Deutsch-italienische Partnerschaft
Pasta-Gourmets setzen auf „Made in Germany“

03.04.2019 Traditionsbewusste Italiener setzen für ihre hochwertigen Nudelprodukte auf deutsches Verpackungsmaschinen Know-how: Packreport über- zeugte sich vor Ort von der langfristigen Partnerschaft zwischen der La Molisana S.p.A. und der Rovema GmbH.

Die Verpackungsmaschinen von Rovema laufen beim italienischen Pasta-Hersteller rund um die Uhr.
© Foto: Rovema
Die Verpackungsmaschinen von Rovema laufen beim italienischen Pasta-Hersteller rund um die Uhr.

Rovema hat es geschafft: Ab sofort ist der deutsche Hersteller alleiniger Verpackungsmaschinenlieferant von La Molisana. Auf eine über 100-jährige Geschichte blickt der Pasta- Hersteller aus der gleichnamigen Region Molise bereits zurück. In Italien steht die landesweit bekannte und hoch angesehene Marke in erster Linie für hochwertige Nudelprodukte. Die Fabrik in Campobasso hat für den deutschen Maschinenhersteller Rovema mittlerweile eine herausragende Bedeutung als „Leuchtturm“ auf dem italienischen Verpackungsmaschinenmarkt. Die sowieso schon intensive Partnerschaft soll jetzt noch weiter ausgebaut werden: Bei Rovema freut man sich nicht nur über geplante Neuaufträge von La Molisana, sondern vor allem über die Möglichkeit, die eigenen Verpackungslinien auch anderen interessierten Produzenten vorstellen zu können.

In gerade einmal acht Jahren hat La  Molisana sein Marken-Image und Design fünfmal geändert. Aktuell setzt man auf eine matte Vorderseite und keine Farben auf den Seiten der Verpackung. Obwohl die matte Designvariante aus Sicht der Verpackungstechnologie nicht einfach umzusetzen war (sowohl im Hinblick auf die Maschinen als auch hinsichtlich des Folienlieferanten), entschied sich das Unternehmen für diese haptisch ansprechende Variante.

Dr. Flavio Ferro, Chief Operations Officer bei La Molisana, geht davon aus, dass schon bald wieder eine neue, einschneidende Veränderung beim Design ansteht: „Meiner Ansicht nach könnte schon in naher Zukunft eine Umstel­lung auf Papierverpackungen notwendig werden“, so der Betriebsleiter. „In Politik und Gesellschaft werden Kunststoffe zurzeit regelrecht dämonisiert – und wir verfolgen diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Wir können diese weltweite Kampagne gegen Kunststoffe nicht ignorieren, obwohl die Verwendung von Papier das Fällen von Bäumen erfordert.“ Ferro zieht einen interessanten Vergleich: Ähnlich wie der italienische Markt gerade eine erhöhte Nachfrage nach recycelbarem Papier als Verpackungsmaterial erlebe, habe sich auch die Diskussion bei den eigenen Rohmaterialien für die Pasta-Herstellung entwickelt. „In Italien­ haben sich zahlreiche Politiker und gesellschaftliche Gruppen gegen die Verwendung von kanadischem Weizen ausgesprochen, da dieser angeblich mit Glyphosat behandelt wird. Daraufhin erlebten wir eine starke Nachfrage nach italienischem Weizen.“ Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, hat La Molisana sein Marken-Image um den Slogan „Grano Italiano“ erweitert. Diese Betonung der einheimischen Herkunft des Getreides führte zu einem Wachstum auf dem nationalen Markt um 13 Prozent innerhalb von drei Monaten. „Wir müssen uns so schnell wie möglich auf Veränderungen einstellen“, so Ferro. „Wir haben innerhalb kürzester Zeit unser Image von weiß zu blau und wieder­ zurück zu weiß geändert – weil der Markt es erfordert hat!“

