Logimat 2019
Expresso: „Große Innovationen brauchen starke Partnerschaften“

27.12.2018 Expresso-CEO Alexander Bünz über schlanke Prozesse und neue Geschäftsmodelle im Interview.

Dr. Alexander Bünz, CEO von Expresso: „Entscheidende Basisfaktoren für unseren Erfolg sind die Offenheit im Denken und die Schnelligkeit bei der Umsetzung neuer Ideen und Prozesse.“
© Foto: Expresso
Dr. Alexander Bünz, CEO von Expresso: „Entscheidende Basisfaktoren für unseren Erfolg sind die Offenheit im Denken und die Schnelligkeit bei der Umsetzung neuer Ideen und Prozesse.“

Seit knapp vier Jahren ist Dr. Alexander Bünz der Geschäftsführer von Expresso. In dieser Zeit hat er die Intralogistik-Branche nicht nur mit unkonventionellen Denkansätzen verblüfft, sondern auch zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen von strategischer Tragweite erfolgreich umgesetzt. Im Vorfeld der Logimat 2019 gibt er nun erstmals tiefere Einblicke in die neuen Entwicklungsprozesse und Strukturen von Expresso. Lesen Sie, wie es dem Hersteller von Handhabungs- und Transportsystemen gelingt, kurze Innovationszyklen zu realisieren und sich zunehmend von Wettbewerb abzugrenzen.

Herr Dr. Bünz, sind Sie zufrieden mit der Geschäftsentwicklung in 2018?

Ja, sehr. Wir haben das bisher erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte absolviert und wichtige Grundlagen für weiteres Wachstum gelegt. Zudem liegen wir derzeit in allen von uns besetzten Märkten und Marktnischen hinsichtlich Produktqualität, Image und Marktanteilen unter den Top 3.

Seit etwa vier Jahren sind Sie nun CEO von Expresso. Wie hat sich ihr Unternehmen in dieser Zeit verändert?

Wir haben viele strategische Grundsatz-Entscheidungen in die Tat umgesetzt, um Expresso zu modernisieren, schlanke Prozesse zu realisieren und die Kundenorientierung weiter zu verbessern. Anstelle von drei agieren wir heute mit fünf Geschäftsbereichen, die als Profitcenter unter der Regie erfahrener Führungskräfte stehen. Dabei hat der Geschäftsbereich „Classic“ – hier geht es um unsere Sackkarren – den intensivsten Wandel durchlebt. Diese Cash Cow haben wir in ein agiles Produktuniversum verwandelt und mit neuen Mitarbeitern und Key Account Managern für das In- und Ausland gestärkt. In unserem Profitcenter „Dynamic“ – es repräsentiert die angetriebenen Handling- und Transportsysteme – treiben wir die modulare Standardisierung voran, und über alle Geschäftsbereiche hinweg haben wir neue Prozesse für die effiziente Produktentwicklung installiert. Nicht zu vergessen: Wir haben unsere Tochtergesellschaft in Singapur verkauft und in eine Vertriebspartnerschaft umgewandelt.

Wo sehen Sie heute die besonderen Stärken von Expresso?

Entscheidende Basisfaktoren für unseren Erfolg sind die Offenheit im Denken und die Schnelligkeit bei der Umsetzung neuer Ideen und Prozesse. Ob es um die Entwicklung unseres Shoppers mit integriertem Wiegesystem, einer Sackkarre für DHL oder neuer Gepäckwagen-Automaten geht oder um interne Projekte wie etwa die ERP-Einführung – wir sind immer fix und effizient. Als weitere Stärken sehe ich eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit und das gute kollegiale Miteinander. Es gelingt uns, die Erfahrung der älteren Kollegen mit der Neugier unserer vielen jungen Mitarbeiter zu verbinden.

Innovative Sackkarre: Der neue Aluminium-Treppensteiger aus dem Geschäftsbereich Classic von Expresso lässt sich dank seiner Dreirad-Achse selbst bei voller Beladung sicher und komfortabel über Stufen und Treppen rollen. Zur Beförderung im Pkw kann er platzsparend zusammengefaltet werden. © Foto: Expresso
Innovative Sackkarre: Der neue Aluminium-Treppensteiger aus dem Geschäftsbereich Classic von Expresso lässt sich dank seiner Dreirad-Achse selbst bei voller Beladung sicher und komfortabel über Stufen und Treppen rollen. Zur Beförderung im Pkw kann er platzsparend zusammengefaltet werden.

Mit welchen Eigenschaften versuchen Sie, sich vom Wettbewerb abzugrenzen?

