Beiersdorf / Werner & Mertz
Gemeinsam für nachhaltige Kosmetikverpackungen

09.07.2020 Es sei ein großer Schritt für die Kreislaufwirtschaft und die Kosmetikindustrie, heißt es: Das Gründungsunternehmen der Recyclat-Initiative Werner & Mertz, und der Kosmetikkonzern Beiersdorf sind eine Kooperation eingegangen.

Schon heute ist es möglich, hochwertige Kosmetikverpackungen aus Altplastik herzustellen, beispielsweise Duschgelflaschen. Beiersdorf und Werner & Mertz möchten mit der neuen Fraunhofer IVV-Analyse die Branche ermutigen, ebenfalls auf Recyclat zu setzen.
© Foto: Werner & Mertz
Schon heute ist es möglich, hochwertige Kosmetikverpackungen aus Altplastik herzustellen, beispielsweise Duschgelflaschen. Beiersdorf und Werner & Mertz möchten mit der neuen Fraunhofer IVV-Analyse die Branche ermutigen, ebenfalls auf Recyclat zu setzen.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) haben sie ein Fundament für den Einsatz von mechanisch recyceltem Altplastik, welches aus dem Dualen System ‚Grüner Punkt‘ gewonnen wird, für Kosmetikverpackungen erarbeitet. Hiermit bieten die Partner erstmals eine Orientierungshilfe für die Industrie.

Bislang gibt es im Kosmetikmarkt sowohl bei Herstellern als auch bei Recyclingfirmen große Unsicherheit über die Verwendung von sogenannten Post-Consumer-Recyclaten (PCR) in Kosmetikverpackungen. Generell gilt laut Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, dass Hersteller natürlich nur sichere Produkte in Umlauf bringen dürfen. Unter welchen Bedingungen Rezyklat eingesetzt werden darf, ist dort nicht definiert – daher die Unsicherheit, ob und in welcher Form Rezyklat den Sicherheitskriterien entspricht.

Werner & Mertz hatte bereits in einem langjährigen Projekt mit Partnern die Entwicklung von Aufbereitungsprozessen für HDPE vorangetrieben und aufgezeigt, dass eine sichere Verwendung von HDPE Recyclat für sogenannte Rinse-Off-Produkte – Produkte, die zur Körperreinigung angewendet werden – möglich ist.

Beiersdorf als Marktführer im Bereich der Hautpflege mit den Marken Nivea und Eucerin hatte sich erst kürzlich ambitionierte Ziele für die Kreislauffähigkeit seiner Verpackungen gesetzt und erste Produkte mit Recyclinganteil in Kunststofflaschen auf den Markt gebracht. „Bei unseren Bemühungen, den Recyclinganteil in unseren Kunststoffverpackungen weiter auszubauen, stehen wir als Hersteller vor der Herausforderung, dass die Zulieferer nur unzureichend auf unsere Materialanforderungen vorbereitet sind. Es wurde schnell deutlich, dass wir bei der Entwicklung von hochwertigen Rezyklaten unterstützen müssen, insbesondere bei der Definition der Qualitätsanforderungen. Werner & Mertz hatte hier schon ausgezeichnete Vorarbeit geleistet. Gemeinsam haben wir dann die Idee weiterentwickelt und das Fundament für einen Kosmetikstandard gelegt“, erläutert Michael Becker, Head of Global Packaging Development, Beiersdorf AG.

Klare Handlungsempfehlungen für Recyclat Einsatz

Um der Branche mehr Sicherheit und Klarheit in Bezug auf den Einsatz von Altplastik in Kosmetikverpackungen zu geben, haben Werner & Mertz und Beiersdorf in Zusammenarbeit mit Dr. Frank Welle vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung eine Bestandsaufnahme von vorhandenen Recyclaten am europäischen Markt erstellt. Diese liefert eine maßgebliche Transparenz über die vorhandenen Recyclingverfahren, die verfügbaren Recyclat-Qualitäten, sowie die Materialeigenschaften. Durch einen Abgleich mit den Anforderungen an Kosmetikverpackungen konnte daraus erstmals ein Standard definiert werden, der Antworten auf die wichtigsten Fragestellungen liefert, die Recyclingunternehmen und Herstellern weiterhilft. Recycler erfahren, wie sich die Qualitätslage aus Sicht der Kosmetikbranche darstellt und erhalten Hinweise darüber, wie eine hochwertige Aufbereitung von Altplastik für Kosmetikverpackungen gelingen kann und welche Qualität erforderlich ist, um die Anforderungen der Branche zu erfüllen.

Auf Seiten der Kosmetikindustrie, so die Erkenntnisse der Untersuchung, ist es zielführend, Kunststoffverpackungen so zu gestalten, dass sie aus hochwertigem Material bestehen, das dem Kreislauf erneut zugeführt werden kann. Den Gedanken der Kreislauffähigkeit gilt es auch bei der Gestaltung der Verpackung zu beachten: beispielsweise durch den Einsatz von Monomaterialien statt Verbundmaterialien, nachhaltigen Druckfarben, ablösbaren Etiketten sowie die leichte Trennbarkeit der Verpackungskomponenten im Recyclingprozess. Die Erkenntnisse aus der Analyse werden zu Beginn des Herbstes 2020 vom Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung veröffentlicht.

„Wir haben mit unserer gemeinsamen Arbeit bewiesen, dass mechanisches Recycling einen gangbaren Weg für hochwertiges Sekundärrohstoffe darstellt. Unsere Erkenntnisse sind zukunftsweisend und sollen allen Akteuren mehr Sicherheit geben. Wenn viele Unternehmen unserem Beispiel folgen, wird Bedarf erzeugt, was wiederum die Investitionen in Aufbereitungsanlagen beschleunigt und den wiederkehrenden Einsatz von Altplastik wirtschaftlich macht. Dies kommt dann nicht nur den Unternehmen, sondern vor allem unserer Umwelt zugute. Mit Beiersdorf haben wir einen starken Kooperationspartner gefunden, der unsere Vision von einem branchenweiten Einsatz von Recyclat teilt“, sagt Immo Sander, Leiter Verpackungsentwicklung bei Werner & Mertz.

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