China als Handelspartner
Ende der Win-Win-Situation für Maschinen- und Anlagenbau

23.12.2020 Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau gerät aufgrund Chinas Strategie „Made in China 2025“ unter Konkurrenzdruck. Eine neue Studie untersucht verschiedene Szenarien bis zum Jahr 2030: Die Unternehmen in Europa können weiterhin vom Aufschwung der Volksrepublik profitieren, aber es wächst die Gefahr sinkender Exporte nach Fernost. Dies teilte der VDMA mit.

China plant mit der Strategie "Made in China 2025" zu einer führenden Industriemacht aufzusteigen.
© Foto: imago images / Xinhua
China plant mit der Strategie "Made in China 2025" zu einer führenden Industriemacht aufzusteigen.

China hat als Exportmarkt eine enorme Bedeutung für den Maschinen- und Anlagenbau, die Volksrepublik liefert sich seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den USA um den Spitzenplatz in der Export-Rangliste. Zugleich wird die Volksrepublik, angetrieben durch ihre Strategie „Made in China 2025“, mit der das Land zu einer führenden Industriemacht werden will, weltweit zu einem immer stärkeren Wettbewerber für die Maschinenbauer aus Deutschland und Europa.

Die Studie „Was Chinas Industriepolitik für die deutsche Wirtschaft bedeutet - Szenarien für ‚Made in China 2025‘ am Beispiel des deutschen Maschinenbaus“ von der Bertelsmann-Stiftung, des Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie dem VDMA analysiert in mehreren Szenarien die Entwicklung bis zum Jahr 2030. Das Kernergebnis lautet: Wenn das Wachstum des chinesischen Maschinenmarkts wie in den vergangenen Jahren anhält, wird der Maschinen- und Anlagenbau auch im Jahr 2030 noch ein hohes Exportvolumen in die Volksrepublik erzielen. „Allerdings werden die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen“, sagt Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft. „Auch die für uns positiven Szenarien deuten auf eine Stagnation der Maschinenexporte nach China ab Mitte des Jahrzehnts hin.“ Und es gebe dann keine Win-Win-Situation mehr für alle: Sollte China es schaffen, bis 2025 das angestrebte hohe Technologieniveau zu erreichen, könnten die Maschinenbauexporte aus Deutschland ab Mitte des Jahrzehnts wieder auf das Exportniveau des Jahres 2019 sinken, so ein Ergebnis der Studie.

Studie zeigt Szenarien mit unterschiedlichen Folgen für den Maschinen- und Anlagenbau

Baseline-Szenario: „Made in China 2025“ wird für China nur ein Teilerfolg. In diesem Szenario kann der deutsche Maschinenbau in den ersten drei bis vier Jahren des Jahrzehnts mit einem weiteren Anstieg der Exporte nach China rechnen. Ab 2025 stagnieren die Exporte dann.

„Made in China 2025“ wird für China ein voller Erfolg: In den Szenarien, die von einem vollen Erfolg der Strategie „Made in China 2025“ ausgehen, ist mit einem signifikanten Markteinbruch deutscher Maschinen- und Anlagenbauer bis ins Jahr 2030 zu rechnen (Exportvolumen 2030: 13 Milliarden Euro gegenüber 18 Milliarden Euro in 2019).

„Made in China 2025“ wird für China kein Erfolg: Bei einem Scheitern der Strategie „Made in China 2025“ kann der Maschinen- und Anlagenbau aus Deutschland mit einem langfristig starken Wachstum der Exporte nach China rechnen. So sind Entwicklungen möglich, die bis 2030 fast zu einer Verdopplung des Exportvolumens gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 führen können (34 Milliarden Euro gegenüber 18 Milliarden Euro).

Gesamterkenntnis der Szenario-Studie ist düster

„Das ewige Wachstum auf dem chinesischen Markt dürfte ein Ende finden“, sagt Ackermann. Die Unternehmen könnten zwar noch einige Jahre mit einem Exportwachstum rechnen, aber der Umfang werde tendenziell sinken. „Es gilt daher, die eigene Abhängigkeit vom chinesischen Markt ständig im Blick zu haben und sich darauf vorzubereiten, rechtzeitig alternative Wachstumsmärkten in Asien zu erschließen“, erläutert der VDMA-Außenwirtschaftsleiter. Darüber hinaus gelte, dass die mit ausreichend guter Technologie antretenden und viel kostengünstigeren chinesischen Wettbewerber sehr erfolgreich auf vielen Schwellenländermärkten sein werden. „Und am Horizont ist auch bereits auf dem europäischen Heimatmarkt der chinesische Wettbewerber zu erkennen“, sagt Ackermann.

Konsequenzen für die Politik

Man brauche eine gemeinsame EU-Strategie, wie man China künftig begegnen wolle und diese sollte möglichst mit den USA abgestimmt werden, so Ackermann. „Es geht dabei insbesondere um einen erfolgreichen Abschluss des EU-China-Investitionsabkommens mit Verbesserungen beim Marktzugang und Angleichung der Wettbewerbsbedingungen für europäische Unternehmen in China“, erläutert Ackermann weiter. Auch müssten Abkommen über Standards auf dem Feld des Schutzes von geistigem Eigentum und des Datenschutzes geschlossen werden, so seine Forderung. Deutschland und die EU müssten darüber hinaus ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dabei gehe es um die Stärkung der Wirtschaftsstandorte Deutschland und Europa zum Beispiel durch Förderung von Forschung, Entwicklung, Bildung und Digitalisierung. Auch sollte endlich der Abbau der Bürokratie, die das innovative Unternehmertum lähmt, ernsthaft vorangebracht werden.

„Solange es kein Level-Playing-Field auf dem chinesischen Markt und auf den internationalen Märkten gibt, muss sich die EU auch vor unfairem Wettbewerb schützen“, fügt Ackermann hinzu. Das bedeute zum einen die Nutzung der bestehenden handelspolitischen Schutzinstrumente. Zum anderen gehe es um den Schutz vor Wettbewerbsverzerrungen durch subventionierte Unternehmen auf dem EU-Binnenmarkt, den Zugang zu den öffentlichen Beschaffungsmärkten der EU und gleiche Wettbewerbsbedingungen bei der Exportfinanzierung.

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