Die Systeme von Rovema spielen für La Molisana eine wichtige Rolle bei der Reaktion auf solch kurzfristige Umstellungen. „Wir wollen ­unseren Maschinenzulieferer standardisieren“, kündigt Ferro an. „Wir setzen ab sofort auf Rovema als alleinigen Partner für unsere Verpackungsmaschinen. Durch diese Vereinheitlichung erhoffen wir uns Vorteile bei den Ersatzteilen, aber auch in der Kommunikation: Wir müssen nur noch mit einem Unternehmen sprechen!“ Dr. Ferro erinnert sich auch heute noch gerne an den Beginn der Partnerschaft mit Rovema: „Im Jahr 2011 haben wir das Unternehmen erworben, das damals der Regionalregierung in Molise gehörte­. In der Produktionshalle fanden wir mehrere ältere Rovema-Anlagen vor, die als einzige das Blockbeutel-Format herstellen konnten­. Als neue Inhaber von La Molisana planten wir, die Pillow-Bags der Marke möglichst schnell zugunsten der Blockbeutel abzulösen.“

Zuverlässigkeit entscheidet

Dr. Ferro und sein Team nahmen deshalb Kontakt mit der italienischen Tochtergesellschaft von Rovema auf und vereinbarten zunächst eine Zusammenarbeit im Bereich der Ersatzteile. „Eine wichtige Tatsache haben wir sofort verstanden“, betont Ferro. „Nach zehn ­Jahren ohne­ jegliche Wartung waren die einzigen Verpackungslinien mit hoher Zuverlässigkeit diejenigen aus dem Hause Rovema. Gerade deswegen interessierten wir uns für eine intensivere Partnerschaft mit diesem Anbieter.“ Miguel Tortola ist Geschäftsführer von Rovema Italia und betreut den Schlüsselkunden La Molisana seit einem Jahr. Auch persönlich bedeutet ihm die Partnerschaft zum Gourmet-­ Pastahersteller viel: Selbst in Molise aufge­wachsen, kennt er die Familie von Dr. Ferro seit vielen Jahren. „Wir haben diese Zusammenarbeit auf dem richtigen Fuß gestartet“, unterstreicht er. „Natürlich diskutieren­ wir über Maschinenqualität und Effizienz, aber genauso wichtig ist das Vertrauen zwischen unseren beiden Unternehmen. Hier fühlen wir eine echte Verbindung! La Molisana ist heute ein Showcase unserer Anlagen – sogar für  dessen Mitbewerber auf dem italienischen Pasta-Markt.“

Die gewachsene Partnerschaft begründet sich auch aus den negativen Erfahrungen, die man bei La Molisana machen musste, während das Unternehmen auf dem heimischen Markt und international ein signifikantes Wachstum erlebte: „Die Zuverlässigkeit, die uns Rovema bieten konnte, war für uns entscheidend“, so Ferro. „In den acht Jahren seit unserer Übernahme probierten wir natürlich auch andere Anbieter für Blockbeutel. Heute können wir sicher sagen, dass die Zuverlässigkeit bei Rovema im Vergleich höher war.“

Bei La Molisana läuft die Produktion das gesamte Jahr über rund um die Uhr. Dies erfordert eine kontinuierliche und zuverlässige Produktion mit möglichst wenigen Stillstandzeiten. Die Italiener waren außerdem erfreut darüber, dass auch die deutsche Rovema- Zentrale Kontakt mit La Molisana aufnahm und ihre technische Expertise anbot. Hier legt Ferro besonderen Wert auf die Ausbildung der Maschinenführer: „Nur gut ausgebildete Maschinenführer können das volle  Potenzial einer Anlage abrufen. Dadurch vermeidet man auch Fehler, die für unser Unternehmen sehr kostspielig sein können. Heute befindet sich der Rovema-Service auf einem sehr hohen Niveau und die Zusammenarbeit läuft sehr glatt.“

 

Hochwertige Pasta ansprechend verpackt: Die Designs der Nudelverpackungen werden häufig angepasst. © Foto: La Molisana
Hochwertige Pasta ansprechend verpackt: Die Designs der Nudelverpackungen werden häufig angepasst.

