Südpack
Engagement für chemisches Recycling

04.08.2020 Der Folienhersteller Südpack fokussiert sich verstärkt auf das chemische Recycling von Kunststoffabfällen und die Entwicklung von High-Tech-Verpackungsfolien aus dem so gewonnenen Rohstoff.

Gemeinsam zur Kreislaufwirtschaft mit chemischem Recycling.
© Foto: Südpack
Gemeinsam zur Kreislaufwirtschaft mit chemischem Recycling.

Das Material in Neuware-Qualität lässt sich für das Verpacken von Produkten mit hohen Qualitäts- und Hygieneanforderungen wie etwa Lebensmitteln einsetzen und wird der Nachhaltigkeitsphilosophie des Unternehmens wie seiner Kunden gerecht.

Rund 65 Prozent aller Verpackungen für Nahrungsmittel, Tierfutter und Getränke sind aus Kunststoff. Bislang jedoch werden in Europa nur etwa 39 Prozent der Verpackungen recycelt und 40 Prozent energetisch verwertet. Die EU ebenso wie nationale Gesetzgeber haben daher im Rahmen der Einführung einer Kreislaufwirtschaft für die Verpackungsindustrie eine Vielzahl an volumen- sowie prozentbezogenen Zielen definiert. Demnach sollen u.a. bis 2025 bei der Herstellung neuer Verpackungen zehn Mio. Tonnen Kunststoffrezyklate eingesetzt und bis 2030 die Wiederverwendbarkeit bzw. kostengünstige Recycelbarkeit aller auf dem europäischen Markt in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen umgesetzt werden. Für Verbundverpackungen sieht das deutsche Verpackungsgesetz ab 2022 eine Verwertungsquote von insgesamt 70 Masseprozent vor.

Chemisches Recycling als zielführender Ansatz

Für Südpack ist das chemische Recycling von Kunststoffabfällen ein zielführender Ansatz zur Umsetzung der anspruchsvollen Vorgaben – und ein sinnvoller Weg hin zu einem funktionierenden Kreislaufmodell. Auch Lebensmittelhersteller und Verpacker können durch das Verfahren beim Einsatz von recyceltem Material und der Erfüllung der Regularien profitieren. „Als Markt- und Innovationsführer sind wir uns unserer ökologischen wie sozialen Verantwortung sehr bewusst. Wir arbeiten daher mit Hochdruck an der Entwicklung von Konzepten, Technologien und konkreten Lösungen, die die Ressourcen schonen und die Umwelt schützen. Allerdings müssen zur Erreichung anspruchsvoller Ziele alle Beteiligten der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten“, erklärt Carolin Grimbacher, geschäftsführende Gesellschafterin und Bereichsleiterin Forschung & Entwicklung bei Südpack.

Das chemische Recycling ermöglicht die Wiederverwertbarkeit einer deutlich größeren Menge an Kunststoff als bisher. Auch aus verunreinigten, gemischten, mehrschichtigen oder anderen Kunststoffen, für die bis dato noch keine Recycling-Lösungen existieren, kann in diesem Prozess der Rohstoff zurückgewonnen werden, aus dem sich neue Kunststoffe herstellen lassen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich Kunststoffprodukte aus chemisch recyceltem Material nach dem Gebrauch erneut ohne Qualitätsverlust chemisch recyceln lassen.

Umwandlung in Pyrolyseöl oder Synthesegas sinnvoll

In einem Hochtemperaturverfahren werden dabei die komplexen Altkunststoffe in Rohmaterialien wie Pyrolyseöl oder Synthesegas umgewandelt. Diese kommen dann wie fossile Rohstoffe am Beginn der chemischen Produktionskette zum Einsatz, wodurch konventionelles Rohöl eingespart werden kann. Der Recycling-Anteil wird über ein Massenbilanzverfahren nach einer von einem unabhängigen Auditor geprüften Methode den chemischen Verkaufsprodukten zugeordnet. Die Produkte verfügen über die gleich hohe Qualität und Leistungsfähigkeit wie Neuware.

