„Stresstest Mittelstand 2020“
Corona: Verpackungsmaschinenbauer müssen sich auf gravierende Veränderungen einstellen

24.06.2020 Die aktuelle Studie „Stresstest Mittelstand 2020“ von Munich Strategy, einer Strategieberatung für den Maschinenbau, zeigt: 45 % der Unternehmen sind demnach über Nacht bedroht. Der deutsche Mittelstand steht vor einer historischen Neuordnung. Branchenspezifisch stellt sich die Frage: Was sind die konkreten Auswirkungen der COVID-19-Krise auf das Wettbewerbsumfeld der Verpackungsmaschinenhersteller - und welche Gewinner- und Verliererpositionen ergeben sich daraus?

Die Dreiklassengesellschaft des deutschen Verpackungsmaschinenbaus
© Foto: Munich Strategy
Die Dreiklassengesellschaft des deutschen Verpackungsmaschinenbaus

In einer umfassenden Wettbewerbsanalyse hat Munich Strategy 27 Wettbewerber aus dem Verpackungsmaschinenbau näher betrachtet. Die analysierten Unternehmen stammen aus allen Subsegmenten der Verpackungsmaschinen und wurden hinsichtlich ihres Umsatzwachstums, ihrer Ertrags- und ihrer Eigenkapital-Quote analysiert.

Die Unternehmen des deutschen Verpackungsmaschinenbaus lassen sich laut Munich Strategy auf Basis ihrer Kennzahlen drei verschiedenen Leistungsklassen zuordnen (siehe Grafik):

  1. Leuchttürme: Die Wachstumsstars des deutschen Verpackungsmaschinenbaus sind klare Performance-Leader mit nachhaltigem, überdurchschnittlichem Umsatzwachstum und hohen Ertragsquoten.  
  2. Kompaktklasse: Rund die Hälfte der deutschen Verpackungsmaschinenhersteller sind solide aufgestellt, zeigen jedoch keine herausragende Performance-Entwicklung.
  3. Low Performer: Ein Drittel der mittelständischen deutschen Verpackungsmaschinen-hersteller weisen deutliche und nachhaltige Performance-Defizite auf.

Zentrale Beobachtungen der aktuellen Studie sind:

1. Durch Umsatzzuwächse von > 6 % p.a. der letzten Jahre und eine durchschnittliche EBIT-Quote von ~5 % gehen die deutschen Verpackungsmaschinenhersteller stark in die Krise. Treiber dieser Entwicklung waren u.a. die hohe Nachfrage aus dem Markt und die zunehmende Erschließung internationaler Absatzmärkte. Zu Beginn dieses Jahres hatten viele Unternehmen gut gefüllte Auftragsbücher mit einer Reichweite von fünf Monaten und mehr.

2. Leuchtturm-Unternehmen haben die Marktbedingungen für sich genutzt. Sie weisen eine hohestrategische Fokussierung auf, konnten in den vergangenen Jahren mit rd. 10 % p.a. wachsen und ihre Profitabilität jährlich um > 10% steigern. Leuchttürme haben in der Krise die Chance, aktiv zu konsolidieren.

3. Die Kompaktklasse hat in den vergangenen Jahren kontinuierliche Einbußen in der Profitabilität verzeichnet, erweist sich aber bei der Eigenkapitalquote als konstant robust und hat somit in der Krise eine solide Ausgangsposition. Jedoch könnten einige der Unternehmen in der COVID-19-Krise zu „Wackelkandidaten“ werden, wenn bestimmte Faktoren (z.B. geringe strategische Fokussierung oder einseitige Exporttätigkeit) aufeinandertreffen.

4. Zwei Drittel der Low Performer haben keinen klaren Produkt- und/oder Branchenfokus. Durch ihre mangelnde Differenzierung stehen sie im Wettbewerb mit internationalen (Low Cost) Anbietern und haben eine höhere interne Komplexität zu managen. Die Folge sind eine unterdurchschnittliche Umsatz- und Ertragsentwicklung. Für sie geht es in der Krise darum, das eigene Überleben zu sichern.

Die deutschen Verpackungsmaschinenhersteller gehen stark in die Krise

Ausblick: Obwohl sich der Verpackungsmaschinenbau in einer komfortablen Ausgangssituation befindet, müssen sich die Hersteller auf gravierende Veränderungen durch COVID-19 einstellen.

  1. Die deutschen Verpackungsmaschinenhersteller gehen stark in die Krise. Speziell die größten Abnehmersegmente Nahrungsmittel und Pharma weisen eine hohe Krisenresistenz auf und helfen Verpackungsmaschinenherstellern, auch in kritischen Zeiten stabile Absätze zu generieren.
  2. Herausforderungen durch die COVID-19-Krise werden vor allem in der eigenen Organisation (z.B. neue Hygieneanforderungen, Mehraufwendungen in der Produktionsorganisation) sowie den Geschäftsabläufen (z.B. Supply Chain, Aftersales Service) auf die Unternehmen zukommen.
  3. Die von der Politik durch Abschottung, Handelsabkommen und Protektionismus verursachte Unsicherheit im Welthandel wird durch die COVID-19-Krise weiter verstärkt. Die daraus resultierende internationale Neuordnung wird die Verpackungsmaschinenbranche nachhaltig verändern und verlangt nach neuen Wegen, die globalen Absatzmärkte zu bedienen.

www.munich-strategy.com


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