Bobst
Faltschachteltage 2014

20.10.2014 Ende September 2014 waren im Bobst Competence Center Meerbusch die Faltschachteltage 2014 angesagt. Insgesamt annähernd 100 Betriebs- und Produktionsleiter sowie Maschinenführer aus knapp 50 Faltschachtelbetrieben aus dem deutschsprachigen Raum erlebten an den drei Tagen jeweils ein attraktives Programm, bei dem sich locker vorgetragene Informationen zu neuesten Technologien und Lösungen für die Optimierung der Produktionsprozesse beim Stanzen und Faltschachtelkleben, nützliche Praxistipps sowie Live-Vorführungen an drei Maschinen abwechselten. Die beteiligten Partnerunternehmen Baumer hhs, Deutsche Leasing, Marbach Stanzwerkzeuge und Planatol rundeten das Programm mit ihren jeweiligen Angeboten sinnvoll ab. Die Auswertung der an die Besucher verteilten Feedback-Karten bestätigte, dass Bobst Meerbusch für seine Gäste ein nützliches Informationspaket geschnürt hatte.

© Foto: Bobst
„Stanz- und Klebemaschinen sind unser Kerngeschäft. Alle Aktivitäten unseres Unternehmens sind voll und ganz auf den Verpackungsmarkt ausgerichtet. Diese Informationsveranstaltung ist ausdrücklich für Profis gedacht, die Tag für Tag mit unseren Maschinen arbeiten“, kündigte Bobst Meerbusch-Geschäftsführer Dick van Bruggen in seiner Begrüßung an. Entsprechend waren alle Präsentationen konsequent auf Praxisnähe ausgerichtet.

Services bilden einen Schwerpunkt

Bobst hat sich auf die Fahnen geschrieben, seine Kunden gerade auch mit innovativen Service-Dienstleistungen im Tagesgeschäft zu unterstützen und hier im Laufe der vergangenen Jahre enorme Anstrengungen unternommen – angefangen beim Aufbau des Geschäftsbereichs Service über die neue Ersatzteillogistik bis hin zu einer breiten Palette innovativer Service-Dienstleistungen. „Wir beschäftigen hier in Meerbusch inzwischen knapp 80 Service-Techniker, was fast 90 % unseres gesamten Personals entspricht“, unterstrich Dirk Corsten, Gesamtleitung Service bei Bobst in Meerbusch, die Bedeutung seines Bereichs. Seit 2011 habe man zehn zusätzliche Service-Techniker eingestellt. Zehn weitere qualifizierte Fachkräfte werden derzeit noch gesucht. Bobst Meerbusch schicke jährlich etwa 2 500 Mal Techniker zu Einsätzen bei Kunden. „Wir wollen die Auslastung unserer Techniker möglichst bei maximal 70 % halten, um bei Noteinsätzen flexibel und schnell reagieren zu können“, erklärte Corsten einen Hintergrund des Personalaufbaus.

Darüber hinaus bringt Bobst Meerbusch jährlich ca. 16 000 Ersatzteillieferungen an Kunden auf den Weg, wobei inzwischen 92 % der Teile binnen 24 Stunden geliefert werden. „Wir werden in Kürze eine Ersatzteilverfügbarkeit von 95 % erreichen“, versprach der Service-Leiter. Zudem kündigte Corsten an, das Bobst Competence Center Meerbusch in Zukunft noch intensiver für Schulungen zu nutzen. Unter anderem lud er die Besucher zu individuell konzipierten Trainings ein, deren Ziel eine bessere Ausschöpfung der Leistungspotenziale ihrer Maschinen ist. Als weiteres Beispiel für ein neues Schulungsangebot seines Unternehmens nannte er Prüfungsvorbereitungen für Auszubildende in Zusammenarbeit mit der IHK.

