BMK / Coca Cola
Studie und Diskussion zum Flaschenpfand

04.02.2020 In einer vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), Österreich, 2019 beauftragten und Anfang 2020 im zuständigen Beirat präsentierten Studie, durchgeführt von einem Konsortium des Technischen Büros Hauer, der Universität für Bodenkultur und der Montanuniversität Leoben, wurden Handlungsoptionen zur Erreichung der Sammelquoten erhoben und die dafür erforderlichen Aufwendungen berechnet.

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Die Single-Use-Plastic-Richtlinie der Europäischen Union sieht vor, dass Getränkeflaschen aus Kunststoff (derzeit werden in Österreich rund 1,6 Milliarden jährlich in Verkehr gesetzt) bis zum Jahr 2025 zu zumindest 77 % und bis zum Jahr 2029 zu zumindest 90 % getrennt gesammelt und recycelt werden müssen. Aktuell beträgt die Sammelquote 70 %.

Nach der Studie des BMK ist eine Steigerung der getrennten Sammlung von Kunststoffverpackungen im erforderlichen Ausmaß nicht zu erwarten, sodass jedenfalls zusätzliche Massen aus dem Restmüll aussortiert werden müssten. Bei einer deutlichen Erhöhung der getrennten Sammlung von Kunststoffen und einer massiven Verbesserung der Sortierung müssten zusätzlich rund 75 % oder bis zu 1 Million Tonnen des gesamten österreichischen Siedlungsabfalls zusätzlich sortiert werden. Die Studie zeigt weitere Handlungsoptionen auf, die zur Erreichung der EU-rechtlichen Vorgaben beitragen könnten: 

  • Variante 1: Intensivierung der getrennten Sammlung und ergänzende Sortierung aus gemischten Siedlungsabfällen
  • Variante 2: Massive Intensivierung der getrennten Sammlung und ergänzende Sortierung aus gemischten Siedlungsabfällen (Vorschlag des größten Sammel- und Verwertungssystems, der ARA AG)
  • Variante 3: Pfand auf Gebinde kleiner 1,0 Liter, Intensivierung der getrennten Sammlung und ergänzende Sortierung aus gemischten Siedlungsabfällen
  • Variante 4: Pfand auf alle Kunststoffgetränkeflaschen

Vergleiche mit internationale Erfahrungen zeigen, dass ein Pfand auf Einweg-Kunststoff-Getränkeflaschen (Variante 4) die kostengünstigere Maßnahme darstellt, getrennte Sammelquoten von 90 % zu erreichen. Zudem kann damit auch dem achtlosen Wegwerfen (Littering) wirkungsvoll entgegenwirkt werden.

Coca-Cola befürwortet Pfand-Debatte – mit Stakeholdern und Industrie

Wie ORF.at berichtet, sind die Nachhaltigkeitsziele von Coca-Cola bei der Sammlung von PET ambitionierter als die Vorgaben der EU: Während die EU bis 2029 eine PET-Sammelquote von 90 Prozent und einen Recyclingmaterial-Anteil von 30 Prozent bis 2030 anpeilt, will Coca-Cola mehr: Nämlich eine Sammelquote von 100 Prozent (PET, Glas, Dose etc) und einen Recyclinganteil von 50 Prozent im gesamten Portfolio. Diesem Ziel widmet Coca-Cola ein globales Programm: „World Without Waste – eine Welt ohne Abfall“.

Philipp Bodzenta, Unternehmenssprecher von Coca-Cola Österreich, sagt dazu: „Coca-Cola befürwortet die Diskussion um ein Pfand auf Einwegflaschen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es sicherzustellen, dass die Industrie und alle Stakeholder voll eingebunden werden, höchste Effizienz gewährleistet ist und ein angemessenes Pfand gewählt wird, um einem Plastiktourismus – ähnlich dem Tanktourismus – vorzubeugen. Wir möchten auch all unsere Erfahrung aus mehr als 130 Jahren Firmengeschichte und unsere österreichischen und internationalen Experten mit einbringen, damit wir das hohe Ziel von 100 Prozent Sammelquote bis 2030 erreichen.“

Die zuständige Bundeministerin Leonore Gewessler und Staatssekretär Magnus Brunner werden angesichts der Ergebnisse der Studie einen Runden Tisch mit den Vertretern der Wirtschaft, der Interessenvertretungen und weiteren Akteuren einberufen. Die Handlungsoptionen zur Erreichung der Sammelquoten, zu denen Österreich verpflichtet ist, müssen auf Basis der wissenschaftlichen Ergebnisse mit allen Stakeholdern analysiert werden. Wie im Regierungsprogramm vorgesehen, wird der Ausbau von Mehrwegsystemen als ökologisch vorteilhafteste Variante für Getränkeverpackungen jedenfalls eine Rolle dabei spielen.
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