den großen Versendern kommt es darauf an, dass solche Lösungen stabil genug sind und problemlos über automatische Förderanlagen laufen.

Die Mehrwegtaschen müssten zudem „mindestens zwanzigmal eingesetzt werden können“, so Nanda Bergstein, Leiterin des Bereichs Unternehmensverantwortung bei Tchibo. Außerdem solle der Test zeigen, wie „optimale Logistikwege“ für Repack aussehen. Leerverpackungen werden an einen zentralen Dienstleister geschickt, der sie prüft und den beteiligten Unternehmen wieder zur Verfügung stellt. Retouren gehen direkt an Tchibo. Neben den beiden Großen der Branche ist noch Avocadostore, ein Online-Marktplatz für faire Öko-Mode und Lifestyleprodukte an dem Projekt beteiligt. Initiiert hat es das Hamburger Institut für Ökologie und Politik. Als weitere Partner sind die Deutsche Post DHL, der Verpackungshersteller Cargo-Plast sowie die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mit an Bord. Bis zum Weihnachtsgeschäft wird es Tchibo wohl noch nicht schaffen, Geschenke in Repacks zu versenden. Die ersten werden nach Einschätzung Bergsteins Anfang 2020 bei den Kunden ankommen.

Otto und Tchibo sehen sich jeweils als Vorreiter der Nachhaltigkeit. „Deswegen suchen wir auch im Bereich Logistik nach sinnvollen Mehrweglösungen“, begründet die Tchibo-Managerin die Beteiligung an Prax-Pack. Die Otto Group macht laut einer Sprecherin bei der Kooperation mit, um mittelfristig eine „substanzielle Senkung des Ressourcenverbrauchs und der Abfallmengen“ zu erreichen. Otto nennt noch keine Details und legt sich nicht auf Repack fest. Das Unternehmen sei Projektpartner, was nicht automatisch bedeute, dass Otto dieses System nutzen werde.

Ein Beitrag von der Lebensmittelzeitung.

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