Maßgeschneiderte Lösungen

Bei der Projektierung von neuen Verpackungslinien vertraut La Molisana auf die langjährige Erfahrung von Rovema. „Nicht immer können wir selbst beurteilen, wie die perfekte Lösung für einen bestimmten Prozess aussehen soll“, erklärt Ferro. „Wir setzen auf die Maschinenexpertise des Herstellers, um ein bestimmtes Layout wirklich zu verstehen und die Ideallösung für die jeweilige Produktionsumgebung zu finden. Bevor wir uns für den Kauf einer Anlage entscheiden, setzen wir uns also zusammen und definieren unsere genauen Ziele. Manchmal entscheiden wir uns ganz bewusst für eine Lösung, die mehr auf Zuverlässigkeit als auf Geschwindigkeit setzt!“

Als Maschinenhersteller ist Rovema im Lebensmittelverpackungssektor sehr aktiv und bietet u.a. Lösungen für Kekse, Nudeln, empfindliche Produkte, Pulver und Mehl. Gerade bei den Nudeln gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Formen von kurz bis lang und von sehr dünn bis dick. „Wir arbeiten für den italienischen Premium-Markt“, unterstreicht Ferro. „Wir haben daher eine Vielzahl an Formen im Portfolio, von denen einige besonders empfindlich sind. Entscheidend für uns ist es, das Brechen von einzelnen Nudeln im Abpackprozess so weit wie möglich zu verhindern.“ Auch hier können Rovemas Anlagen nach Überzeugung der italienischen Pasta-­ Experten punkten. Ein weiterer Pluspunkt der Rovema-Verpackungslösungen ist die hohe Produktschonung.

Italienische Pasta-Kunst trifft deutsches Maschinenbau-Know-how: Dr. Flavio Ferro (2. v.l.) mit Marketing-Direktorin Rossella Ferro und Kollegen. © Foto: Rovema
Italienische Pasta-Kunst trifft deutsches Maschinenbau-Know-how: Dr. Flavio Ferro (2. v.l.) mit Marketing-Direktorin Rossella Ferro und Kollegen.

Ausbringleistung verdoppelt

Schon seit Jahren läuft beim italienischen Pasta-­ Hersteller eine SBS 250 aus dem Hause Rovema. Diese Linie verfügt über eine Schlauchbeutelmaschine und bietet eine Ausbringleistung von max. 80 Beuteln pro Minute.

Mit dem Wachstum des Unternehmens mussten auch neue Produktionskapazitäten geschaffen werden. Erneut setzten die Italiener auf zwei Anlagen aus der SBS 250-Reihe – diesmal jedoch in High-Speed-Ausführung mit zwei Schlauchbeutelmaschinen und der doppelten Ausbringleistung von bis zu 160 Beuteln/min. Ein Hauptargument für den Erwerb dieser Maschine: bei einer nur geringfügig größeren Grundfläche erzielt sie die doppelte Ausbringleistung.

Mit der Anlage können nahezu alle heißsiegelfähigen Packstoffe verarbeitet werden – auch biologisch abbaubare und neue Packstoffe, die im Rahmen der aktuellen Umweltdiskussion zur Reduzierung von Plastik beitragen können. Hier sind an erster Stelle Packstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, z.B. Papier, zu nennen. Durch Umrüstsätze kann die Maschine auf die Verarbeitung dieser Packstoffe umgestellt werden, wobei die Möglichkeit erhalten bleibt, auch weiterhin die traditionellen mineralölbasierten Kunststoff-Folien zu verwenden. Damit ist die Investitionssicherheit für zukünftige Anwendungen sichergestellt.

Für den Premium-Pastahersteller hat das Thema Verpackung insgesamt eine enorme Bedeutung. Ferro geht davon aus, dass 75-80 Prozent des Erfolgs seines Unternehmens von der Verpackungsgestaltung abhängen. „Natürlich freuen wir uns darüber nicht gerade, da wir uns am liebsten über die Qualität unserer Produkte definieren wollen. Nichtsdestotrotz wird die Wahrnehmung beim Verbraucher von der Verpackung dominiert.“

Rovema baut jedenfalls fest auf seinen neuen italienischen „Leuchtturm.“ Die Möglichkeit, auch anderen Markeninhabern die laufenden Anlagen in Campobasso zeigen zu können, ist für den deutschen Maschinenhersteller ein Schlüssel für weitere Erfolge auf dem wichtigen italienischen Markt.


Erschienen in packREPORT Nr. 03/2019

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