Innovative Service-Angebote

Mit dem Oil Cleaner, der Umstellung auf lebensmittelkonforme NSF-H1-Schmierstoffe und der Tiegelkonditionierung präsentierte Service-Experte Bernd Andree drei innovative Dienstleistungen von Bobst, die sich unmittelbar auf die Performance der Produktionsprozesse in Faltschachtelbetrieben auswirken. „Laut BP werden 89 % der industriellen Reparaturkosten von mangelhafter Schmierung verursacht“, legte Andree die Basis für seine weiteren Ausführungen. Unabhängig davon, ob die Zahl so stimme, komme dem Öl gerade in der Mechanik von Flachbettstanzen eine Schlüsselrolle zu. Durch Kontaminationen verschlechtert sich seine Qualität mit fortschreitender Nutzungszeit, weshalb es beizeiten gewechselt werden muss. „Doch wer kontrolliert in der Praxis tatsächlich die Beschaffenheit des Öls?“, legte Andree den Finger in die Wunde. Mit dem Oil Cleaner habe Bobst gewissermaßen einen Bypass für den Ölkreislauf entwickelt, der die Qualität des Öls langfristig auf einem hohen Niveau hält. Während Standardfilter für Ölkreisläufe mit einer Rückhaltekapazität von 10 - 100 g aufwarten und 60 bis 100 Mikron feine Partikel aus dem Öl herausfiltern, betragen die entsprechenden Werte bei dem Oil Cleaner 1 500 bis 4 000 g Rückhaltekapazität und eine absolute Filterung bis drei Mikron feiner Partikel. „Sie reduzieren Ihre schmierbedingten Stillstände um etwa die Hälfte, sparen mehr als 60 % der schmierbedingten Reparaturkosten und reduzieren gleichzeitig Ihren Ölverbrauch, indem sie die Lebensdauer Ihres Öls je nachdem auf das Fünffache verlängern“, formulierte Andree den Nutzen des innovativen Oil Cleaners.

Technische Öle für die Produktion von Lebensmittelverpackungen sind für Bobst ein Thema, seit Ende 2012 Schlagzeilen zu Adventskalendern mit giftigen Mineralölen die Medien bestimmten. „Damals haben uns erstmals Kunden angesprochen, welche lebensmittelkonformen Öle wir für Stanzautomaten empfehlen können“, blickte Andree zurück. Zum Rund-um-Service-Gedanken von Bobst gehöre, diese dann nicht nur zu empfehlen, sondern Kunden in Kürze auch bei der vollumfänglichen und sicheren Umstellung auf NSF-H1-Schmierstoffe zu begleiten. „Angesichts der hohen Kosten dieser Öle macht es hier natürlich besonders Sinn, über den Oil Cleaner nachzudenken“, knüpfte Andree an das vorherige Thema an.

Weiter ging es mit einer Live-Demonstration der Tiegelkonditionierung bei einer Stanze SP 102-CER. „Verrosteten bei älteren Stanzen die Tiegel und die Komponenten, muss die verschlechterte Planlage mit erhöhter Stanzkraft und erhöhter Zurichtung ausgeglichen werden. Gleichzeitig verlängern sich Ihre Rüstzeiten, bis Sie die erforderlichen Stanzergebnisse erzielen“, skizzierte Andree den Hintergrund, warum Bobst eine Lösung für die Tiegelverbesserung entwickelt hat. „Mit unserem neuen Service können Sie Ihre Rüstzeiten um bis zu 50 % verkürzen und den Stanzdruck um bis zu 30 % reduzieren.“ Anschließend entrostete, reinigte und versiegelte ein Techniker von Bobst vor den Augen der Besucher den oberen und den unteren Tiegel sowie die Schließrahmen, Bodenbleche und Kompensationsplatte der Stanze. Dabei setzte er ein von Bobst speziell zu diesem Zwecke konzipiertes, zum Patent angemeldetes Werkzeug und NSF-H1-zertifizierte Reinigungsmittel ein. „Wir haben die Tiegelkonditionierung inzwischen schon bei mehr als 60 Kunden in aller Welt erfolgreich realisiert, die mit ihren Flachbettstanzen zum Teil schon seit mehreren Jahrzehnten arbeiten, wie das bei vielen unserer Kunden der Fall ist“, verriet Andree.

