Monta Klebebandwerk
Klebe wohl!

08.09.2020 Verpackungsklebeband kann man durchaus als Commodity-Produkt bezeichnen. Nachhaltig darf es bitte trotzdem sein, findet die Monta Klebebandwerk GmbH aus Immenstadt. Im Visier der Allgäuer: Weltkonzerne aus dem Food- und Non-Food-Bereich.

Biologisches Klebeband aus dem Allgäu - eine Punktlandung in der Nachhaltigkeitszeit.
© Foto: Monta Klebebandwerk
Biologisches Klebeband aus dem Allgäu - eine Punktlandung in der Nachhaltigkeitszeit.

Am Anfang stand, wie so oft, eine vage Idee. Der Weg, den die Monta Klebebandwerk GmbH vormals anfing zu beschreiten, war Neuland – zumindest weitestgehend. „Das Thema Nachhaltigkeit wurde und wird natürlich in allen Bereichen immer prominenter und mit den Jahren immer präsenter. Und so kam eben auch bei monta der Gedanke auf, ein nachhaltiges Klebeband zu produzieren.“

Sylvia Di Felice, Leiterin Produktmanagement und Marketing bei dem Anbieter von Selbstklebebändern auf Naturkautschukbasis aus Immenstadt im Allgäu, berichtet von den sich zunächst auftuenden Hürden. „Die üblichen Träger unserer Produkte, die Folien, basieren auf Rohöl. Rohöl, wie zum Beispiel Kohle ja auch, ist in Sachen Nachhaltigkeit nun eher negativ behaftet. Kurzum: Wir mussten eine Folie finden, die nachhaltig ist, die aber trotzdem auf unseren Anlagen läuft. Wir kaufen die Folie ein, welche dann bei uns hier im Werk mit Naturkautschuk-Kleber beschichtet wird, das heißt, die Folie muss gewissen Strapazen standhalten.“

Verpackaungsklebeband muss einiges mitmachen

„Verpackungsklebeband kann man als Commodity-Produkt bezeichnen. Es gibt es seit über 50 Jahren, es ist bewährt und beliebt und weit verbreitet. Der Markt liegt geschätzt bei ca. 30 Milliarden Quadratmeter pro Jahr – weltweit“, erklärt Di Felice.  „Ein Verpackungsklebeband ist ja nicht nur Folie mit Kleber, sondern muss auch einiges mitmachen. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Karton und der ist ein wenig zu voll. Und Sie kleben den zu. Wenn Sie da das falsche Klebeband benutzen, geht der Karton wieder auf. Oder ein Karton geht auf ein Schiff Richtung Südamerika, da sind Vibration, Hitze und Feuchtigkeit ständige Begleiter. Ein gutes Klebeband muss so etwas unbeschadet überstehen.“

„Auch das nachhaltige Produkt, das wir im Sinn hatten, musste all diese technischen Anforderungen erfüllen. Und das war im Grunde auch die größte Herausforderung. Den Kleber produzieren wir selbst, die Rezeptur kann in je nach Bedarf und Anforderungen gezielt angepasst werden. Aber woher bekommen wir die Folie? Und aus welchem Material soll sie ein?“ Das Allgäuer Unternehmen, das 130 Mitarbeiter beschäftigt und im Jahr 2018 über einen Umsatz von 48 Millionen Euro berichtete, entschied sich nach sorgsamer Prüfung für: PLA. „Die Wahl ist auf PLA (Polymilchsäuren, vom englischen Wort polylactic acid) gefallen. Die Folie erfüllt alle Eigenschaften, die wir zur Produktion benötigen, damit wir sie verarbeiten können. Sie wird aus Maisstärke gewonnen, ist also nachweislich biobasiert“, so die Leiterin Produktmanagement und Marketing bei Monta.

Monta Biopack brachte einen Nachfrageschub

„Uns wurde im Laufe dieser Zeit immer klarer, dass der Zuspruch von Kundenseite beachtlich sein wird, gerade im Verpackungsbereich. Man hat gemerkt, der Zeitpunkt, solch ein Nachhaltigkeitsprodukt auf den Markt zu bringen, ist gut. All diese Themen wurden einfach immer größer und lauter“, erläutert Di Felice. Im November des vergangenen Jahres war es dann so weit: die Produkteinführung von Monta Biopack, dem „ersten zertifiziert nachhaltigen Verpackungsklebeband made in Germany“ stand bevor. Die Rahmendaten laut Hersteller: insgesamt zu rund 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, Biobasierte Folie ohne fossile Rohstoffe, Naturkautschuk-Kleber aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen, kompostierbar unter industriellen Bedingungen, und: geprüft vom TÜV Austria.

