Studie zur Verpackungsindustrie
„Es gibt kein Zurück zum Modus ‚vor Corona‘!“

31.08.2020 Die Auswirkungen der COVID-19-Krise werden für die Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie insbesondere in fünf wesentlichen Rahmenbedingungen spürbar werden.

Munich Strategy: "Starke Streuung der Foodbranche"
© Foto: imago images / teutopress
Munich Strategy: "Starke Streuung der Foodbranche"

Für die Studie "Food & Packaging beyond Corona" hat Munich Strategy die langfristigen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf sechs zentrale Handlungsfelder der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie analysiert. Die Studie bezieht sich auf die „Neue Normalität“ ab Mitte 2021, wenn die Pandemie in Deutschland weitgehend abgeklungen sein wird. Datengrundlage sind Experteninterviews sowie die Munich Strategy Mittelstandsdatenbank mit Leistungs- und Strategiedaten von mehr als 3.500 mittelständischen Unternehmen.

„Systemrelevanz ist keine Überlebensgarantie“

Die internationale Managementberatung Munich Strategy hat das durchschnittliche Umsatzwachstum, die Ertragsquote und die Eigenkapitalquote von mittelständischen Unternehmen unterschiedlicher Branchen ermittelt. Die Auswertung zeigt, dass viele Foodunternehmen eine deutliche geringere Wachstums- und Widerstandskraft als Unternehmen anderer Sektoren aufweisen. Die Autoren sehen außerdem eine starke Streuung der Branche: Je nach Geschäftsmodell und Branchensegment unterscheiden sich die Unternehmen der Foodindustrie deutlich in ihrer Wachstums- und Ertragskraft. Das führt der Studie zufolge dazu, dass Unternehmen trotz einer durch den Lockdown bedingten Sonderkonjunktur der letzten Monate gefährdet sein können. „Systemrelevanz ist keine Überlebensgarantie“, stellt Studienautor und Munich Strategy Foodexperte Dr. Werner Motyka klar. „Trotz vergleichsweise guter Ausgangsbedingungen gilt auch für die Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie: Es gibt kein Zurück zum Modus ‚vor Corona‘!“

Fünf Rahmenbedingungen prägen das „New Normal“

Die Auswirkungen der COVID-19-Krise werden für die Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie insbesondere in fünf wesentlichen Rahmenbedingungen spürbar werden. Dazu gehören laut Munich Strategy die Rezession, die zu reduzierter Kaufkraft, Kaufzurückhaltung und aufgeschobenen Investitionen führen wird, die „Re-Regionalisierung“, die mit einer stärkeren Absicherung von Beschaffungsquellen, der Rückbesinnung auf regionale Rohstoffe und Quellen einhergeht und der Aspekt der „Distanz“, der zu Vereinzelung und weniger Veranstaltungen führt. Ebenso werden das Thema Hygiene & Gesundheit und damit einhergehend neue Anforderungen an Produkte und Vertriebskanäle sowie der steigende Einfluss des Staates als prägende Rahmenbedingungen für die „Neue Normalität“ gesehen.

Markenhersteller sind resilienter

Die Studie zeigt: Die Widerstandskraft reiner Markenplayer ist mit einer EBIT-Quote von durchschnittlich 7,1 Prozentmehr als doppelt so hoch wie die reiner Handelsmarkenhersteller. Die Strategie vieler Handelsmarkenspezialisten, hohes Wachstum bei schmalen Renditen zu erreichen, wird von Munich Strategy als riskant eingestuft. Wenn die Krise Stockungen in der Supply Chain verursacht, Rohwarenpreise sprunghaft steigen oder Zu-satzkosten für eine erhöhte Komplexität in der Produktion entstehen, könnte das die Handlungsspielräume der Hersteller begrenzen. Reinen Markenherstellern empfehlen die Studienautoren eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells zum „hybriden Anbieter“ von Marke und Handelsmarke. Dieser Schritt kann die Voraussetzungen für den intensiveren Wettbewerb bei Basisprodukten im Volumengeschäft verbessern.

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