Europäische Kommission
Allianz für die Kunststoffkreislaufwirtschaft

21.12.2018 Die Europäische Kommission hat den Startschuss für eine Allianz der wichtigsten Industrieakteure gegeben, die die gesamte Wertschöpfungskette für Kunststoffe abdecken. Die Allianz ist Teil der anhaltenden Bemühungen der Kommission, die Vermüllung mit Kunststoffen zu verringern, den Anteil an recycelten Kunststoffen zu erhöhen und Marktinnovation zu fördern.

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Vor dem Hintergrund der Bemühungen der Kommission, den Übergang Europas hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, wird die Allianz für die Kunststoffkreislaufwirtschaft das Ziel verfolgen, die Wirtschaftlichkeit und Qualität des Kunststoffrecyclings in Europa zu verbessern. Die Allianz wird insbesondere das Angebot von und die Nachfrage nach recycelten Kunststoffen besser aufeinander abstimmen. Hierbei handelt es sich um das Haupthindernis für einen gut funktionierenden EU-Markt für recycelte Kunststoffe. Mit dieser neuen Initiative will die Kommission einen Beitrag zu dem in der europäischen Strategie für Kunststoffe festgelegten Ziel leisten, bis 2025 mindestens 10 Mio. t recycelte Kunststoffe in neuen Produkten auf den EU-Markt zu bringen.

 

Der für nachhaltige Entwicklung zuständige Erste Vizepräsident Frans Timmermans erklärte: „Wenn wir eine echte Kunststoffkreislaufwirtschaft erreichen und dafür sorgen wollen, dass recycelte Kunststoffe ihren Weg in neue Produkte anstatt in Deponien oder Verbrennungsanlagen finden, ist eine enge Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Glieder der Wertschöpfungskette für Kunststoffe und zwischen ihnen von entscheidender Bedeutung. Die Allianz für die Kunststoffkreislaufwirtschaft soll diese Zusammenarbeit erleichtern, indem auf den bereits erfolgten Zusagen der Kunststoffindustrie aufgebaut wird und noch ambitioniertere Maßnahmen angeregt werden. Europa ist bereits führend in diesem Bereich und wird auch als Erstes in den Genuss der Vorteile kommen. So lässt sich der Welt am besten zeigen, dass die Kreislaufwirtschaft für die Unternehmen und für die Umwelt gut ist.“

 

Anlässlich der Einrichtung der Allianz für die Kunststoffkreislaufwirtschaft sagte der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident Jyrki Katainen: „Die europäische Industrie hat mit ihren Zusagen gegenüber der Kommission bereits eindeutig ihr Engagement für nachhaltigere Kunststoffe bewiesen. Den Unternehmen ist bewusst, dass sich hier eine Chance bietet, um innovativ zu sein und weltweit im Einklang mit den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft die Führung bei neuen Technologien und Materialien zu übernehmen. Die Plattform, die wir heute einrichten, wird die Zusammenarbeit und den Dialog zwischen den Marktteilnehmern sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite fördern, damit wir gemeinsam einen gut funktionierenden Markt für recycelte Kunststoffe aufbauen können.“

 

Bei der Allianz für die Kunststoffkreislaufwirtschaft handelt es sich um eine hochrangige Multi-Stakeholder-Plattform, in der wichtige Industrieakteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Kunststoffe zusammenkommen – von Abfallentsorgungs- und Recyclingunternehmen bis hin zu Primärherstellern und Verarbeitern, Markeneigentümern und Einzelhändlern, insbesondere aus der Verpackungs-, der Bau- und der Autobranche.

 

Die Allianz wird drei operative Hauptziele verfolgen:

  • Förderung von kurzfristigen, freiwilligen und koordinierten Maßnahmen und Investitionen durch wichtige Akteure der Branche. Diese Maßnahmen und Investitionen können die getrennte Sammlung von Kunststoffabfällen, die harmonisierte Berichterstattung über Sammel- und Recyclingraten und ‑mengen, Investitionen in Sortier- und Recyclinganlagen, freiwillige Standards für die recyclingorientierte Gestaltung von Kunststoffprodukten („design for recycling“) und mehr umfassen. Die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und Qualität des Kunststoffrecyclings in Europa würde dazu beitragen, das Ziel von 10 Mio. t bis 2025 zu erreichen. Behörden in ganz Europa sollten dabei ebenfalls eine aktive Rolle spielen.
  • Berichterstattung über die Hindernisse‚ die die Bemühungen der Akteure zur vollständigen Erfüllung ihrer Zusagen und die Erreichung des Ziels für 2025 erschweren könnten. Zu den bereits festgestellten Hindernissen zählen fehlende Infrastruktur, unzureichender Zugang zu Finanzmitteln und Lücken bei der Normung.
  • Überwachung der Fortschritte hin zu mehr Kunststoffrecycling und zur verstärkten Nutzung recycelter Kunststoffe in Europa. Die Überwachung sollte dazu beitragen, die Lücken beim Angebot an und bei der Nachfrage nach verschiedenen recycelten Kunststoffen zu ermitteln. Gleichzeitig werden neue freiwillige Verpflichtungen unterstützt.

 

Nächste Schritte

Die Kommission wird wichtige Industrieakteure einladen, der Allianz beizutreten, insbesondere aus den Sektoren, die den größten Bedarf an Kunststoffen in Europa haben, wie die Verpackungs-, die Bau- und die Autobranche. Um die gesamte Wertschöpfungskette für Kunststoffe zu beteiligen, werden außerdem auch andere Sektoren gebeten, einen Beitrag zu leisten. Die erste Sitzung der Allianz für die Kunststoffkreislaufwirtschaft wird im Rahmen der EU-Industrietage am 5. Februar 2019 stattfinden. Eine Reihe von Arbeitssitzungen zu den von der Allianz auf ihrer ersten Sitzung ermittelten Schlüsselthemen werden zwischen März und Mai 2019 stattfinden.

 

Hintergrund

Im Dezember 2015 hat die Juncker-Kommission ein ehrgeiziges neues Paket zur Kreislaufwirtschaft angenommen, das europäischen Unternehmen und Verbrauchern den Übergang zu einer stabilen Kreislaufwirtschaft erleichtern soll, in der die Ressourcen nachhaltiger genutzt werden. Das Paket hat das Silodenken in der Kommission aufgebrochen und leistet einen Beitrag zu allgemeinen politischen Prioritäten, indem es sich mit Klimawandel und Umweltfragen befasst und gleichzeitig Beschäftigung, Wirtschaftswachstum, Investitionen und soziale Gerechtigkeit fördert. Es wurde von einem zentralen Projektteam unter dem gemeinsamen Vorsitz des Ersten Vizepräsidenten Frans Timmermans und des Vizepräsidenten Jyrki Katainen unter enger Einbeziehung der Kommissionsmitglieder Karmenu Vella und Elżbieta Bieńkowska vorbereitet. Zahlreiche weitere Kommissionsmitglieder waren ebenfalls an der Ausarbeitung beteiligt und trugen dazu bei, die Instrumente zu ermitteln, die ein breites Spektrum von Politikbereichen optimal abdecken.

 

Als Teil des Übergangs zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft verabschiedete die Europäische Kommission im Januar 2018 die erste europaweite Strategie für Kunststoffe. Sie wird die Umwelt vor der Belastung durch Kunststoffe schützen und gleichzeitig Wachstum und Innovation fördern, sodass eine Herausforderung zur positiven Agenda für die Zukunft Europas wird. Nach den neuen Plänen sollen ab 2030 alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recylingfähig sein; der Verbrauch von Einwegkunststoffen wird reduziert und die absichtliche Verwendung von Mikroplastik beschränkt.

 

Im Rahmen dieser Strategie für Kunststoffe leitete die Kommission eine Selbstverpflichtungskampagne ein und prüft derzeit die eingegangenen Zusagen der Industrie. Eine vorläufige Analyse zeigt, dass bis 2025 mindestens 10 Mio. t recycelte Kunststoffe bereitgestellt werden könnten, wenn die Zusagen in vollem Umfang eingehalten werden. Auf der Nachfrageseite sind jedoch nur etwa 5 Mio. t zu erwarten. Es sind also zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um das Ziel eines gut funktionierenden EU-Markts für recycelte Kunststoffe zu erreichen.

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