Europäisches Parlament
Bericht des Parlaments erkennt Potenzial von Biokunststoffen an

14.09.2018 Der vom Europäischen Parlament im Plenum beschlossene Bericht zur europäischen Plastikstrategie ist ein weiteres Indiz dafür, dass das Potenzial von Biokunststoffen zunehmend anerkannt wird.

 Weltweit machen Kunststoffe einen Anteil von 85 Prozent der Abfälle an Stränden aus.
© Foto: pixabay / RitaE
Weltweit machen Kunststoffe einen Anteil von 85 Prozent der Abfälle an Stränden aus.

Berichterstatter Mark Demesmaeker betonte den Beitrag von biobasierten Kunststoffen sowie biologisch abbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen zu einer starken, kreislaufwirtschaftlichen Bioökonomie in der EU.

“Der Bericht erwähnt nicht nur die Bedeutung von biobasiertem Kunststoff für eine künftige Rohstoffdiversifizierung in der Kunststoffproduktion, sondern betont auch die transformative Rolle von biobasierten Kunststoffprodukten, die sich bereits am Markt finden“, kommentiert Hasso von Pogrell, Geschäftsführer von European Bioplastics (EUBP). “Darüber hinaus ist der Ruf der Parlamentarier nach klaren Kriterien für die Nutzung von bioabbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen von großer Relevanz. Die Verwendung solcher Kunststoffe für Nahrungsmittelverpackungen kann zu einer deutlichen Ausweitung des organischen Recyclings führen und somit helfen, die Kreislaufwirtschaft in Europa zu stärken“, erklärt von Pogrell weiter.

Biokunststoffe bieten zwei transformative Aspekte am Anfang und am Ende von Produktlebenszyklen. Die Nutzung biobasierter Ressourcen erweitert die Auswahl an Rostoffen, die für die Produktion von Kunststoffen zur Verfügung stehen. Dadurch wird der progressive Übergang von einer fossilen Wirtschaft hin zur Bioökonomie mit drastisch reduzierten CO2-Emissionen ermöglicht und die Abhängigkeit der EU von importierten, fossilen Rohstoffen verringert.

Mit Blick auf das Lebensende eines Produktes ist die Eigenschaft der biologischen Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit gemäß harmonisierter europäischer Norm (EN 13432) eine Schlüsseleigenschaft für eine Auswahl an Produkten. Die entsprechenden Kunststoffe können mit Hilfe von Mikroorganismen vollständig zu CO2, Wasser und Biomasse verstoffwechselt werden. Nutzt man sie für Verpackungen im Lebensmittelbereich, so fördern biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe die Getrenntsammlung und -entsorgung von Bioabfällen und somit die Erhaltung eines wertvollen Sekundärrohstoffes. Sie tragen somit direkt zur Etablierung der Kreislaufwirtschaft bei. In anderen Zusammenhängen, jenseits der industriellen Kompostierung, kann biologische Abbaubarkeit ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. In der Landwirtschaft können Mulchfolien, die gemäß der Norm EN 17033 als biologisch abbaubar im Boden zertifiziert sind, die Akkumulation von Kunststoff in der Erde vermeiden. Auch in Hinblick auf aquatische Ökosysteme könnte es in Zukunft bestimmte biologisch abbaubare Anwendungen geben, zum Beispiel im Bereich der Fischerei und Aquakultur.

Schließt an frühere Initiativen an

Der Bericht des europäischen Parlaments zur Plastikstrategie schließt an frühere Initiativen der Kommission und des Parlaments wie die Maßnahmen des Kreislaufwirtschaftspaketes, sowie kürzlich beschlossene Bestimmungen in der Abfallrahmenrichtlinie und der Verpackungsverordnung an.

“Die europäischen Institutionen betrachten Biokunststoffe mittlerweile differenzierter und erkennen, wie sie zur Kreislaufwirtschaft beitragen,” analysiert von Pogrell. “Insbesondere bezüglich der Bioabbaubarkeit und Kompostierbarkeit ist es wichtig, genau zu definieren, welche Erwartungen für die jeweilige Anwendung in einer bestimmten Umgebung bestehen, und ob es bereits entsprechende einschlägige Normen gibt”. Mit Blick auf den Entwurf für eine Verordnung zum Thema Meeresvermüllung und Einwegprodukte stellt von Pogrell fest: “Biologische Abbaubarkeit kann relevant im marinen Umfeld sein, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen und für eine klar zu definierende Reihe von Produkten. Sie schafft keine Abhilfe bei der Vermüllung und ist auch kein Argument für die exzessive Herstellung von Einwegprodukten. Daher fordern wir einen differenzierten Ansatz und möchten die Kommission sowie das Parlament dazu anhalten, sich der Thematik mit einem detaillierten Gutachten zu widmen.”

EUBP freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit den EU-Institutionen und allen anderen relevanten Interessengruppen und wird in den anstehenden Diskussionen rund um die Themen Einwegprodukte, Kreislaufwirtschaft sowie die überarbeitete EU Bioökonomiestrategie sicherstellen, dass die Erkenntnisse zu biobasierten und biologisch abbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen im nächsten Schritt weiterentwickelt und in konkrete Maßnahmen umgewandelt werden.

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