Es geht innovativ weiter

Die Vertriebsmitarbeiter Richard Perner und Hans Dreistein informierten die Teilnehmer über die jüngsten Innovationen im Flachbettstanzen- und Faltschachtel-Klebemaschinen-Angebot von Bobst. Dabei legte Perner einen Fokus auf die brandneue Flachbettstanze Novacut 106 ER mit Inline-Nutzentrennung bei Geschwindigkeiten bis 7 000 Bogen pro Stunde. „Die Novacut 106 ER ist die ideale Stanze für den Einstieg in die automatische Nutzentrennung. Mit ihr produzieren Sie perfekt gestapelte Zuschnitte und verarbeiten neben Vollkarton gerade auch kaschierte Wellpappen bis 4 mm Stärke, die im Markt zunehmend gefragt sind“, so Perner. Mit ihren technischen Daten, ihrem Bogenformat von 106 x 76 cm und ihren Leistungsmerkmalen füge sich die Maschine nahtlos in das Flachbettstanzen-Portfolio von Bobst ein. Das gelte sowohl für die von Stanzen des Unternehmens bekannte einfache Bedienerführung als auch das komfortable Werkzeugwechselkonzept, das kürzeste Rüstprozesse erlaubt – egal, ob Kunden bei der Maschine mit Inline-Nutzentrennung oder mit Ganzbogenauslage arbeiten bzw. zwischen beiden Prozessen wechseln wollen. Perner nannte zum Beispiel explizit den Wechsel des unteren Nutzentrennwerkzeugs außerhalb der Maschine, den Werkzeugwechsel ohne Rahmen bei festen Werkzeugen, die Mikrometerverstellung der neuesten Generation im Tiegel, und die automatische Verriegelung des Schließrahmens und der Unterlagsplatte.

Zudem ist die Maschine kompatibel zu älteren Stanzen von Bobst, was für die weitere Verwendung vorhandener Stanzformen ein wichtiges Kriterium ist. Perner: „Indem wir bei der Novacut 106 ER bewährte Bobst-Technologien nutzen, können wir die Maschine zu einem sehr attraktiven Preis-Leistungsverhältnis anbieten.“ Insbesondere wer eine ältere Maschine mit Bogenauslage gegen eine neue Stanze ersetzen müsse, solle über die Novacut 106 ER nachdenken.“

Großer Andrang bei den Hand-on-Sessions

„Sie sind heute hierher gekommen, um Action zu sehen“, leitete Perner auf die Live-Vorführung inklusive Auftragswechsel an einer Flachbettstanze Expertcut 106 PER der neuesten Generation mit Produktionsgeschwindigkeiten bis 9 000 Bogen pro Stunde über. Dabei standen die innovativen Features dieser Flachbettstanze im Zentrum des Interesses der Besucher, die vor allem darauf abzielen, die unproduktiven Zeiten zu verkürzen – sowohl die Rüstzeiten als auch ungeplante Unterbrechungen und die Wartungsarbeiten. So hat Bobst unter anderem den Anlegetisch, die Möglichkeiten zur Korrektur des oberen Werkzeugs in der Abfallausbrechstation und in der Nutzentrennstation sowie den Non-Stop-Rechen mit Quick-Set-Funktion in der Nutzentrennstation neu entwickelt bzw. modifiziert. Im Ergebnis lassen sich die Rüstzeiten im Vergleich zur bisherigen Expertcut 106 PER potenziell um bis zu 20 % reduzieren. Die Gesamtausbringung der Maschine wiederum liegt je nach Auftragsstruktur um etwa zehn bis 15 % über den bisherigen Werten.

Im Rahmen dieser Live-Vorführung präsentierte Marbach anhand seiner mpower+-Technologie, wie sich der Prozess der Messerzurichtung mit einem neuartigen Zurichtebogen im Vergleich zu herkömmlichen Stanzwerkzeugen signifikant verkürzen und gleichzeitig die Lebensdauer der Stanzformen erhöhen lassen. „Wir haben unsere neue Technologie im vergangenen Jahr bei verschiedenen Kunden in der Praxis getestet und dabei die Zurichtezeiten um bis zu 90 % reduzieren können“, erklärte Richard Rau, Regionalverkaufsleiter bei Marbach. Die Mpower+-Technologie mit dem neuen Zurichtebogen soll ab Anfang 2015 verfügbar sein.