Zum einen über die hohe Qualität unserer Produkte. Intralogistische Systeme von Expresso sind funktionell, robust, langlebig und sicher. Zum anderen punkten wir mit umfassenden Sonderbau- und Engineering-Kompetenzen, die wir – neben dem Geschäft mit Serienprodukten und Standardlösungen – weiter ausbauen werden. Damit gewährleisten wir, dass wir gemeinsam mit den Kunden Neues erdenken und kreative Partnerschaften eingehen können. Vor allem im Rahmen des expandierenden Projektgeschäfts. Wo andere Hersteller alle Viere von sich strecken, legen wir erst richtig los. Und wir liefern auch ab!

Sie haben Ihren Mitarbeitern zum Ziel gesetzt, alle paar Wochen eine Neuheit aus der Taufe zu heben – und tatsächlich präsentiert Expresso zu jeder Messe neue Produkte. Wie schaffen Sie es, dieses Innovationstempo aufrecht zu erhalten?

Das Bestreben, regelmäßig Innovationen zu schaffen, die in unseren Märkten einzigartig sind, gehört zu unserem unternehmerischen Erbgut. Mehr denn je sehen wir hier das Fundament für unseren Erfolg. Darauf aufsetzend, haben wir auf verschiedenen Ebenen neue Strukturen und Prozesse installiert, die innovatives Denken fördern und die Umsetzung neuer Produktideen beschleunigen.

Können Sie dafür einige konkrete Beispiele nennen?

Das Führungsteam von Expresso hat sich ins Heft geschrieben, stets innovativ und neugierig zu bleiben. Es ist in der Joachim Loh Gruppe, zu der wir ja gehören, und darüber hinaus bestens vernetzt. Das sorgt stets für frische Impulse. Die praktische Innovationsarbeit beginnt dann damit, dass wir uns hohe Ziele setzen und deren Umsetzung an fixe Termine binden – etwa Fachmessen – die wir als nicht verschiebbar erachten. Zudem leisten wir uns eine interne Denkfabrik, die auf Anregung der Vertriebsbereiche sehr kurzfristig Studien, Muster und Prototypen realisieren kann. Und nicht zuletzt haben wir uns mit Phönix und SPAZ zwei hocheffiziente Instrumente geschaffen, die die Realisierung innovativer Produktideen kanalisieren und beschleunigen.

Vielseitig einsetzbar: Der Balance Lift von Expresso– im Bild die pneumatische Stand-alone-Variante – ist ein flexibles Handhabungssystem für Produktion, Lager, Montage und Versand. Die Auswahl des Greif- oder Aufnahmemittel es richtet sich nach der Art der Last. © Foto: Expresso
Vielseitig einsetzbar: Der Balance Lift von Expresso– im Bild die pneumatische Stand-alone-Variante – ist ein flexibles Handhabungssystem für Produktion, Lager, Montage und Versand. Die Auswahl des Greif- oder Aufnahmemittel es richtet sich nach der Art der Last.

Phönix und SPAZ? Das müssen Sie uns bitte näher erläutern…

Phönix heißt unser neuer konsensbasierter Primärprozess in der Produktentwicklung. Als kreative Vorstufe der Konstruktion sieht er turnusmäßig Meetings von Vertretern aller Profitcenter vor, in denen neue Ideen präsentiert, strukturiert und projektiert werden. Der Maßstab dafür, ob eine Idee als innovativ eingestuft und weiter verfolgt wird, ist nicht nur ihre Einzigartigkeit, sondern auch ihre Relevanz für den Markt….

…das klingt aber eher nach einer Selbstverständlichkeit; was meinen Sie damit genau?

Unser Ideal ist es, repräsentative Intralogistik-Lösungen zu entwickeln, deren Bedeutung über eine Zielgruppe oder Branche hinaus reicht. Wir fragen daher immer nach dem Multiplikationspotenzial einer Idee. Und erst wenn sichtbar wird, dass mit ihrer Realisierung etwas wirklich Neues entsteht und sich vorhandene Prozesse, Produkte oder Dienstleitungen damit tatsächlich verbessern lassen, sprechen wir von Innovation. Die daraus abgeleitete Produkt- oder Systemlösung ist dann bestenfalls nur sehr schwer nachzuahmen – und Expresso der einzige Anbieter.

Und was verbirgt sich hinter der Bezeichnung SPAZ?

