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Industrie 4.0 in Zeiten des Coronavirus

20.03.2020 Die Bereitstellung von Support- und Wartungsdienstleistungen, auch im Ausland, erscheint beinahe unmöglich, wenn selbst das Erreichen des eigenen Arbeitsplatzes zur komplizierten Herausforderung wird. Dennoch sind die italienischen Hersteller von Verpackungs-, Druck- und Converting-Maschinen (die etwa 60 Prozent ihrer Produktion exportieren) erfolgreich in dieser Hinsicht.

Aldo Peretti, Präsident von ACIMGA, äußert sich zur Corona-Krise.
© Foto: ACIMGA
Aldo Peretti, Präsident von ACIMGA, äußert sich zur Corona-Krise.

Modernste Technologien, eingebaute Sensoren und die besonders wichtige Konnektivität mit und zwischen den Maschinen sind für die italienischen Hersteller eine mächtige Waffe gegen Covid-19 und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.

Wie die Industrie mit dem Coronavirus-Notfall umgeht

Nach ersten aktuellen Erhebungen, die mit Hilfe einer Umfrage von ACIMGA (dem Verband, der die Hersteller von Maschinen für die grafische Industrie, die Papierindustrie und die Converting-Industrie vertritt), berichten etwa zwei von drei Unternehmen in der Branche über keinen Anstieg der Abwesenheitsrate des Personals aufgrund von Krankheit, Streiks oder Schwierigkeiten beim Pendeln zur Arbeitsstelle. Fast neun von zehn Unternehmen haben keine Betriebsferien angeordnet. Bei einem Anhalten der Krise könnten die Zahlen jedoch steigen (50 % beabsichtigen in diesem Szenario, auf soziale Sicherheitsnetze zurückzugreifen).

Die Situation ist anders, wenn wir den Maschinenbau direkt betrachten. Etwa jedes dritte Unternehmen sieht einen Rückgang der Produktion um 50 bis 75 %; jedes vierte berichtet von einer Verlangsamung zwischen 25 und 50 %. Andererseits spürt etwa jedes zehnte Unternehmen gar keine Auswirkungen und jedes dritte Unternehmen erlebt nur einen leichten Produktionsrückgang (von 0 bis 25 %). Dieser offensichtliche Widerspruch zwischen der Präsenz von Mitarbeitern und der Produktionskapazität lässt sich durch einen Rückgang der Aufträge, die Schwierigkeit, Kunden innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen zu erreichen, und einen Rückgang der ausländischen Käufer erklären.

In diesem Szenario erleidet die Hälfte der Unternehmen einen Umsatzrückgang von mindestens 20 %, jedes vierte Unternehmen sieht keine größeren Auswirkungen auf die Bilanz, während 19 % erhebliche Verluste (mindestens 50% der Einnahmen) verzeichnen. Es wird jedoch allgemein erwartet, dass sich die Situation noch verschlimmern wird, sollte die Krise ein ganzes Quartal lang andauern – 94% der Befragten glauben, dass in diesem Fall die Verluste zwischen mindestens 20 % und 50% der Gesamteinnahmen liegen könnten.

Industrie 4.0 bietet große Hilfestellung

"Es ist eine schwierige Lage“, erklärt Aldo Peretti, Präsident von ACIMGA. „Unsere Techniker und Verkäufer dürfen nicht verreisen. Glücklicherweise haben sich viele Unternehmen dank der Industrie 4.0 längst mit Kapazitäten zur Fernwartung ausgerüstet. Viele italienische Maschinen sind mit Fernüberwachungssensoren ausgestattet; zahlreiche Unternehmen verfügen über Preventive Maintenance, um Produktionsstillstände und Ausfälle zu vermeiden. Dank dieser Dienstleistungen können wir sicherstellen, dass die Verpackungsmaschinen im Fall von Problemen nicht stehen bleiben. Dies ist nicht mehr nur eine kommerzielle, sondern fast schon eine soziale Dienstleistung. Die Lebensmittel- und Arzneimittelversorgungskette darf nicht unterbrochen werden. Dazu müssen auch wir unseren Teil beitragen. Jetzt, da sich die Krise auf ein globales Ausmaß ausgedehnt hat, muss Italien so schnell wie möglich aus ihr herauskommen und zur Aufrechterhaltung der Lieferketten in der ganzen Welt beitragen. Aus diesem Grund hat ACIMGA gemeinsam mit Federmacchine und Confindustria die zuständigen Ministerien gebeten, so schnell wie möglich einen international anerkannten medizinischen Pass auszustellen, der die Gesundheit unserer Techniker bescheinigt. Wenn, hoffentlich bald, die Ansteckungskurve in Italien zu sinken beginnt und sich der Rest Europas noch mitten in der Krise befindet, wird uns dies die Wiederaufnahme der derzeit in der Warteschleife befindlichen Maschineninstallationen und bei Bedarf auch die Unterstützung vor Ort außerhalb Italiens ermöglichen. Wir werden dafür sorgen, dass die Lieferkette für Verpackungen, die heute wichtiger denn je ist, nicht an anderer Stelle unterbrochen wird, und wir werden der Branche neue Impulse geben.“

www.acimga.it
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