Am Nachmittag standen Live-Vorführungen an der Faltschachtel-Klebemaschine Expertfold 110 A-2 CSM mit Faltbodenmodul sowie 4- und 6-Eckeneinrichtung auf dem Programm. Bei dieser Universalmaschine lassen sich Auftragsdaten speichern und über die Steuerung jederzeit wieder abrufen. Die erforderlichen Formateinstellungen erfolgen motorisch. Wie die Expertcut 106 PER der neuesten Generation ist auch die Expertfold 110 A-2 CSM im Bobst Competence Center Meerbusch zu Vorführ- und Schulungszwecken installiert. Vor dieser Präsentation hatte Dreistein die vielen Optionen wie den mobilen Falthaken Wonderfold, die Capacity Folder-Vorrichtung für die Herstellung von Taschen mit Füllhöhen bis 15 mm, Accubraille GT für die Blindenschriftprägung, das Qualitätskontrollsystem Accucheck und die verschiedenen Peripheriegeräte für die Faltschachtel-Klebemaschinen von Bobst vorgestellt. In der Live-Vorführung ging es nun darum, den Besuchern anhand konkreter Aufträge zu zeigen, wie die Expertfold 110 A-2 CSM sehr hohe Produktivität mit Flexibilität und bester Schachtelqualität kombiniert.

Dabei lag ein Schwerpunkt des Besucherinteresses auf der neuen universellen Abpackanlage Ergose von Impack Packaging Equipment Design aus Kanada. Sie bietet in der Herstellung kleiner bis mittlerer Auflagen von Längsnaht- bis 4/6-Punkt-Schachteln sowohl hohe Flexibilität als auch Leistung, womit sie die Lücke zwischen halb- und vollautomatischen Abpackern schließt. Im Rahmen einer Vertretungsvereinbarung vertreibt Bobst diese Lösung weltweit mit Ausnahme der USA, Kanadas und Großbritanniens exklusiv. Über die Ergosa-Anlage hinaus umfasst das Programm von Impack Packaging eine ganze Reihe weiterer Abpackhilfen mit unterschiedlichem Automatisierungsgrad, über die Impack Packaging-Mitarbeiter Stefan Badertscher einen kurzen Überblick gab. „Sicherlich hat kein anderer Anbieter ein vergleichbar breites Angebot an Peripheriegeräten in seinem Portfolio als Bobst“, stellte Dreistein fest und warf noch einen Blick in die nähere Zukunft. So bekomme die Expertfold mit der Expertfold 145/165 Ende November eine ‚große Schwester’ speziell für die Herstellung von Faltschachteln aus kaschierten Wellpappen und Wellpappe, für die es mit dem Impack Virtuo mit dem neuen MFI-Modul auch eine automatische Abpackhilfe für großformatige Faltbodenschachteln geben wird.

Ralf Scharf, Technical Sales Manager Folding Carton bei Baumer hhs, machte anhand des modularen Xtend2-Systems des Unternehmens das Anforderungsprofil an einen effizienten Leimauftrag inklusive Qualitätskontrolle in Hochleistungs-Faltschachtel-Klebemaschinen wie der Expertfold mit dem Ziel einer Null-Fehler-Produktion deutlich. Etwa eine flexible Anpassbarkeit an individuelle Anforderungen, ein hoher Bedienkomfort inklusive der Möglichkeit des Speicherns von Wiederholaufträgen, die Möglichkeit des Arbeitens mit Barcodes, statistische Auswertungen und Dokumentation sowie die Integration von Heißleim-Anwendungen seien für Kunden wichtige Punkte. Auch Baumer hhs entwickle seine Lösungen kontinuierlich weiter. So gebe es eine ganze Reihe kleinerer Neuerungen, die sich nahtlos in die Thematik der Faltschachteltage 2014 – die Steigerung der Effizienz in der Produktion von Faltschachteln – einreihten. Als Beispiele nannte er zusätzliche Halterungen für das ‚Parken’ nicht genutzter Ventile oder neue Schutzkappen für die Ventile, die jegliches Eintrocknen verhindern. Scharf: „Das alles sind kleine Details, die im Tagesgeschäft aber je nachdem große Wirkung erzielen.“

In den Feedback-Karten bestätigten die Besucher praktisch ausnahmslos, dass sie von der Veranstaltung für ihren Arbeitsalltag wertvolle Informationen und Anregungen mitnehmen konnten.


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BU: Bei den Faltschachteltagen 2014 von Bobst Meerbusch herrschte Ende September an allen drei Tagen großer Andrang. Neben Betriebs- und Produktionsleitern nahmen vor allem auch Maschinenführer teil.

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