Das ist die humorvolle Kurzform für Schnellste-Produktentwicklung-Aller-Zeiten und bezeichnet einen weiteren neuen Entwicklungsmodus. Er ist anders ausgerichtet als Phönix. In einem SPAZ-Prozess zielt alles darauf ab, in kürzester Zeit mit höchster Prio eine bereits ausformulierte Idee bis zum marktreifen Produkt zu entwickeln – mit Hilfe aller Ressourcen und der flexiblen Zuarbeit mehrerer Geschäftsbereiche. Hierbei wenden wir auch agile Arbeitsmethoden wie das Design Thinking an, um über – zunächst ergebnisoffene – iterative Prozesse möglichst schnell voranzukommen. Diese Vorgehensweise führt nicht nur rasch zu realen Ergebnissen, sondern fördert auch das Selbstvertrauen aller Teilnehmer sowie das kollegiale Miteinander. Der neue Elektroantrieb „Impulse“ für unser mobiles Handhabungs- und Transportsystem lift2move ist beispielsweise das Resultat eines dreimonatigen SPAZ-Projekts.

Der neue Elektroantrieb „Impulse“ (Bildmitte) für das Handhabungs- und Transportsystem lift2move von Expresso ist das Resultat des neuen schnellen Entwicklungsprozesses SPAZ. © Foto: Expresso
Der neue Elektroantrieb „Impulse“ (Bildmitte) für das Handhabungs- und Transportsystem lift2move von Expresso ist das Resultat des neuen schnellen Entwicklungsprozesses SPAZ.

Was dürfen die Kunden – und ihre Wettbewerber – in Zukunft von Expresso erwarten?

Für uns steht fest, dass große Innovationen stets auf starken Partnerschaften – auch mit Wettbewerbern – beruhen. Deswegen werden wir unser bereits bestehendes Netzwerk mit marktführenden mittelständischen Firmen weiter ausbauen. Mit einigen Marktteilnehmern sind wir ja bereits im Geschäft. So etwa mit Smarte Carte, einem US-amerikanischen Gepäckwagen-Hersteller. Bei fast allen Wettbewerbern denken wir darüber nach, ob wir etwas gemeinsam auf die Beine stellen können – anstatt uns immer nur gegenseitig die Kunden abzujagen. Des weiteren fokussieren wir die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. So etwa ein an der Nutzungszeit orientiertes Pay-per-Use für Ladelifte und Sackkarren oder innovative Instandhaltungsdienste zum Condition Monitoring und zur Predictive Maintenance für Ladelifte. Hierbei wenden wir sowohl moderne Industrie 4.0-Technologien als auch IoT-Prinzipien praktisch an.

Werden die Besucher Ihres Messestandes auf der Logimat 2019 davon etwas zu sehen bekommen?

Auf jeden Fall! Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck an einem Lift2Move, der sich mittels moderner Sensorik in IoT-Umgebungen einloggen kann, an der weiteren IoT-Funktionalität unserer neuen Gepäckwagen-Automaten für Flughäfen – derzeit im Testlauf – und an der Umsetzung der ersten Sackkarre mit Geofencing-Diebstahlschutz. Als weitere Innovationen werden wir die neue Generation unseres sensorisch-intuitiven Antriebssystems touch2move für manuell geführte Flurförderzeuge präsentieren, und eventuell zeigen wir auch den neuen Typus eines Einkaufwagens, mit dem man seine Einkäufe ohne Wartezeit an der Kasse erledigen kann. Außerdem stellen wir auf der Logimat 2019 das Beispiel einer erfolgreichen Nischenlösungen vor: Die erste wirklich praxistaugliche Off-Road-Karre für das Imker-Handwerk.

Erfolgsprodukt: Das mobile Handhabungs- und Transportsystem Lift2Move von Expresso lässt sich dank modularer Bauweise flexibel an wechselnde Aufgaben oder geänderte Abläufe anpassen. © Foto: Expresso
Erfolgsprodukt: Das mobile Handhabungs- und Transportsystem Lift2Move von Expresso lässt sich dank modularer Bauweise flexibel an wechselnde Aufgaben oder geänderte Abläufe anpassen.

Und worüber würden Sie auf der Logimat in Stuttgart gerne reden?

Priorität auf meiner virtuellen Wunschliste hätten interessante Gespräche mit potenziellen Kooperationspartnern, die richtungsweisende Impulse geben für ein noch schnelleres Vorankommen in unseren drei derzeit wichtigsten strategischen Handlungsfeldern Entwicklung, Service und E-Commerce.

Eyecatcher zur Logimat 2019: Auf seinem Stand präsentiert der Geschäftsbereich Classic von Expresso eine topaktuelle Designstudie für eine neue Generation von Stapelkarren. © Foto: Expresso
Eyecatcher zur Logimat 2019: Auf seinem Stand präsentiert der Geschäftsbereich Classic von Expresso eine topaktuelle Designstudie für eine neue Generation von Stapelkarren.


Expresso auf der Logimat 2019: Halle 7, Stand A31

stats