Quo vadis, Messelandschaft
Messegesellschaften hoffen auf ein besseres Jahr

12.01.2021 Verschoben, nochmals verschoben, abgesagt. Ein Blick in die Messekalender zeigt im von der Corona-Pandemie geprägtem Jahr 2020 viele leere Stellen. Es bleibt die Hoffnung auf das neue Jahr. Der packREPORT sprach mit Auma-Geschäftsführer Jörn Holtmeier über Umsatzeinbußen und Chancen.

Mit dem Konzept des B-Safe4business Village zeigt die Koelnmesse wie Messen in Corona-Zeiten funktionieren können.
© Foto: Koelnmesse / Harald Fleissner
Mit dem Konzept des B-Safe4business Village zeigt die Koelnmesse wie Messen in Corona-Zeiten funktionieren können.

Deutschland ist nicht nur ein Land der Autobauer, sondern auch ein Land der Messen. In einem Jahr, das von Einschränkungen und Lockdowns geprägt war, hinterlässt das Spuren. Gewaltige. Von über 360 geplanten internationalen und regionalen Messen wurden im Jahr 2020 über 70 Prozent abgesagt oder in das nächste Jahr verschoben, erläutert Jörn Holtmeier. Der Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft Auma befürchtet, dass der Umsatz der Messeveranstalter wohl um fast drei Viertel sinken wird. Konkrete Zahlen hat Holtmeier auch parat: „Normalerweise trägt die Durchführung von Messen rund 28 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung bei“, sagt er. „Davon werden nur rund 6 Milliarden übrigbleiben.“ Die Auswirkungen seien auch für viele andere Branchen spürbar, vor allem für den Messebau, aber auch für Hotels und Gastronomie in den Messestädten, für Spediteure, Taxifahrer oder den örtlichen Einzelhandel.

Es ist nicht nur der Blick ins Portemonnaie, der den ausstellenden Unternehmen Sorge bereitet. Auch der soziale Kontakt fehlt. Rund drei Viertel der Firmen beklagen fehlende Möglichkeiten zur Gewinnung neuer Kunden, 84 Prozent das fehlende Networking mit Besuchern und anderen Ausstellern. Rund 60 Prozent vermissen die Chance zur realen Präsentation neuer Produkte. Das geht aus einer Befragung hervor, die der Auma im Oktober 2020 gemeinsam mit den Verbänden VDMA, ZVEI und Spectaris für die Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik und Elektronik sowie Optik, Photonik und Medizintechnik organisiert hatte. Knapp über die Hälfte der Firmen vermissen außerdem die Vertriebsmöglichkeiten über Messen sowie den Überblick über Neuigkeiten in der Branche – auch im Sinne der Wettbewerbsbeobachtung. Und dann fällt der Blick doch ins Portemonnaie: Wirtschaftliche Einbußen durch ausgefallene Messebeteiligungen haben über 40 Prozent der befragten Firmen erlitten. „Viele Unternehmen sind dringend darauf angewiesen, dass Messen in absehbarer Zeit wieder stattfinden können“, sagt Holtmeier.

Verstärkte Wiederaufnahme des Messegeschäfts ab Q2

Solch ein Jahr lässt Unternehmen aber auch kreativ werden. Angesichts abgesagter Messen stiegen viele Aussteller auf digitale Angebote um, um über ihre Produkte und Dienstleistungen zu informieren. „Aber rein digitale Formate werden nach meiner Einschätzung kein Zukunftsmodell sein“, so Holtmeier. So würden viele Firmen berichten, dass es schwierig sei, digital neue Kunden zu gewinnen oder sie von der Qualität neuer Produkte zu überzeugen. Holtmeier ist überzeugt, dass „starke reale Messen“ auch in Zukunft nötig sind. „Sie werden aber in nächster Zeit als Hybrid-Events oft durch digitale Elemente ergänzt werden, denn die Reisebeschränkungen, oft auch durch die Firmen selbst, führen dazu, dass nicht alle bisherigen Messeteilnehmer anreisen können“, so der Auma-Geschäftsführer. Einen Zusatznutzen hat das digitale Angebot aber: Man könne durch digitale Ergänzungen Teilnehmer gewinnen, die bisher gar nicht gekommen seien und so nun auch mit der realen Messe in Kontakt kämen, so Holtmeier.

Wird es dieses Jahr denn nun besser? Messeveranstalter blicken laut Auma mit vorsichtigem Optimismus auf das daliegende Jahr 2021. Holtmeier rechnet damit, dass die Wiederaufnahme des Messegeschäfts in größerem Umfang erst im zweiten Quartal beginnen wird. Das Niveau des Jahres 2019 wird die Messewirtschaft wohl nicht erreichen. „Es wird im Laufe des Jahres aber starke Zeichen der Erholung geben,“ prognostiziert Holtmeier, „vor allem bei Messen mit eher regionalem und nationalem Charakter, aber auch zunehmend bei internationalen Messen.“

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