Materialien, die durch chemisches Recyceln gewonnen werden, können und dürfen daher für das Verpacken empfindlicher Produkte wie beispielsweise Lebensmittel genutzt werden – für Südpack ein essenzieller Aspekt, denn der Produktschutz hat stets allerhöchste Priorität. Nicht nur im Interesse der Menschen, sondern auch hinsichtlich einer nachhaltigen Umwelt- und Ressourcenschonung. Im Gegensatz dazu ist der Einsatz von mechanisch gewonnenen Rezyklaten wegen strenger Hygieneanforderungen insbesondere im Segment der Post-Consumer-Verpackungen stark reguliert. Lediglich die Verwendung von PET-Flakes EFSA-zertifizierter Unternehmen in der Mittelschicht von Verpackungsfolien ist erlaubt.

Derzeit ist es nicht denkbar, für die Herstellung von Kunststoffverpackungen für sensible Füllgüter wie Lebensmittel und Medizinprodukte rein recycelten Kunststoff zu nutzen, da die Gesetzeslage wie auch die besonderen Anforderungen in Bezug auf Produktschutz und Barriereeigenschaften nicht gegeben sind. „Wir können auch künftig Verbundfolien für Lebensmittelverpackungen grundsätzlich nicht ignorieren, selbst wenn wir verstärkt Rezyklate nutzen können. Denn das geforderte ‚gehobene‘ Recycling des deutschen Verpackungsgesetzes ist bei solchen Packstoffen heute so noch nicht möglich. Wir bewerten daher das chemische Recyceln insgesamt als eine sinnvolle Ergänzung zum mechanischen Recycling und als nachhaltigere Alternative zur thermischen Verwertung oder zur Deponierung“, so Carolin Grimbacher.

Erste Produkte bereits realisiert

Erste wegweisende Projekte wurden bereits realisiert. Die Verpackungen der Mozzarellakugeln und -rollen des Markenprodukts Zottarella der Genuss-Molkerei Zott beispielsweise bestehen aus einer Mehrschichtfolie von Südpack, die für die Herstellung chemisch recyceltes Polyamid von BASF einsetzt. Hierdurch kann der Einsatz von primären Rohstoffen um etwa 25 Prozent reduziert werden. Auch die gemeinsam mit der Zur Mühlen Gruppe (Gutfried), BASF und SABIC entwickelte, hochinnovative Verpackung für die neue Produktlinie der Geflügelwurstmarke Gutfried wird zu etwa zwei Dritteln aus chemisch recyceltem Kunststoff hergestellt. Die hygienischen Folienverbund-Verpackungen zeichnen sich durch den gleichen, hohen Produktschutz und die Leistungsfähigkeit wie Neuware aus, doch sie sind deutlich ressourcenschonender hergestellt.

Carolin Grimbacher: „Mit dem chemischen Recycling sind wir heute schon in der Lage, die Ressourceneffizienz unserer Lösungen signifikant zu verbessern, ohne dabei Abstriche in Bezug auf die Funktionalität und Sicherheit der Verpackungsmaterialien machen zu müssen.“

Die Etablierung der Technologie in der Abfallindustrie hat jedoch aus Sicht von Südpack verschiedene Stufen zu durchlaufen. Als ein weiterer wichtiger Schritt zur Reduzierung des Kunststoffabfalls und der Umweltbelastungen ist in erster Linie der Aufbau von geschlossenen Wiederverwertungskreisläufen bzw. Recyclingströmen für flexible Verpackungen anzusehen. Darüber hinaus spielen auch die regulatorischen Rahmenbedingungen auf dem Weg zur Marktreife eine wesentliche Rolle. Denn neben der Frage, inwieweit das chemische Recycling wie auch das Massenbilanzverfahren zur Erfüllung der gesetzlichen Recyclingquoten beitragen können, müssen beide auch rechtlich anerkannt werden. 

Für Südpack sind die aktuellen Entwicklungen allerdings erst der Anfang. „Wir werden auch künftig konsequent die Entwicklung neuer Verfahren und Technologien vorantreiben, um Kunststoff besser, höherwertiger und auch im industriellen Maßstab wirtschaftlich recyceln zu können“, so Carolin Grimbacher.

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