Für Di Felice ein wichtiger Punkt. „Was uns vom Wettbewerb abhebt: Wir haben das Produkt testen lassen vom TÜV Austria. Die haben Biopack nach verschiedenen Normen getestet und nach EN 13432, ASTM D6400-04, AS 4736 und ISO 17088 zertifiziert: Es geht dabei um die biologische Abbaubarkeit. In unserem Fall ist es die industrielle Kompostierung. Die Vorgabe ist, dass ein Produkt nach sechs Monaten zu mindestens 90 % biologisch abgebaut ist. Monta Biopack erfüllt dies bereits nach zwölf Wochen. Unseres Wissens sind wir das einzige Unternehmen weltweit, welches ein Klebeband auf dem Markt hat, das diese Normen nachweislich erfüllt. Für uns ist dieses Zertifikat oft ein zusätzliches Verkaufsargument. Wenn wir an Kunden rantreten, merken wir, dass dies durchaus relevant ist.“

Die Anwendungen, bei denen Biopack zum Einsatz kommen könnte, sieht Monta unter anderem im Verschließen biologisch abbaubarer und kompostierbarer Beutel sowie Folien anderer nachhaltiger Verpackungen, beim Verschluss mittelschwerer bis schwerer Kartonagen oder der maschinellen Applikation auf Verpackungsautomaten. Mögliche Zielindustrien und -märkte definiert Monta wie folgt: Floristik und Gartenbau, Hersteller von Bio-Produkten, „grüner“ Online-Versandhandel, Bio-Einzelhandel sowie „alle, die bei ihrer Verpackung Wert auf Nachhaltigkeit legen“. Ein weites Feld. Und oftmals abhängig davon, wie weit das jeweilige Bewusstsein für ökologisches Produzieren auf Kundenseite fortgeschritten ist.

„In Bezug auf den Preis kann ich sagen: Es gibt Kunden, die sind von diesem Nachhaltigkeitsgedanken geprägt und bezahlen das auch. Dann gibt es andere Kunden, die denken noch nicht so. Da ist dann eher das Motto: Klebeband muss funktionieren, ob das jetzt nachhaltig ist oder nicht, das ist mir nicht so wichtig“, weiß Di Felice. „Da scheiden sich die Geister. Die Rohstoffe für Biopack sind einfach deutlich teurer. Es gibt Kunden, die bereit sind, das zu zahlen. Andere sind das nicht.“

Corona hat den Fokus vieler Firmen verschoben

„Zehn Monate nach der Einführung von Biopack ist unser Fazit durchaus positiv. Allerdings: Viele Firmen hatten begonnen, es erfolgreich zu vermarkten – und mit dem Aufkommen von Corona hat sich der Fokus für viele Firmen verlagert. Wir hoffen allerdings – und gehen auch davon aus – dass nun wieder etwas mehr Normalität eintritt und wir glauben daher, dass Biopack weiterhin erfolgreich ist.“ Für den September dieses Jahres kündigt Sylvia Di Felice zudem ein neues Produkt an: das Monta Biopack 860 LG, das nun auch „sichtbar grün“ seine Attribute unterstreicht.  „Die Entwicklung von Sichtbar grün fußt auf dem Feedback von Kunden: Da haben wir ein tolles, nachhaltiges Klebeband – aber wenn es aufgeklebt wird, sieht man es ihm einfach nicht an.  Daher lassen wir bei dieser neuen biopack-Variante die Folie vor der Beschichtung mit umweltfreundlicher Farbe mit dem Schriftzug „90 % natural material“ bedrucken. Somit haben wir ein sichtbar grünes Klebeband, das selbst bedruckt das Ok Compost Industrial Zertifikat des TÜV Austria trägt.“

„Als Zielgruppe für „Sichtbar grün“ haben wir vor allem den Verpackungsfachhandel ausgemacht, der schon Interesse an Biopack hatte. Und dann wollen wir die ganzen Firmen erreichen, die selbst ein Bioprodukt herstellen oder solche vermarkten. Ich denke da im Übrigen sowohl an kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch an Weltkonzerne aus dem Food und Non-Food Bereich, die sich im Verpackungsbereich allesamt eine Nachhaltigkeitsstrategie auf die Fahnen geschrieben haben“, legt Di Felice dar. „Ein wenig sehen wir uns im Bereich der nachhaltigen Selbstklebebänder schon als Vorreiter. Da hat jeder seine eigene Philosophie. Liegt vielleicht ein wenig auch an dem Land, in dem ein Unternehmen seinen Stammsitz hat. Da gibt es von Nation zu Nation sicherlich bedeutsame Unterschiede, was das kollektive Bewusstsein und die Sensibilität in Bezug auf nachhaltiges Denken angeht. Wie bei den Menschen eben auch.“

stats