AGVU
Warnung vor übereilter Ausweitung der Produzentenverantwortung

04.12.2018 Die Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt AGVU begrüßt viele Elemente der Initiative des Bundesumweltministeriums „Nein zur Wegwerfgesellschaft – 5-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling“.

Karsten Schröder setzt sich für mehr Kreislaufdenken in der Verpackungsindustrie ein!
© Foto: Varts / Fotolia
Karsten Schröder setzt sich für mehr Kreislaufdenken in der Verpackungsindustrie ein!

Besonders positiv bewertet die AGVU das Vorhaben des Bundesumweltministeriums, den Aufbau von Abfallsammel- und Recyclingsystemen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu unterstützen. Außerdem sollen ab 2019 insgesamt 50 Mio. Euro über 10 Jahre verteilt für den Export von Technologien gegen die Verschmutzung der Meere zur Verfügung stehen. „Wenn es um die Umwelt geht, ist globales Denken gefragt. Indem Deutschland sein technologisches Know-how den Schwellenländern zugänglich macht und sie beim Aufbau von Abfallmanagementsystemen intensiv unterstützt, profitieren letzten Endes alle“, so AGVU-Vorstandsvorsitzender Dr. Carl Dominik Klepper.

 

Einen richtigen Ansatz sieht die AGVU auch darin, die öffentliche Beschaffung stärker in Anspruch zu nehmen, etwa bei kohlenstoffbasierten Materialien durch einen Vorrang von Produkten mit Anteilen aus Sekundärrohstoffen. Zudem ist der Ansatz ausdrücklich zu unterstützen, den Dialog entlang der Wertschöpfungskette voranzubringen, so dass die Nachfrage nach Recyclingmaterialien weiter gestärkt wird.

 

Vor einem überhasteten Vorgehen durch eine nicht sachgerechte Ausweitung der Produzentenverantwortung warnt die AGVU jedoch. Der 5-Punkte-Plan deutet an, dass Hersteller zukünftig auch für die allgemeine Umwelt-Reinigung von achtlos weggeworfenen Verpackungen aufkommen sollen. Stattdessen muss die Politik wieder stärker beim Verbraucher ansetzen. „Wir brauchen eine umfassende und leicht verständliche Verbraucheraufklärung zur Getrenntsammlung. Nur mit einem informierten Verbraucher, der seine Verpackungen nach Gebrauch tatsächlich in die überall verfügbaren Rücknahme- und Recyclingsysteme gibt, funktioniert Umweltschutz“, so Klepper.

 

Die Produktverantwortung ist ein ausgeklügeltes und sorgfältig entwickeltes System. Es baut auf der geteilten Verantwortung von Wirtschaft, Bürgern und Kommunen auf. Das System wurde seit seiner Einführung 1991 stetig verfeinert. Hersteller kommen heute über die Rücknahmesysteme, etwa die Gelbe Tonne, die Glassammelbehälter und die Mitsammlung von Karton-Verpackungen in der Blauen Tonne, für die Sammlung und das Recycling der in Verkehr gebrachten Verpackungen auf. Anspruchsvolle, ab Januar weiter steigende Recyclingquoten und Sekundärrohstoffe, die schon heute in einer Vielzahl von Produkten und Verpackungen eingesetzt werden, zeigen, dass Deutschland den Weg von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft bereits erfolgreich eingeschlagen hat.

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