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EU soll über Irrweg bei Lebensmittelverpackungen nachdenken

17.01.2020 Nach wie vor können viele Lebensmittel nicht mehr konsumiert werden, weil sie wegen fehlender Kühlung und oder fehlender Verpackung ungenießbar wurden. In vielen Teilen der Welt ist sauberes Trinkwasser heute nur in Flaschen oder Kanistern zu haben. Der Transport in den leichten und günstigen Kunststoffverpackungen stellt das Überleben vieler Menschen sicher.

© Foto: Pixabay
88 Millionen Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr in der EU weggeworfen und verursachen dadurch eine CO2-Belastung von 170 Millionen Tonnen (Quelle), was dem Jahresausstoß von Finnland, Norwegen, Schweden und Portugal entspricht (Quelle). Eingeschweißte Lebensmittel wie Fleisch oder Käse sowie abgepacktes Gemüse z.B. in Dosen oder tiefgefroren stellen zudem eine verlängerte Haltbarkeit von Lebensmitteln sicher und können so verhindern, dass weitere Lebensmittel ungenießbar werden.

Die Kunststoff-Verpackung in Frage zu stellen, wie dies von dem EU-Kommissar Virginijus Sinkevičius in einem Welt-Interview angedacht wurde, ist weltfremd und gefährdet Menschenleben. Richtig ist, dass in Ländern mit schwach ausgeprägter Infrastruktur und fehlendem Abfallmanagement die Verpackungen zu einer erheblichen Umweltbelastung führen. Hier wäre gezielte Entwicklungshilfe zum Aufbau einer funktionierenden Entsorgungswirtschaft von hohem Nutzen.

Der Green Deal für Europa ist in vielen Punkten ein unterstützenswertes Ziel, jedoch kann deutlich mehr Umwelt- und Klimaschutz erreicht werden, wenn in den Ländern mit den Infrastrukturmängeln Abfallsammelsysteme und Recyclingkapazitäten aufgebaut werden.

Kunststoff spart CO2-Emissionen

Zum Klimaschutz ist es dort wie in Europa unerlässlich, die klimafreundlichste Verpackung einzusetzen. Dies ist meist nicht die Lösung aus Glas, Metall oder Papier, da diese Rohstoffe in der Verarbeitung und beim Transport deutlich mehr Energie benötigen und damit auch mehr CO2 freisetzen, als die Lösungen aus Kunststoff. Und in einer Volkswirtschaft wie der EU, die in den meisten Ländern ein funktionierendes Abfallmanagementsystem hat und wo in zehn Ländern bereits ein Deponierungsverbot für Kunststoffabfälle besteht, kann kein anderer Weg gegangen werden als notwendige Verpackung aus dem Material herzustellen, welches am wenigsten CO2 emittiert. Und da nicht jedes Einwegprodukt ökologisch und ökonomisch sinnvoll recycelt werden kann, ist die energetische Nutzung, wie sie bei Kunststoff möglich ist, nach wie vor eine sinnvolle Nutzung, da sie Öl und Gas einspart!

Michael Weigelt, Geschäftsführer des Verbands Technische Kunststoffprodukte e.V., mahnt „Die EU hat richtig erkannt, dass der CO2-Ausstoß eingedämmt werden muss, da die Weltbevölkerung sonst erhebliche Probleme infolge der Erderwärmung bekommen wird. Dagegen ist das Abfallproblem deutlich leichter lösbar. Daher muss der emotionale und augenscheinliche Populismus gegen Kunststoffprodukte endlich einer vernünftigen faktenbasierten Strategie weichen.“

Daher schlägt Weigelt vor, „dass in der Kommission nochmal neu nachgedacht werden sollte, da es nicht vernünftig ist, Gesetze zu erlassen, die Produkte verbieten, die helfen das Klima schützen und damit die Erreichung der Klimaziele des Green Deals unterstützen!“
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